Landschlachtschiff

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Landschlachtschiff und Landkreuzer sind historische Bezeichnungen verschiedener Panzertypen. Die Wörter haben ihren Ursprung im Ersten Weltkrieg, als die ersten aufkommenden Panzer so bezeichnet wurden. Im Zweiten Weltkrieg kam es von deutscher Seite zu Planungen von überdimensionierten Panzern unter diesen Bezeichnungen.

Entwicklung im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Little Willie im Gelände

Der für den Ersten Weltkrieg charakteristische Stellungskrieg ließ die britische Armee nach Möglichkeiten suchen, diesen zu vermeiden. Eine seit Ende 1914[1] verfolgte Idee bestand darin, mittels gepanzerter Fahrzeuge die Infanterie geschützt durchs Niemandsland zu bringen, um ein Durchbrechen der feindlichen Stellungen zu ermöglichen. Diese Ideen gingen nicht vom Heer, sondern maßgeblich auf die britische Admiralität, angeführt vom späteren Premier Winston Churchill, zurück. Diesbezüglich kam es Anfang 1915 zu Planungen von einem Land battleship mit über 1000 Tonnen Masse, welche jedoch in dieser Form als undurchführbar verworfen wurden. Am 22. Februar kam es zur ersten Sitzung des „Landships Committee[2] unter Federführung der Admiralität zum weiteren Überdenken solcher Ansätze, von dem aus der Bau der ersten Prototypen für Panzerfahrzeuge initiiert wurde.[3] Der erste brauchbare Prototyp des Landships Committee war der Panzer Little Willie. Die in den folgenden Jahren gebauten Panzer wurden schließlich als Landships bezeichnet.[4] Der erste und im Ersten Weltkrieg einzige deutsche Panzer, der A7V, wurde als Landkreuzer bezeichnet.[5]

Entwicklung im Zweiten Weltkrieg – P-1000 und P-1500[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg, die Wörter Tank und Panzer hatten sich mittlerweile durchgesetzt, wurden mit diesen Wörtern nie realisierte deutsche Panzer bezeichnet, die ihren Entwürfen zufolge in ihrem Ausmaß alle üblichen Panzer deutlich übertroffen hätten. Es handelte sich dabei um die Modelle P-1000 „Ratte“ und P-1500 „Monster“, welche von Krupp[6] entworfen und deren Entwicklung von Adolf Hitler persönlich befürwortet wurde. Die Zahlen 1000 bzw. 1500 beziehen sich auf die vorgesehene Masse in Tonnen, womit bei weitem der schwerste je realisierte Prototyp eines Panzers, der Panzerkampfwagen VIII Maus, übertroffen worden wäre.

Größenvergleich zwischen „Ratte“, „Maus“ und „Tiger“

Die Planungen zu dem P-1000 sahen ein überschweres Panzerfahrzeug mit einer Länge von 39 m und einer Breite von 14 m vor, welches mit zwei Schiffsdieselmotoren von MAN mit je 6500 PS Leistung angetrieben werden sollte.[7] Der Entwurf sah als Hauptbewaffnung einen 650 Tonnen wiegenden Turm mit zwei 280-mm-Geschützen vor, welche auch auf den Schlachtschiffen Scharnhorst und Gneisenau als Hauptartillerie − dort jedoch in Drillingstürmen − eingesetzt waren. Zur Luftverteidigung waren acht Flakgeschütze mit Kaliber 20 mm und zwei MG 151/15 vorgesehen. Die ersten Entwürfe wurden im Juni 1942 Hitler vorgelegt, der zusammen mit Albert Speer den Spitznamen „Ratte“ vergab. Im Dezember wurde das Projekt offiziell bei Krupp in Auftrag gegeben.[8] Schon Anfang 1943 wurde das Projekt von Speer eingestellt, der keine Verwendung für ein solches Fahrzeug sah.[6]

Mögliches Aussehen des P-1500

Neben dem P-1000 führte das Unternehmen Krupp auch Studien zu dem noch schwereren P-1500 durch, welcher den Decknamen „Monster“ erhielt. Hitler förderte die Ambitionen der Rüstungsindustrie, solch einen Koloss zu entwerfen. Blaupausen oder genaue Konstruktionsdetails sind nicht bekannt. Das Fahrzeug war als mobile Variante des Dora-Geschütz, der größten jemals gebauten Kanone, vorgesehen. Zusätzlich sollten zwei am Heck befindliche 150-mm-Geschütze dem P-1500 Deckung geben. Als Antrieb waren vier Schiffsdiesel von MAN mit je 6500 PS vorgesehen; als Besatzung wären etwa 100 Mann nötig gewesen.[9] Auch dieses Projekt wurde Anfang 1943 von Speer eingestellt. Einen taktisch sinnvollen Einsatzbereich hätte es für beide Fahrzeuge nicht gegeben, da durch deren Größe und Gewicht eine sichere Mobilität und Transport an die Front nicht gewährleistet werden konnte. Außerdem wäre selbst bei besten wirtschaftlichen Bedingungen - die in der Endphase des Krieges längst nicht mehr gegeben waren - eine ausreichende Treibstoffversorgung und Wartung dieser Fahrzeuge nicht möglich gewesen.

Auf alliierter Seite wurden solche Planungen nicht verfolgt. Gerade in der Sowjetunion hatte man aus dem Fiasko mit mehrtürmigen Panzern wie etwa dem T-35 gelernt. Zwar entschieden sich die Alliierten vor allem nach dem Erscheinen des Tigers für den Bau überschwerer Panzer, aber bis Kriegsende waren die Projekte, zum Beispiel der britische Tortoise oder der amerikanische T28, weder ausgereift noch in irgendeiner Form mit den deutschen Prototypen vergleichbar. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein solches Konzept als militärisch unnötig angesehen und nicht weiter verfolgt.

Literatur[Bearbeiten]

  • David Porter „Hitlers Geheimwaffen 1933 bis 1945“ Weltbild-Verlag, Augsburg, 2012, ISBN 978-3-8289-4523-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walther Albrecht, Gunther Burstyn (1879–1945) und die Entwicklung der Panzerwaffe, Biblio-Verlag, 1973, S. 35.
  2. Chris Chant, Richard Jones: Tanks. Zenith Imprint 2004, S. 9.
  3. Robin Prior, Churchill’s World Crisis as History, Croom Helm, 1983, S. 231 ff.
  4. David Fletcher, Landships: British tanks in the First World War, 1984.
  5. Birgit Buschmann, Unternehmenspolitik in der Kriegswirtschaft und in der Inflation – Die Daimler-Motoren-Gesellschaft 1914-1923, 1998.
  6. a b  Michael Ellenbogen: Gigantische Visionen – Architektur und Hochtechnologie im Nationalsozialismus. 1. Auflage. Ares Verlag, Graz 2006, ISBN 3-902475-25-0, S. 133–136.
  7. Andere Planungen sahen den Einsatz von acht Damiler-Benz Vergasermotoren mit je 2000 PS vor → David Porter: Hitler’s Secret Weapons 1933–1945. Amber Books, London 2010, ISBN 978-1-906626-74-7, S. 70–73.
  8. Zeichnungen mit dem Datum vom 29. Dezember 1942 sind erhalten → Zeichnungs-Nr. E-30404/1 von Krupp nach Fritz Hahn: Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933–1945. Bernard & Graefe, Bonn 1998, ISBN 3-7637-5915-8, S. 92.
  9. David Porter: Hitler’s Secret Weapons 1933–1945. Amber Books, London 2010, ISBN 978-1-906626-74-7, S. 70–73