Landsmannschaft Ostpreußen

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Die Landsmannschaft Ostpreußen e.V. (LO) mit Sitz in Hamburg ist ein Vertriebenenverband. Sie ist laut Satzung überkonfessionell und überparteilich sowie als gemeinnützig anerkannt. Sie wurde am 3. Oktober 1948 von heimatvertriebenen und geflüchteten Ostpreußen gegründet. Bereits am 5. August 1950 verzichteten die Vertriebenen in der Charta der deutschen Heimatvertriebenen auf Rache und Vergeltung. Die Landsmannschaft Ostpreußen ist Mitglied im Bund der Vertriebenen (BdV). Ihr Sprecher ist seit 2010 Stephan Grigat. Die LO ist unabhängig und wird nicht mit öffentlichen Geldern gefördert.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Die Landsmannschaft Ostpreußen ist vor allem in der grenzüberschreitenden Kultur- und Begegnungsarbeit sowie in der historischen und politischen Publizistik tätig. Zu den politischen Anliegen und Aktivitäten der Landsmannschaft in der jüngeren Vergangenheit gehörten die Schaffung eines Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin, möglichst unter Mitwirkung von BdV-Präsidentin Erika Steinbach, die Durchführung deutsch-polnischer „Kommunalpolitischer Kongresse“, der Erhalt und die Weiterentwicklung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg sowie der weitere Aufbau der Ende 2007 gegründeten „Europäischen Union der Flüchtlinge und Vertriebenen“ (EUFV) mit Sitz in Triest. Im Jahre 2009 errichtete die Landsmannschaft außerdem aus ihren Rücklagen die Stiftung Zukunft für Ostpreußen mit Sitz in Hamburg.

In den Jahren nach der Wende (DDR) von 1989/90 hat die Landsmannschaft Ostpreußen, oft in Kooperation mit dem Lazarus Hilfswerk oder der Johanniter Unfallhilfe, 21 Sozialstationen in Ostpreußen eingerichtet, die sie unterhält. Sie hat Kleiderkammern und Apotheken eingerichtet, die sie unterhält. Sie hat in dieser Zeit zahlreiche Hilfsgütertransporte für Krankenhäuser, Kinder- und Altersheime organisiert und finanziert, Wolfskinder, besonders in Litauen, unterstützt, ebenso wie Kindergärten und Schulen, unter anderem durch Schulspeisungen. Diese Aktivitäten sind aber wegen der wirtschaftlichen Entwicklung Polens in den vergangenen Jahren in den Hintergrund getreten.

Ziele[Bearbeiten]

Laut ihrer geltenden Satzung vom November 2006 versteht sich die Landsmannschaft Ostpreußen als „Dachorganisation der heimatvertriebenen Ostpreußen, deren Nachkommen und aller, die sich Ostpreußen und seiner Geschichte besonders verbunden fühlen“. Zu den Satzungsmäßigen Zielen der Landsmannschaft gehören:

  • die Wahrung des kulturellen Erbes Ostpreußens,
  • die Fürsorge für die Vertriebenen und die Angehörigen der deutschen Volksgruppe in der ostpreußischen Heimat
  • das Recht auf Selbstbestimmung „als ein jedem Volk unantastbares Recht“
  • das „friedliche Zusammenleben der Völker auf dem Boden des Rechts, nicht der Gewalt“
  • die europäische Einigung in Frieden und Freiheit sowie die
  • umfassenden Volksgruppenschutz für alle ethnischen Minderheiten in Europa.

Die Satzung enthält an mehreren Stellen ein Bekenntnis zum Völkerrecht, aber keine (explizite) Forderung nach Eigentumsrückgabe oder Entschädigung. In der Satzung wird auch nicht die Rückgliederung ehemals ostpreußischen Gebietes an Deutschland gefordert.

Mitgliedschaft und Organe[Bearbeiten]

Die Landsmannschaft Ostpreußen besteht aus:

  • 40 Heimatkreisgemeinschaften, entsprechend den historischen 40 Landkreisen Ostpreußens,
  • 16 Landesgruppen, entsprechend den 16 Bundesländern, mit insgesamt etwa 420 Orts- und Kreisgruppen und der
  • Arbeitsgemeinschaft Bund Junges Ostpreußen (BJO).

Neben diesen korporativen Mitglieder kann die Landsmannschaft laut Satzung „höchstens zwei Personen als Einzelmitglieder aufnehmen“, die mit einer besonderen Funktion betraut sind.

Die Landsmannschaft Ostpreußen hat zwei Organe, die Ostpreußische Landesvertretung (OLV) sowie den Bundesvorstand. Die OLV tagt üblicherweise einmal jährlich. Sie hat mit Ausschüssen und Präsidium eine parlamentsähnliche Struktur, im Sinne des Vereinsrechts ist sie die Mitgliederversammlung der LO. Ein weiteres Gremium der LO ist das Schiedsgericht.

Die LO gibt außerdem die rechtskonservative bis neurechte Wochenzeitung Preußische Allgemeine Zeitung (früher: „Das Ostpreußenblatt“) heraus und ist Inhaberin des Versandbuchhandels Preußischer Mediendienst mit Sitz in Leipzig.

BJO[Bearbeiten]

Im Februar 2000 wurde der Bund Junges Ostpreußen, die offizielle Jugendorganisation des Verbands, gegründet. Der früheren Jugendorganisation Junge Landsmannschaft Ostpreußen (heute: Junge Landsmannschaft Ostdeutschland) wurde dieser Status aufgrund ihrer rechtsextremen Ausrichtung aberkannt, woraufhin sie sich dem Witikobund anschloss.[1] Der Bund Junges Ostpreußen hat ca. 600 Mitglieder, Bundesvorsitzender ist der Student Stefan Hein. Der BJO ist sowohl in der Bundesrepublik als auch in Ostpreußen mit Seminaren, Freizeiten, Bildungsveranstaltungen und Begegnungen aktiv. Auch die Kriegsgräberfürsorge in Ostpreußen – oft gemeinsam mit polnischen Jugendlichen – gehört zu den Tätigkeiten des BJO.

Sprecher (Vorsitzende)[Bearbeiten]

Bierut-Dekrete[Bearbeiten]

Im Vorfeld der EU-Osterweiterung forderte die Landsmannschaft die Rücknahme der „Bierut-Dekrete“. Diese Dekrete stellten, ähnlich wie die Beneš-Dekrete in der ehemaligen Tschechoslowakei, die völkerrechtswidrigen Vertreibungen, Enteignungen und Misshandlungen der deutschen Bevölkerung in Ostpreußen, Schlesien, Pommern und Ost-Brandenburg unter Straffreiheit.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stephan Braun, Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke – eine Gefahr. VS, Wiesbaden 2004, ISBN 3-8100-4153-X, S. 40.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Danowski: Das Polenbild der „Landsmannschaft Ostpreussen“. Würzburg, Univ., Fachbereich Rechtswiss., Diss., 1978.

Weblinks[Bearbeiten]