Landtagswahl in Niedersachsen 1978

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Landtagswahl 1978
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Von 155 Sitzen entfallen auf:

Die Wahl zum 9. Niedersächsischen Landtag fand am 4. Juni 1978 statt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die sozialliberale Koalition unter Alfred Kubel (SPD) hatte nach der Wahl 1974 nur eine Ein-Stimmen-Mehrheit gegenüber der oppositionellen CDU. 1976 sollte ein Generationenwechsel im Ministerpräsidentenamt stattfinden. Die SPD schlug den bisherigen Finanzminister Helmut Kasimier vor. Er erreichte in zwei Wahlgängen allerdings nicht die notwendige Mehrheit. Der Kandidat der CDU Ernst Albrecht erhielt erst zwei, dann drei Stimmen mehr als Kasimier. Im dritten, dem entscheidenden Wahlgang, zählte nur noch die relative Mehrheit. Die SPD stellte den Bundesbauminister Karl Ravens auf.[1][2][3] Mit Hilfe von Abweichlern aus der sozialliberalen Koalition wurde aber am 12. Februar 1976 Ernst Albrecht (CDU) zum Ministerpräsidenten gewählt.[4]

Albrecht führte ein Jahr lang eine Alleinregierung, die auf die Stimmen der FDP angewiesen war. Sie trat erst am 19. Januar 1977 in die Regierung ein.[5][6]

Ein Wahlkampfthema war die Entscheidung der Bundesregierung unter Helmut Schmidt (SPD) und der niedersächsischen Landesregierung unter Albrecht für ein Atommüllendlager im wendländischen Gorleben. Gorleben polarisiert seitdem die innenpolitische Landschaft. Die Grüne Liste Umweltschutz als neue politische Kraft, trat als Sachverwalterin der Atomkraftgegner auf. Ihr Spitzenkandidat war Martin Mombaur.[7][8][9]

Für die CDU trat der amtierende Ministerpräsident Ernst Albrecht für eine erste Bestätigung seiner Regierung duch die Bürger an. Die SPD stellt ihren Kandidaten vom dritten Wahlgang 1976 auf, den Bundesbauminister Karl Ravens. Spitzenkandidat der FDP war der niedersächsische Innenminister Rötger Groß.[10]

Ergebnis[Bearbeiten]

Die CDU konnte die Wahl klar für sich entscheiden. Sie erhielt mit 48,7 Prozent nur 0,1 Prozent weniger als 1974. DIe SPD verlor leicht auf 42 Prozent und lag damit deutlich hinter der CDU. Die FDP wurde für ihren Koalitionswechsel nicht honoriert. Sie verlor fast drei Prozent und fiel damit unter die Fünf-Prozent-Hürde. Die GLU erreichte mit 3,9 Prozent ein Achtungsergebnis und war fast so stark geworden wie die FDP. Ein Jahr später bei der Bürgerschaftswahl in Bremen konnte allerdings erst die erste grüne Partei in ein deutsches Landesparlament einziehen.

Damit waren, wie schon nach der Wahl 1970, nur noch zwei Parteien im Landtag vertreten. Diesmal hatte die CDU das bessere Ende für sich gewonnen und stellte eine Mehrheit von 11 Stimmen.

Wahlberechtigte: 5241051

Wähler: 4114730 (Wahlbeteiligung: 78,51 %)

Gültige Stimmen: 4088183

Partei Stimmen Anteil
in %
Direkt-
man-
date
Sitze
CDU 1989326 48,66 61 83
SPD 1723638 42,16 38 72
FDP 171514 4,20
GLU 157733 3,86
NPD 17613 0,43
DKP 12700 0,31
FU 10855 0,27
KBW 2779 0,07
AUD 1293 0,03
VPD 472 0,01
EAP 186 0,00
Einzelbewerber 74 0,00
Total 4088183 99 155

Folgen[Bearbeiten]

Ernst Albrecht (CDU) war deutlich bestätigt worden und konnte eine Alleinregierung bilden.[11]

Zusammen mit der Niederlage FDP bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 1978 am gleichen Tag wurde eine Krise der sozialliberalen Koalition in Bonn konstatiert. Zwei Tage nach der Wahl trat Bundesinnenminister Werner Maihofer (FDP) zurück. Sein Rücktritt wurde neben der Verwicklung in die Lauschaffäre Traube und seiner Rolle bei den Fahndungspannen während der RAF-Entführung von Hanns Martin Schleyer im Jahr 1977 als Folge der desolaten Wahlergebnisse der Liberalen gesehen.[12][13][14]

Literatur[Bearbeiten]

Claus A. Fischer (Hrsg.): Wahlhandbuch für die Bundesrepublik Deutschland. Daten zu Bundestags-, Landtags- und Europawahlen in der Bundesrepublik Deutschland, in den Ländern und in den Kreisen 1946–1989, 2. Halbband, Paderborn 1990.

Weblinks[Bearbeiten]

Private Webseite zu Wahlen in Deutschland

  1. http://www.zeit.de/1976/04/ehrlich-treu-genau-und-blass
  2. http://www.zeit.de/1976/07/die-stunde-der-wahrheit
  3. http://www.zeit.de/1976/07/aus-dem-zweiten-glied-an-die-rampe
  4. http://www.zeit.de/1976/05/besorgnis-ueber-die-folgen
  5. http://www.zeit.de/1976/05/albrecht-schon-hoch-zu-ross
  6. http://www.zeit.de/1976/15/klappt-albrechts-strategie
  7. http://www.zeit.de/1978/38/albrecht-widersteht-bonns-draengeln
  8. http://www.zeit.de/1978/40/die-gruenen-machen-den-parteien-angst
  9. http://www.zeit.de/1978/39/auf-dem-atom-karussell
  10. http://www.zeit.de/1978/21/das-rote-ross-baeumt-sich-auf
  11. http://www.zeit.de/1978/24/der-helle-schein-eines-nordlichts
  12. http://www.zeit.de/1978/24/ein-scherbengericht
  13. http://www.zeit.de/1978/24/die-lauen-wurden-ausgespien
  14. http://www.zeit.de/1978/24/drei-fehler-der-liberalen