Langendorf SO

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SO ist das Kürzel für den Kanton Solothurn in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Langendorff zu vermeiden.
Langendorf
Wappen von Langendorf
Staat: Schweiz
Kanton: Solothurn (SO)
Bezirk: Lebernw
BFS-Nr.: 2550i1f3f4
Postleitzahl: 4513
Koordinaten: 605744 / 22999247.2208337.514458496Koordinaten: 47° 13′ 15″ N, 7° 30′ 52″ O; CH1903: 605744 / 229992
Höhe: 496 m ü. M.
Fläche: 1,93 km²
Einwohner: 3761 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 1949 Einw. pro km²
Website: www.langendorf-so.ch
Blick auf Langendorf

Blick auf Langendorf

Karte
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Langendorf ist eine politische Gemeinde im Bezirk Lebern des Kantons Solothurn in der Schweiz. Der frühere französische Name der Gemeinde lautet Lonville.

Geographie[Bearbeiten]

Langendorf liegt auf 496 m ü. M., 2 km nordwestlich des Stadtzentrums von Solothurn (Luftlinie). Das ursprüngliche Strassenzeilendorf, welches sich mittlerweile zur Vorortsgemeinde von Solothurn entwickelt hat, erstreckt sich in einer Mulde beidseits des Wildbachs, leicht erhöht nördlich des Aaretals am Jurasüdfuss, am Fuss des Weissensteins.

Die Fläche des 1.9 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen kleinen Abschnitt des unteren Jurasüdhangs. Der Hauptteil des Gebietes wird von der Mulde eingenommen, welche der am Weissenstein entspringende Wildbach von Norden nach Süden durchfliesst. Diese Mulde wird im Westen von der Waldkuppe des Heimlisbergs (bis 525 m ü. M.) flankiert. Im Osten wird das Gebiet vom Tälchen des Dürrbachs begrenzt; nach Süden reicht die Gemeindefläche bis fast in die Aareniederung hinunter. Nach Nordosten erstreckt sich der Gemeindeboden über eine Wiesenhöhe bis in das Fallerenhölzli, in dem mit 545 m ü. M. der höchste Punkt von Langendorf erreicht wird. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 47 % auf Siedlungen, 11 % auf Wald und Gehölze und 42 % auf Landwirtschaft.

Nachbargemeinden von Langendorf sind Solothurn, Bellach, Oberdorf (SO) und Rüttenen. Das Siedlungsgebiet von Langendorf ist heute fast lückenlos mit denjenigen von Solothurn, Bellach und Oberdorf zusammengewachsen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Mit 3761 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) gehört Langendorf zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Solothurn. Von den Bewohnern sind 92,2 % deutschsprachig, 2,8 % italienischsprachig und 0,9 % sprechen Französisch (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Langendorf belief sich 1850 auf 354 Einwohner, 1900 auf 1078 Einwohner. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl bis 1970 (3019 Einwohner) kontinuierlich an. Danach blieb die Einwohnerzahl konstant, bevor in den 1990er Jahren wieder eine leichte Bevölkerungszunahme verzeichnet wurde.

Politik[Bearbeiten]

Alle vier Jahre wählt die Bevölkerung einen 9-köpfigen Gemeinderat sowie einen Gemeindepräsidenten oder eine Gemeindepräsidentin. Der Gemeinderat nach der Wahl 2009 besteht aus vier FDP-, vier SP- und einem CVP-Abgeordneten. Gemeindepräsident ist Hanspeter Berger (SP).

Die Funktion der Legislative übernimmt in Langendorf die basisdemokratische Gemeindeversammlung.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Langendorf war bis Ende des 19. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Die Wasserkraft des Wildbachs wurde früher für den Betrieb von Mühlen genutzt. Von 1873 bis 1973 hatte in Langendorf die Uhrenindustrie eine grosse Bedeutung.

Heute haben der Ackerbau und der Obstbau sowie die Viehzucht nur noch einen marginalen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Zahlreiche weitere Arbeitsplätze sind im sekundären Sektor und im Dienstleistungssektor vorhanden. In Langendorf sind heute Betriebe des Maschinenbaus (als grösster die Truninger Pumpenbau AG), des Metallbaus, der Informatik, der Elektrobranche, des Baugewerbes, des Transportgewerbes und mechanische Werkstätten vertreten. Langendorf ist Standort eines grossen Einkaufszentrums der Migros am Ort der früheren Uhrenfabrik Lanco sowie der kantonalen Psychiatrischen Klinik und verfügt über eine Kreisschule. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler, die hauptsächlich in Solothurn arbeiten.

Geschichte der Langendorfer Uhrenindustrie[Bearbeiten]

Ehemalige Uhrenfabrik Lanco, jetzt Einkaufszentrum (Hochhaus rechts 2011 abgerissen)
2008 beim Umbau der ehemaligen Fabrik kurzzeitig wieder sichtbarer Schriftzug

Die Familie Kottmann aus Solothurn kaufte schon 1842 eine Liegenschaft in Langendorf, um industriell tätig zu werden.

1873 wurde das vormalige Gebäude für Zichorienfabrikation umgebaut, und es wurden 70 bis 80 Arbeitsplätze zur Ébauche-Fabrikation geschaffen. Damit war der Grundstein für die Uhrenfabrikation in Langendorf gelegt.

Anfangs erlebte die Uhrenfabrik schwere Zeiten, die Geschäfte wollten nicht richtig gedeihen. Im Jahre 1879 wurde die Firma dann in Uhrenfabrik Langendorf SA umbenannt.

1880 hatte die Ébauchefabrikation einen bedrohlichen Tiefstand erreicht. Die Mitarbeiterzahlen und auch die Qualität gingen ständig zurück. Da Blaumachen und Alkoholismus unter der Belegschaft weit verbreitet waren, begann Karl Kottmann mit sozialem Wohnungsbau und der Ausbildung von einheimischen Arbeitskräften.

Als das Unternehmen Mitte der 1880er Jahre kurz vor der Liquidation stand, gelang es Karl Kottmann mit Hilfe von Westschweizer Uhrenfachleuten, den Betrieb zu reorganisieren und zu modernisieren. Damit setzte der Erfolg ein und das Unternehmen konnte sich zeitweise der Aufträge von Neuenburger Firmen kaum erwehren. Es war somit naheliegend, dass der Betrieb massiv ausgebaut wurde.

Karl Kottmann war ein, für diese Zeit sehr unüblich, sozialer Arbeitgeber. Er war massgeblich an der Finanzierung neuer Schulhäuser, einer Hydrantenanlage und später (seine Nachfolger) bei der Einführung elektrischer Beleuchtung in Langendorf beteiligt. Zudem förderte er massiv den sozialen Wohnungsbau und gründete fast alle – z.T. noch heute existierenden – Dorfvereine. Uhrenfabrik und Dorf waren eng miteinander verzahnt, was Vor-, aber auch Nachteile (z.B. eine starke Einmischung der Firma in die Politik) zur Folge hatte.

1887 wurde zusätzlich die Fabrikation von Fournituren aus Rohlingen aufgenommen. Damit wurde der Betrieb von Zulieferanten unabhängig. Die Uhrenfabrik wuchs unaufhaltsam weiter und galt Ende der 1880er Jahre als „grösste Uhrenfabrik der Welt“ (wobei dies in dem Zusammenhang gesehen werden muss, dass sich damals die weltweite Uhrenindustrie noch weitgehend in der Schweiz konzentrierte).

Als Karl Kottmann 1890 unerwartet starb, übernahm der damalige technische Leiter Lucien Tièche die Leitung der Fabrik. Er setzte auch beim Verwaltungsrat durch, dass die Uhrenfabrik Langendorf von nun an ihre eigenen Uhren, mit eigenem Markennamen, produzieren sollte.

1902 übernahm wieder ein Kottmann die Leitung der Uhrenfabrik. Ernst Kottmann stellte 1904 den Betrieb von Dampfmaschinen-Antrieb auf elektrischen Strom um und nahm kurz vor dem Ersten Weltkrieg neu die Drehteile-Fabrikation als zusätzlichen Produktionszweig auf. 1918 war das Unternehmen vom Generalstreik stark betroffen.

Als Ernst Kottmann 1942 krankheitshalber zurücktrat, übernahm sein Bruder Rudolf die Führung. Während des Zweiten Weltkriegs belieferte die Firma laut Zeitzeugen (das Firmen-Archiv existiert für diese Zeit nicht mehr) auch Hitler-Deutschland, z.B. mit Zeitzündern.

1964 kam es dann zu einer schicksalshaften Wende. Nach einem tödlichen Unfall des damaligen Direktors Hans Kottmann übernahm erstmals ein Kollegium unter dem Vorsitz von Guido Kottmann die Leitung des Betriebs. Die Uhrenfabrik Langendorf SA, welche bereits seit einigen Jahren Lanco (für „Langendorf Co.“) hiess, musste aufgrund des schwächelnden Geschäftsgangs 1965 der „Allgemeinen Schweizerischen Uhrenindustrie AG“ (ASUAG) beitreten.

1971 musste die Lanco ihre Selbstständigkeit schliesslich ganz aufgeben und wurde Teil der Omega-Tissot-Gruppe. Genau 100 Jahre nach der Gründung der Lanco kam 1973, während der allgemeinen Schweizer Uhrenkrise, das Ende. Die meisten Arbeiterinnen und Arbeiter verloren ihre Stelle. Andere konnten in anderen Betrieben, die gewisse Produktionsbereiche übernahmen, weiterarbeiten.

Der Gebäudekomplex der Lanco wurde von der Migros übernommen, die darin das 1977 eröffnete Einkaufszentrum Ladedorf (auch: Ladendorf) einrichtete. Es wurde 1996 und 2008–2010 umgebaut und erweitert.[2] Ein dazugehörendes Hochhaus, das für das Ortsbild von Langendorf prägend war, wurde 2011 abgerissen.[3]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt abseits der grösseren Durchgangsstrassen an einer Verbindungsstrasse von Solothurn nach Oberdorf. Der nächste Anschluss an die Autobahn A5 (Solothurn-Biel) befindet sich rund 4 km vom Ortskern entfernt. Am 1. August 1908 wurde die Eisenbahnlinie der damaligen Solothurn-Münster-Bahn (heute: BLS AG) von Solothurn nach Moutier mit einem Bahnhof in Langendorf in Betrieb genommen. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgt die Buslinie der BSU, welche die Strecke von Oberdorf via Solothurn nach Recherswil bedient.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1304 unter dem Namen Lengendorf. Später erschienen die Bezeichnungen Lengendorff (1555) und Langendorf (1592).

Langendorf unterstand im Mittelalter dem Sankt-Ursen-Stift in Solothurn und gelangte 1344 an die Stadt Solothurn, welche fortan sowohl die niedere als auch die hohe Gerichtsbarkeit ausübte. Es wurde etwas später der Vogtei Flumenthal unterstellt und gehörte ferner zum Dorfgerichts-Sitz, zur Pfarrei und zur Schule Oberdorf. 1375 zerstörten die Gugler bei einem Raubzug durch die Region u.a. das Dorf Gurzelen; dieses wurde dann später zum südlichen Dorfteil Langendorfs, dem Hüslerhof-Quartier, eingemeindet[4].

Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) gehörte das Dorf während der Helvetik zum Verwaltungsbezirk Solothurn und ab 1803 zum Bezirk Lebern. Die unter "Verkehr" implizit erwähnte Weissensteinstrasse hiess seinerzeit (auch auf Solothurner Gebiet) noch "Lange Gasse"[5]. Wie in vielen weiteren Gemeinden zwischen Biel und Solothurn fasste auch in Langendorf etwa ab 1870 die Uhrenindustrie Fuss und führte zu einem deutlichen Anstieg der Einwohnerzahl.

Bis 1953 war Langendorf Teil der römisch-katholischen Pfarrei Oberdorf, seither hat die Pfarrei Langendorf einen eigenen Pfarrer bzw. Gemeindeleiter und bildet mit Lommiswil und Oberdorf die römisch-katholische Kirchgemeinde Oberdorf. Seit 1955 haben die Reformierten einen eigenen Pfarrer (aktuell Pfarrerin Sabine Palm) und bilden mit Oberdorf den Gemeindekreis Langendorf-Oberdorf der reformierten Kirchgemeinde Solothurn.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ökumenisches Kirchenzentrum Langendorf

Das ökumenische Kirchenzentrum wurde nach Plänen des Zürcher Architekten Manuel Pauli in den Jahren 1969 bis 1971 errichtet. Es besitzt je einen Gottesdienstraum für die Katholiken und Reformierten sowie einen gemeinsamen Glockenturm. 1991 wurde der 16mm Stummfilm von Ernst Brun über den Kirchenbau vertont. Dieser Film wurde von Christoph Knoch, reformierter Pfarrer in Langendorf von 1986-2002, mit Interviews von Zeitzeugen ergänzt und zugänglich gemacht.

Ganz im Westen, fast auf Bellacher Gemeindegebiet, steht zudem der Staalenhof aus dem 16. Jahrhundert, ehemaliges Landgut der Patrizier-Familie vom Staal.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung

In Rot auf gelbem Kanonenrohr sitzender weisser Kauz im Schnabel ein Schweizerschildchen tragend; auf der Kanone die Devise "Vorwärts".

Das Gemeindewappen erinnert an die radikal-liberale Chutzenschützen-Gesellschaft die in den Freischarenzügen aktiv mitwirkte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Brülisauer u. a.: Dorfchronik Langendorf. Langendorf 2000

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Langendorf SO – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Ladedorf in Langendorf: Umbau beendet (PDF) Genossenschaft Migros Aare. 19. März 2010. Abgerufen am 2. April 2010.
  3. Christof Ramser: Nach vier Monaten war das Wahrzeichen weg. In: Solothurner Zeitung. 19. August 2011. Abgerufen am 15. Dezember 2011.
  4. B. Amiet: Solothurnische Geschichte, Bd. 1, 1952
  5. "Altermatt-Karte" von 1822, in: "Der Langendörfer Bürger"