Langerscher Balken

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Als Langerscher Balken wird eine in sich verankerte Bogenbrücke bezeichnet. Die Konstruktionsart, auch Stabbogenbrücke oder verstärkter Balken genannt, wurde von dem Österreicher Josef Langer erfunden und 1859 in Wien patentiert.[1] Sie kam erstmals 1881 bei der Ferdinandsbrücke über die Mur in Graz zur Anwendung.[2]

Konstruktionsbeschreibung[Bearbeiten]

Tragwirkung des Langerschen Balkens unter Eigengewicht

Die Konstruktion besteht aus einer Kombination der Tragwirkung eines unten liegenden Balkens (Versteifungsträger) und eines darüber angeordneten schlanken Bogens, an dem der Balken mit Stäben angehängt ist. Der Bogen ist in dem Balken verankert, wodurch der Balken auch als Zugband wirkt[3]. Der Bogen hat meist einen Stich zwischen einem Neuntel und einem Sechstel seiner Stützweite. Die Anzahl der Hänger bewegt sich im Regelfall zwischen 6 und 14, wobei aus ästhetischen Gründen meist eine gerade Anzahl bevorzugt wird.[4] Meist werden zwei parallele Bögen seitlich neben der Fahrbahn angeordnet. Bei breiten Fahrbahnen sind aber auch drei möglich, bei der Donaubrücke Fischerdorf gibt es dagegen nur einen Bogen in Brückenmitte.

Für gleichmäßig verteilte Lasten ist der Langersche Balken durch die Bogentragwirkung eine sehr wirtschaftliche Konstruktion, ungleichmäßig verteilte Lasten bewirken vor allem Biegebeanspruchungen des Balkens. Er findet seine Anwendung meist bei größeren Stützweiten, bei denen die Höhendifferenz zwischen Fahrbahnoberkante und Konstruktionsunterkante möglichst klein sein soll. Im Regelfall besteht ein Langerscher Balken aus Stahl.

Mit 256 Meter Stützweite ist die Brücke der Solidarität die weitestgespannte Brücke dieser Konstruktionsart in Deutschland. Als erste in Deutschland gebaute große Stabbogenbrücke gilt die Eiderbrücke in Friedrichstadt, die 1916 fertiggestellt wurde.[5][6]

Bei Flussbrücken kommt oft das Bauverfahren des Brückeneinschwimmens zur Anwendung.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stählerne Stabbogenbrücken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Patent 1859 (PDF; 6,6 MB)
  2. Karsten Geißler: Handbuch Brückenbau: Entwurf, Konstruktion, Berechnung, Bewertung und Ertüchtigung. Wilhelm Ernst & Sohn, ISBN 978-3-433-02903-9, S. 97
  3. Baulexikon
  4. Günter Ramberger, Franceco Aigner: Stahlbrücken. In: Handbuch Brücken. 2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-04422-9, S. 323
  5. Eiderbrücke Friedrichstadt
  6. Sven Ewert: Brücken: Die Entwicklung der Spannweiten und Systeme. Ernst & Sohn, 2002, ISBN 3-433-01612-7, Seite 128f.