Langstreckenflugzeug

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Airbus A380-800 (seit 2007)
Boeing 777-300ER
B-47A (historisch)
B-52 Stratofortress (Bomber)

Ein Langstreckenflugzeug ist ein Flugzeug, das bei Flugstrecken ohne Zwischenlandung ab etwa 5.000 km am wirtschaftlichsten einzusetzen ist (ab einer Reichweite von 15.000 km spricht man von Ultralangstreckenflugzeugen).

Langstreckenmaschinen werden auch heute noch teilweise vierstrahlig ausgeführt, um bei der Streckengestaltung freizügig vorgehen zu können. Der Trend wendet sich jedoch hin zu zweistrahligen Maschinen, da auch moderne Flugzeuge mit nur zwei Triebwerken längere Strecken ohne in der Nähe der Flugroute liegende Flughäfen fliegen dürfen (ETOPS-Regeln).

Da die Fluggäste bis zu 18 Stunden an Bord verbringen, sind Langstreckenflugzeuge oft im Verhältnis zu Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen mit sehr umfangreichen Unterhaltungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Fernseher am Sitz bzw. an den Gängen, MP3-Player an den Sitzen usw. ausgestattet. Das Angebot variiert hierbei nach Fluggesellschaft, Beförderungsklasse oder Flugzeug zum Teil erheblich.

Geschichte[Bearbeiten]

Langstreckenflugzeuge aus der Zeit der Propellerantriebe zeichneten sich weniger dadurch aus, dass eine Strecke von über 5000 km wirtschaftlich war, als dass eine solche überhaupt möglich war. Erst die letzte Generation, insbesondere die Lockheed Constellation und die Douglas DC-7 konnte zumindest in dem damals noch nicht selbstverständlichen Fall, dass alle vier Triebwerke problemlos liefen und nicht zu viel Gegenwind bestand, den Atlantik nonstop überqueren.

Auch im frühen Jet-Zeitalter in den 1960er Jahren waren Strecken dieser Länge den viermotorigen Flugzeugen, wie Boeing 707 und später B747 vorbehalten, da die Triebwerke noch relativ unzuverlässig arbeiteten. Später wurden mit Flugzeugen wie der Douglas DC-10 und MD-11 dreistrahlige Flugzeuge eingeführt, da die Triebwerke zuverlässiger wurden, durch die Einsparung eines Triebwerks die Wartungskosten sanken und durch den sogenannten Skaleneffekt größere Triebwerke sparsamer zu betreiben sind als kleinere.

Anfang der 1980er kam mit der Boeing 767 erstmals ein zweistrahliges Flugzeug mit einer Reichweite von mehr als 10.000 km auf den Markt. Auch diverse zweistrahlige Airbus-Modelle (A310, A300-600, A330) sind Langstreckenflugzeuge. Nach anfänglichem Zögern dürfen diese Flugzeuge heute auch auf Transatlantik- und sogar Transpazifikstrecken eingesetzt werden. Mit der Boeing 777-200LR hält heute sogar ein zweistrahliges Flugzeug den Reichweitenrekord.

Inzwischen werden nur noch drei vierstrahlige Langstreckenflugzeuge angeboten: die doppelstöckigen Boeing 747 und Airbus A380, und die technisch völlig veraltete Iljuschin Il-96. Der inzwischen eingestellte Airbus A340 soll durch den zweistrahligen Airbus A350 ersetzt werden. Alle anderen Langstreckenflugzeuge sind zweistrahlig: Boeing 767, 777, 787 und Airbus A330. Dreistrahler sind in erster Linie wegen der aufwendigen Wartung des Hecktriebwerks nicht mehr konkurrenzfähig.

Referenzstrecken[Bearbeiten]

Typische Referenzstrecken für Langstreckenflugzeuge sind die Verbindung von Europa mit der Westküste der USA (z. B. Frankfurt - Los Angeles) und Transpazifikstrecken (z. B. Tokio - Los Angeles)

Ultra-Langstreckenflugzeuge[Bearbeiten]

Als Ultra-Langstreckenflugzeuge werden Flugzeuge bezeichnet, die eine Reichweite von mehr als 15.000 km haben.

Der vierstrahlige Airbus A340-500 hat eine Reichweite von 16.000 km, die zweistrahlige Boeing B777-200LR gar von fast 17.500 km. Der geplante Airbus A350 soll in fast allen Versionen über 15.000 km Reichweite haben, mit dem A350-900R soll hier der neue Rekord bei 17.600 km liegen. Noch immer hält die Variante A340-200 den Streckenrekord für vierstrahlige Passagierflugzeuge, aufgestellt auf einem Testflug von Paris nach Auckland mit mehr als 19.000 km im Jahr 1994.

Die rechnerisch maximal sinnvolle Reichweite ist 20.000 km, denn dann kann jeder Punkt der Erde ohne Zwischenlandung erreicht werden. Bisher gibt es jedoch nur sehr wenige Strecken, die Ultra-Langstreckenflugzeuge erfordern, insbesondere aus den USA in asiatische oder arabische Länder wie SingapurLos Angeles, Singapur–New York und Dubai–New York. Die einzigen Strecken, die bisher nicht ohne Zwischenstopp bedient werden, sind Flüge von Europa nach Australien, genannt „Känguru-Route“, und Neuseeland. Qantas Airways ist schon seit mehreren Jahren auf der Suche nach einem Flugzeug, das diese Strecke bedienen kann, wurde aber nach eigenen Angaben noch nicht unter den angebotenen Maschinen fündig.

Über etwa 15.000 km Streckenlänge hinaus werden Ultra-Langstreckenflüge allerdings wegen des hohen Treibstoffverbrauchs zunehmend unwirtschaftlicher. Der Grund hierfür liegt darin, dass für den Transport der hohen Treibstoffmenge selbst bereits viel davon verbraucht wird und auch die mögliche Nutzlast geringer wird. Als Faustregel gilt z.B. für die Boeing 747-400 ein Zusatzverbrauch von 4% pro Stunde. Dies bedeutet bei einem Flug von zwölfeinhalb Stunden, dass am Ziel von ursprünglich 10 Tonnen getankten Reservetreibstoffs nur noch 5 Tonnen übrig sind. Aus diesem Grund zieht sich beispielsweise Singapore Airlines inzwischen wieder von Ultra-Langstrecken zurück. Die Strecken von Singapur nach Newark (ca. 16.000 km, gut 18 Stunden) und Los Angeles (ca. 14.000 km) wurden im Herbst 2013 wieder eingestellt. [1][2]

Flugzeugtypen auf Langstreckenflügen[Bearbeiten]

Es werden immer mehrstrahlige Flugzeuge eingesetzt:

Hauptsächlich im militärischen Einsatz wurden auch sechsstrahlige Flugzeuge, wie zum Beispiel der amerikanische Boeing B-47 Stratojet oder als Sonderanfertigung die sowjetische (heute: ukrainische) Antonow An-225 Mrija konstruiert. Als einziger seriengefertigter achtstrahliger Flugzeugtyp findet der amerikanische Bomber Boeing B-52 Stratofortress auch heute noch Verwendung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SIA to increase flights to Australia, Japan. Theedgesingapore.com. 18. Dezember 2012. Abgerufen am 25. November 2013.
  2. spiegel.de - Singapore Airlines stellt längsten Passagierflug der Welt ein abgerufen am 25. November 2013