Lanna (Schrift)

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Die Buchstaben des Lanna-Alphabets

Die Lanna-Schrift (auch Tai-Tham-, Tai-Yuan- oder Dhamma-Schrift; nordthailändisch: ᨲ᩠ᩅᩫᨾᩮᩬᩥᨦ, dai tam; Thai: อักษรธรรมล้านนา, laotisch: ອັກສອນທໍາລ້ານນາ, akson tham Lanna, „Lanna-Dharma-Schrift“) ist eine Abugida, die vor allem (neben anderen Schriftsystemen) zur Schreibung der Kam-Tai-Sprachen Tai Lü (vorwiegend in Südchina gesprochen) und Khün (in Birma) verwendet wird. In der Zeit des nordthailändischen Königreichs Lan Na wurde auch die gleichnamige Sprache in dieser Schrift geschrieben, heute wird die Lanna-Sprache jedoch hauptsächlich in der thailändischen Schrift geschrieben.

Schild mit Lanna-Schrift an einem Tempel in Chiang Mai

Die Schrift ist ein Abkömmling der Brahmi-Schrift und hat dementsprechende Eigenschaften: Alle Konsonanten haben einen inhärenten Vokal -a, durch Vokalzeichen lässt sich der Vokal ändern. Die Lanna-Schrift hat jedoch viel mehr Vokalzeichen als ihre Nachbarschriftsysteme. Ähnlich wie in der Khmer-Schrift werden aufeinanderfolgende Konsonanten untereinander gestellt. Lanna enthält auch Konsonantzeichen, die in einigen Fällen verwendet werden, und Tonzeichen zur Änderung des Tons.

Die Bezeichnung ‚Tai Tham‘ oder Dhamma-Schrift rührt daher, dass das Schriftsystem vorwiegend zur Aufzeichnung religiöser Texte verwendet wurde. Das Alphabet hat eine große Ähnlichkeit zur Schrift der Shan.[1]

Im Rahmen der nationalen Einigung (Thaiisierung) ächtete die thailändische Regierung unter Ministerpräsident Phibunsongkhram ab 1939 die Verwendung der Lanna-Schrift für die Schreibung der nordthailändischen Dialekte.[2] Heutzutage kann zwar nur noch eine kleine Minderheit der Bewohner Nordthailands die Lanna-Schrift lesen, es werden jedoch wieder gelegentlich Beschriftungen in diesem Alphabet hinzugefügt, um eine regionale kulturelle Identität zu betonen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lanna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. P.J. Bee, I. Brown, Patricia Herbert, Manas Chitakasem: Thailand. In: South-East Asia. Languages and Literatures: a select guide. University of Hawaii Press, Honululu 1989, S. 28.
  2. Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60129-3, S. 158.