Laphroaig

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Dieser Artikel behandelt die Whiskybrennerei Laphroaig. Für die gleichnamige Ortschaft siehe Laphroaig (Schottland).
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Laphroaig
Laphroaig whiskybrennerei islay schottland 16.06.2007.JPG

Gebäude der Laphroaig-Brennerei

Land Schottland
Region Islay
Geographische Lage 55° 37′ 49″ N, 6° 9′ 7,9″ W55.630291-6.152181Koordinaten: 55° 37′ 49″ N, 6° 9′ 7,9″ W
Typ Malt
Status aktiv
Eigentümer Fortune Brands
Gegründet 1815
Gründer Donald & Alex Johnston
Wasserquelle Kilbride Dam
Washstill(s) 3 × 10.910 l
Spiritstill(s) 3 × 3.630 l, 1 × 7.270 l
Produktionsvolumen 2.700.000 l
Website www.laphroaig.com

Laphroaig (sprich: la-froig [læˈfrɔɪg], vermutlich von gälisch lag (Senke) – altnordisch breiðr vik (breite Bucht)[1]) ist eine Whiskybrennerei auf der schottischen Hebriden-Insel Islay. Die Gebäude der Brennerei sind in den britischen Denkmallisten in der Kategorie C(S) eingeordnet.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Islay

Laphroaig liegt in einer kleinen, naturbelassenen Bucht. Die Destillerie wurde offiziell 1815 von den Brüdern Donald & Alex Johnston gegründet. Ursprünglich war es eine Farm-Brennerei für den Eigenbedarf. Schon der Vater der Gründer, John, errichtete eine der beiden illegalen Brennereien, aus denen später Lagavulin wurde. Außerdem gab es von 1837 bis 1868 auf dem heute von der Destillerie genutzten Gelände noch eine weitere Brennerei: Die alte Ardenistiel Distillery von Andrew und James Gairdner, die auch als Kildalton Distillery (1849–1852) und Islay Distillery (1852–1866) bekannt ist. Das Wasser für die Herstellung stammte aus dem Sanaig Burn, welcher damals auch Laphroaig als Wasserquelle diente. Die Brennerei blieb bis 1954 in Familienbesitz. Der letzte aus dem Johnston Clan, Ian Hunter, hinterließ die Firma seiner Sekretärin Bessie Williamson. Diese verkaufte 1967 an Long John Distillers, führte die Destille aber weiter, bis sie sich 1972 zur Ruhe setzte.

1923 und 1969 wurden jeweils zwei weitere Stills angeschafft. 1974 kam die letzte Brennblase hinzu, womit die Anzahl auf insgesamt sieben stieg. Als Long John Distillers 1975 in Whitbread aufgingen, welches wiederum zu Allied Domecq gehörte, wechselte auch Laphroaig den Eigentümer. Allied Domecq wurde 2005 von Pernod Ricard übernommen. Um die Auflagen des Kartellamtes zu erfüllen, trennte sich Pernod Ricard von Laphroaig; seitdem ist Beam Global Spirits & Wine, eine Tochter von Fortune Brands, der neue Eigentümer. Anfang 2014 wurde bekannt, dass der japanische Getränkekonzern Suntory Beam Global bis zum zweiten Quartal des Jahres aufkaufen werde. Damit würde auch Laphroaig zum Portfolio von Suntory zählen.[3]

Seit 1994 gehört Laphroaig als Single-Malt-Whisky zu den Hoflieferanten des Prince of Wales.

Produktion[Bearbeiten]

Laphroaig Kiln

Die südlichste der Islay-Brennereien verfügt über Lagerhäuser, die direkt am Meer liegen und bei hohem Wellengang vom Wasser umspült werden. Das Salzwasser, die salzige Seeluft, das torfige Wasser aus dem Kilbride Dam und der Torf, der von destillerieeigenen Feldern auf Islay stammt (Glenmachrie Peat Moss) und einen hohen Moos-Anteil aufweist, sollen maßgeblich für den unverwechselbaren Geschmack des Malts verantwortlich sein. Allerdings stammt nicht alles Malz aus der eigenen Produktion, etwa 75 % wird von der Port Ellen-Mälzerei zugekauft, und zwar mit einem Phenol-Gehalt von etwa 40 ppm.

Die Anlage, in der dieser Whisky hergestellt wird, besteht aus einem Maischbottich (mash tun) (8,5 Tonnen), sechs stählernen Gärbottichen (wash backs) (je 42.000 Liter), drei wash stills (von je 10.910 l) und vier spirit stills (3 x 3630 l, 1 x 7270 l) unter Dampfbefeuerung. Die Jahresproduktion liegt bei ca. 2 Millionen Litern (Stand 2000).

Produkte[Bearbeiten]

Laphroaig Lagerhaus
Nicht kaltgefilterter Jahrgangswhisky 2001 in einer Abfüllung der Firma Signatory
Laphroaig 15, alte, eckige Verpackung

Von der Destillerie gibt es eine Vielzahl von Abfüllungen, eine Liste mit über 200 kann im Internet im Laphroaig-Archiv gefunden werden.

Laphroaig 10 Jahre 40 % vol und 43 % vol.
  • Farbe: Helleres goldenes Gelb.
  • Duft: Hölzern. Etwas Birne. Spuren von milder Schokolade. Auf jeden Fall mit jener Note, die von vielen »medizinisch« oder »phenolisch« genannt wird.
  • Geschmack: wie eine „rauhe See“ mit extremem Torf, mithin torfig, salzig, ölig, teerig - mitunter aber auch als medizinisch bezeichnet. Mit einem Tropfen Wasser noch rauchiger und torfiger.
  • Abgang: Sehr lang, trocken mit Einbindung der vorherigen Noten.
  • Resümee: Ein eigenwilliger, charaktervoller Malt. Tiefgründig und erdverbunden.
Laphroaig 15 Jahre 43 % vol.

Der 15-jährige Laphroaig, der Lieblings-Whisky von Prince Charles, ist in Duft und Geschmack deutlich zurückhaltender und gesetzter als der 10-jährige. Der Laphroaig-typische, etwas medizinische Geschmack (etwa nach Iod) tritt etwas in den Hintergrund. Es dominieren torfige und rauchige Noten, die jetzt mit einem Lagavulin oder dem 12-jährigen Bowmore vergleichbar sind. Im Jahr 2008 wurde der 15-jährige Laphroaig durch eine 18-jährige Abfüllung ersetzt und ist zwischenzeitlich kaum noch erhältlich.

Laphroaig 18 Jahre 48 % vol.

Der 18-jährige Laphroaig hat den überaus beliebten 15-Jährigen im Jahr 2008 abgelöst. Er wird - ebenso wie der Quarter Cask - bei 48 % Alkoholgehalt abgefüllt und nicht kühl gefiltert. Er ist noch milder und süßer als der 15-jährige und wurde von Whisky-Autoren wie Michael Jackson im "Malt Whisky Companion"[4] oder von Jim Murray in dessen "Whisky Bible"[5] besser bewertet als sein Vorgänger.

Laphroaig Signatory Vintage 46 % vol

Charakteristika wie Duftnote, Geschmack und Farbe variieren mit der Dauer der Lagerung und den verwendeten Fässern - der Whisky der hier abgebildeten Flasche wurde am 13-09-2001 destilliert und am 15-12-2009 abgefüllt, das Produkt aus den Fässern 2922 und 2923 wurde dabei zu einem Blend verarbeitet. Die Flasche trägt die # 17 (handschriftlich vermerkt) von 839. Die nicht kaltgefilterten Whiskys können bei kalter Lagerung trüb werden, bieten aber deutlich stärkere Rauch- und Torfaromen. Die erste Duftnote erinnert an Birne oder reife Äpfel, der Geschmack ist sehr lang anhaltend (selbst nach Laphroaig Standards) und weniger holzig.

Laphroaig Quarter Cask 48 % vol.

Der Quarter Cask ist die spritzigste Variante der Laphroaigs. Er ist die schärfste und torfigste der drei gängigen Varianten, allerdings mit der niedrigsten Komplexität. Im Geschmack mit viel Torf, Salz, Süße und Holz, der typische Laphroaig-Geschmack, allerdings intensiver. Der Ausbau findet „double matured“ zuerst in Eichenfässern, danach in kleinen, „Quarter Cask“ genannten Fässern, statt. Durch den Ausbau in den Quarter Casks wird durch den größeren Kontakt zur Fasswand eine geringere Reifezeit benötigt. So kann die Destillerie einer kurzfristig gestiegenen Nachfrage begegnen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marcel van Gils, Hans Offringa: The legend of Laphroaig, Still Publishing 2007, ISBN 978-90-89100-276
  • Charles MacLean (Hrsg.): Whisky. World Guide, Regions, Distillers, Malts, Blends, Tasting Notes. Dorling Kindersley, London et al. 2008, ISBN 978-0-7566-3349-3.
  • Walter Schobert: Das Whiskylexikon. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 2003, ISBN 978-3-596-15868-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Laphroaig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.gaelicplacenames.org/databasedetails.php?id=136
  2. Eintrag in den britischen Denkmallisten
  3. Japaner übernehmen Laphroaig und Ardmore. Whic Whisky Blog, abgerufen am 16. Januar 2014.
  4. Jackson, Michael (2010): Malt Whisky Companion, Dorling Kindersley, London, UK, S. 298, ISBN 978-1-4053-1966-9.
  5. Murray, Jim: Jim Murray’s Whisky Bible 2011. Dram Good Books, Bristol, UK, S. 161. ISBN 978-0955472954