Lapplandkrieg
Als Lapplandkrieg wird der dritte und letzte während des Zweiten Weltkrieges auf finnischem Boden ausgetragene Krieg bezeichnet. Er richtete sich gegen die in Lappland stationierte deutsche Wehrmacht. Jedoch führte die Wehrmacht auch Kampfhandlungen gegen die Rote Armee. Die Kräfte auf deutscher Seite wurden von Generaloberst Lothar Rendulic befehligt.
Schon während des Fortsetzungskrieges hatte es geheime Verhandlungen zwischen Finnland und der Sowjetunion über einen separaten Waffenstillstand gegeben. Noch im Spätsommer 1944 hatte man Finnland in der Deutschen Wochenschau als treuen Waffenbruder gezielt in Szene gesetzt.[1] Andererseits hatte die Wehrmachtsführung bereits im Februar desselben Jahres Pläne für einen möglichen Kriegsaustritt Finnlands ausgearbeitet, der aufgrund der sich verschlechternden Kriegslage immer wahrscheinlicher wurde.[2] Finnische Verbände waren nur sehr zögerlich gegen die Rote Armee vorgegangen, nachdem die im Sowjetisch-Finnischen Krieg verlorenen Gebiete wieder zurückgewonnen waren.
Am 19. September 1944 beendete der Waffenstillstand von Moskau den Fortsetzungskrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion. Finnland wurde in diesem dazu verpflichtet, die bisher verbündeten deutschen Truppen mit militärischen Mitteln innerhalb von 14 Tagen zu vertreiben. Nachdem diese Frist nicht eingehalten wurde, zogen sich die anschließenden Kampfhandlungen bis zum Frühling 1945 hin. Die deutschen Truppen zogen sich nach Norden zurück und versuchten in das ebenfalls von deutschen Truppen besetzte Norwegen zu entkommen. Dabei beschränkten sich die Deutschen nicht nur auf den bloßen Rückzug, sondern wendeten im Rahmen von Kampfhandlungen auch die Taktik der verbrannten Erde an. Dabei wurden fast alle Dörfer, einzelne Häuser, Straßen und Brücken zerstört oder vermint, was den Vormarsch der finnischen Verfolger stark verlangsamte. Durch ein Feuer, ausgelöst durch die Explosion eines Munitionszuges, brannte die Stadt Rovaniemi restlos nieder.
Der letzte Ort Finnlands, der nach den am 25. April 1945 stattgefundenen Kämpfen mit den finnischen Truppen von den Deutschen geräumt wurde, war am 27. April 1945 das Dorf Kilpisjärvi im äußersten Nordwesten des Landes. Am folgenden Tag teilte Generalleutnant Hjalmar Siilasvuo Feldmarschall Mannerheim mit, dass Finnland von deutschen Truppen befreit worden sei.
Der Lapplandkrieg wird auch „Kinderkreuzzug“ genannt, da in dem Waffenstillstandsabkommen mit der Sowjetunion die Demobilisierung der finnischen Armee gefordert wurde und dies dazu führte, dass im späteren Verlauf auf finnischer Seite Einheiten mit sehr jungen, unerfahrenen Soldaten an der Front zum Einsatz kamen. Ein hoher Anteil der finnischen Ausfälle war dabei auf den Einsatz von Landminen zurückzuführen.
Nach dem Abzug der deutschen Soldaten wurden von den finnischen Behörden jene finnischen Frauen, die mit deutschen Soldaten verkehrt hatten, mit ihren Kindern in Internierungslager eingewiesen.
Literatur[Bearbeiten]
- Sampo Ahto: Aseveljet vastakkain – Lapin sota 1944–1945. Kirjayhtymä, Helsinki 1980, ISBN 951-26-1726-9.
Weblinks[Bearbeiten]
- Die Sonderstellung Finnlands während des Zweiten Weltkriegs (eKritik.de)
- Finnland – Wilde Deutsche. In: Der Spiegel. Nr. 15, 1974, S. 128–133 (online).