Lara Croft

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Dieser Artikel behandelt die fiktive Figur. Zum Realfilm von 2001 mit Angelina Jolie siehe Lara Croft: Tomb Raider.

Lara Croft ist die Protagonistin der Video- und Computerspiel-Serie Tomb Raider.

Erfunden wurde Lara Croft 1994 von Toby Gard, der damals noch bei dem Softwarehersteller Core Design Ltd. in Derby, England, angestellt war. Er suchte eine Alternative zu den üblichen Charakteren, weil er es für unangemessen hielt, einen männlichen Hauptdarsteller mit den akrobatischen Fähigkeiten auszustatten, die er für den Protagonisten vorsah.

Biografie[Bearbeiten]

Für Lara erdachte man sich eine umfangreiche Biografie (wobei es drei verschiedene Versionen gibt): Geboren wurde die Aristokratin am 14. Februar 1968 (andere Quellen geben den 14. Februar 1967 an, wobei das erste veröffentlichte Geburtsdatum der 25. Dezember 1969 war) in Wimbledon, Surrey, England, als Tochter von Lord Richard Henshingly Croft. Bereits als Jugendliche unternahm die Engländerin ihre erste archäologische Reise nach Kambodscha mit dem Familienfreund Werner von Croy. Sie besuchte von ihrem dritten bis zu ihrem 21. Lebensjahr mehrere Eliteschulen (Alter 3–11: Privatunterricht; 11–16: Wimbledon High-School für Mädchen; 16–18: Gordonstoun Boarding-School; 18–21: Swiss Finishing-School). In der einen Variante der Biografie sterben Laras Eltern bei einem Flugzeugunfall: Sie ist die einzige Überlebende und sucht seitdem nach einem Leben am Limit. Sie erbte das Anwesen ihres Vaters und wurde zur 11th Countess of Abbington.

In der anderen Variante wird sie von ihren Eltern verstoßen, weil sie das noble, biedere und langweilige Leben einer britischen Adligen nicht führen möchte und sich mehr für Archäologie als für gepflegte Konversation begeistert. Lara wird als selbstbewusste, autarke, abenteuerlustige, aber nicht lebensmüde, starke Person beschrieben, die vollkommen eigenständig agiert und Einzelgängerin ist. Freunde trifft sie hauptsächlich in den Comics und den zwei Filmen, die mit den Geschichten der Spiele nichts zu tun haben.

Die neueste Version ihrer Hintergrundgeschichte wurde in Tomb Raider – Legend etabliert: Demnach stürzt Lara als kleines Mädchen mit ihrer Mutter in Nepal mit einem Flugzeug ab. Beide überleben den Absturz. Auf ihrem Marsch zurück in die Zivilisation entdecken sie eine steinerne Estrade, einen alten Mechanismus, der mit Hilfe eines Schwertes in einem Stein aktiviert wird. Die neugierige Lara stößt das Schwert in den Stein und aktiviert damit den Mechanismus. Laras Mutter, Lady Amelia Croft, zieht das Schwert aus dem Stein, um ihre Tochter zu schützen, und verschwindet in einem Lichtblitz. Lara erreicht alleine wieder die Zivilisation und hat sich mit dem Tod ihrer Mutter abgefunden, nur ihr Vater, Richard Croft, weigert sich, diesen hinzunehmen. Als Lara nach dem Tod ihres Vaters die wahren Umstände um das Verschwinden ihrer Mutter zu verstehen beginnt, erkennt sie, dass ihr Vater recht hatte und ihre Mutter doch nicht tot, sondern in Avalon sein muss.

Ihre Reisen in den bis dato acht Teilen der Serie führen sie auf der Suche nach diversen Artefakten (etwa nach Kometensplittern oder einem Dolch) zu den unterschiedlichsten Orten. Lara Croft wechselt in den Spielen – außer in Teil 1 und 4 – immer wieder ihre Kleidung, bekannt wurde sie in dem typischen grünen Body mit den braunen Hotpants, den dunklen Stiefeln, dem kleinen Rucksack sowie den zwei 9-mm-Pistolen.

Reboot der Serie[Bearbeiten]

Das neueste Spiel der Tomb Raider-Serie, das selbst ebenfalls den Titel Tomb Raider trägt und im Jahr 2013 erschienen ist, erzählt die Vorgeschichte der bisherigen Spiele und beleuchtet Laras Vergangenheit. Man erfährt, dass sie als junge Archäologin mit der Endurance Schiffbruch erleidet und auf einer Insel strandet, die sich als das verschollene Königreich Yamatai entpuppt. Hier besteht sie ihre ersten Abenteuer und wird dabei insbesondere zum ersten Mal gezwungen, einen Menschen zu töten, um sich selbst zu verteidigen. Im Lauf der Handlung durchlebt sie die Entwicklung von einer unsicheren und verängstigten jungen Frau hin zu der aus den bisherigen Spielen bekannten starken und wehrhaften Persönlichkeit.

Auftauchen außerhalb der Tomb Raider-Spiele[Bearbeiten]

Lara Croft warb bereits für diverse Produkte (Seat, Lucozade, Brigitte), ist im Die-Ärzte-Musikvideo Männer sind Schweine aufgetreten und war mit der Band U2 auf Tour.

Im Kinofilm mit dem Titel Lara Croft: Tomb Raider und dessen Fortsetzung Die Wiege des Lebens wird Lara Croft von der US-amerikanischen Schauspielerin Angelina Jolie gespielt und von Marion von Stengel synchronisiert.

2010 wurde eine Straße in Derby (Derbyshire) nach Lara Croft benannt.[1]

Aussehen[Bearbeiten]

Das Aussehen der Figur spielte von Anfang an eine zentrale Rolle. Die Anfangsfigur war mit einer überdimensionierten Oberweite ausgestattet, die durch einen Rechenfehler beim Design der Darstellerin entstanden war und beibehalten wurde. Dazu trug sie während ihrer Abenteuer unrealistisch knappe Kleidung. Erst mit der Zeit wurde die Figur wirklichkeitsorientierter gestaltet, so „schrumpfte“ ihr Brustumfang von Ausgabe zu Ausgabe und ihre Kleidung wurde immer bedeckter, um auch eine weibliche Klientel für das Spiel zu begeistern.[2][3]

Lara-Croft-Doubles[Bearbeiten]

Eidos Interactive hat zu Werbezwecken offiziell Lara-Croft-Doubles vorgestellt, die in der typischen Kleidung und in den charakteristischen Posen bei Messen und Produktvorstellungen öffentlich auftreten und in der Presse und im Internet starke Beachtung fanden und finden.

Offizielle Doubles
Name Geburtsdatum Amtszeit Bemerkungen
Nathalie Cook 1996–1997 Als Double engagiert, noch bevor Tomb Raider berühmt wurde, daher nahezu unbekannt geblieben.
Rhona Mitra 9. August 1976 1997–1998 Sie war zuvor bereits als Schauspielerin relativ bekannt. Sie wurde aus unbekannten Gründen entlassen, obwohl sie sich für den Job sogar einem chirurgischen Eingriff unterzogen hatte.
Nell McAndrew 6. November 1975, England 1999 Ihr wurde 1999 gekündigt, nachdem sie sich für den amerikanischen Playboy als nackte Lara präsentiert hatte.[4]
Lara Weller 6. April 1975 1999–2000 Die Niederländerin gilt in Fankreisen als das beste und ähnlichste Double.
Lucy Clarkson 6. Juli, 1983, England 2000–2002
Jill De Jong 2. Februar 1982, Niederlande 2002[5]–2004
Karima Adebibe 1985, England 2004–2008 War unter Fans umstritten, da ihre Gesichtszüge, anders als die ihrer Vorgängerinnen, wenig Ähnlichkeiten mit der Lara aus den Videospielen aufwiesen.
Alison Carroll 21. Mai 1985, England 2008–2009 Für die Verkörperung von Lara im achten Teil der Tomb-Raider-Serie (Underworld) gewählt. Die 23-jährige ehemalige Kunstturnerin wurde in England geboren.[6]
Diana Dorow 16. Juni 1976 2002–2010 Die „deutsche Lara Croft“; sie arbeitete seit 1999 als Double und wurde 2002 von Eidos Interactive als „Cyber-Lara-Double“ ausgewählt. Sie ähnelte ihrem virtuellen Prototyp besonders durch ihre markanten Gesichtszüge. 2010 gab sie auf ihrer Website bekannt, ihre Tätigkeit als Double zu beenden.[7]

Daneben gibt es Frauen, die mit der Figur der Lara Croft in Verbindung gebracht werden, aber nicht in direkter Verbindung mit Werbung für Eidos stehen. Eines dieser sogenannten inoffiziellen Doubles ist Vanessa Demouy (* 5. April 1973, Frankreich). Sie erschien wegen ihrer auffälligen Ähnlichkeit 1997 auf dem Cover des französischen Magazins VSD, allerdings hat sie jedes weitere Engagement als Lara Croft abgelehnt.

Auch Angelina Jolie ist kein offizielles Double, jedoch die bekannteste Verkörperung Lara Crofts als Hauptdarstellerin in den beiden Verfilmungen Lara Croft: Tomb Raider und Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens. Für einen geplanten dritten Teil der Reihe steht Jolie nicht mehr zu Verfügung und soll durch Olivia Wilde ersetzt werden.[8][9]

Synchronsprecherinnen[Bearbeiten]

Takako Honda Atsuko Tanaka Megumi Ogata Nora Tschirner Camilla Luddington Keeley Hawes Jonell Elliott Shelley Blond

Literatur[Bearbeiten]

  • Astrid Deuber-Mankowsky: Lara Croft. Modell, Medium, Cyberheldin. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2001. (edition suhrkamp; 1745. Gender Studies) Abhandlung aus der Perspektive der Gender Studies; auch als PDF (3,32 MB)
  • Marvin Chlada, Wolfgang Haible (Hrsg.): Lara Croft. Ein Mythos wird dekonstruiert. Trikont Verlag, Duisburg 2002. (soziologisch)
  • Carla Hopfner: Lara Croft und Charlie’s Angels. Neue Heldinnen im Actionfilm. Braumüller, 2005. (Blickpunkte 10) (filmwissenschaftlich)
  • Patrick Steinwidder: Perfect Girls: Die Computerspiel-Verfilmungen „Lara Croft Tomb Raider“, „Resident Evil“ und „Final Fantasy“. In: Medien-Impulse, Zeitschrift hrsg. vom österr. Bundesministerium für Wissenschaft, Kunst und Kultur, Dezember 2003 (medienpädagogisch/medienpsychologisch über die Verfilmung von Lara Croft)
  • Nicht Spiel, nicht Fleisch. In: taz, 21. Juni 2002

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lara Croft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lara Croft bekommt eine eigene Straße. heise online. Abgerufen am 27. Februar 2010.
  2. Robert Hähnel: Warum hat Lara Croft so große Brüste?. Abgerufen am 5. März 2013.
  3. "Lara Croft" erhält eine Brustverkleinerung. rp-online.de. 24. Mai 2005. Abgerufen am 5. März 2013.
  4. www.nellmcandrew.tv – offizielle Internetpräsenz von Nell McAndrew (englisch)
  5. Jill De Jong: Offizielle Website (englisch)
  6. Tomb Raider: Das neue Gesicht von Lara Croft. onlinekosten.de. Abgerufen am 13. August 2008.
  7. lara-double-diana.com – offizielle Internetpräsenz von Diana Dorow
  8. RP Online: Olivia Wilde ist die neue Angelina Jolie, 10. März 2011
  9. bild.de: Olivia Wilde: Wird SIE die neue Lara Croft?, 10. März 2011