Lari (Toskana)

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Panorama von Lari

Lari ist ein Ortsteil von Casciana Terme Lari in der Provinz Pisa am südlichen Hang des weitläufigen Arnotales gelegen.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelpunkt ist das Dorf Lari, das auf etruskische Ursprünge zurückgeführt werden kann. Keramikscherben, die im Untergrund des dortigen Castello gefunden wurden, belegen dies für die Zeit bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. Erstmals urkundlich erwähnt ist der Ort im Jahr 732. Damals stand im Mittelpunkt des Ortes ein hölzerner Turm, der von Pfahlwerk umgeben war.

Im Jahr 1230 wurde der Standort von den Upezzinghi, einer rebellischen Familie aus Pisa, zu einer Festung ausgebaut und verstärkt. In strategisch wichtiger Lage wurde das Festungswerk ausgebaut und wuchs zu einer der am besten geschützten Burgen der inneren Toskana.

Mit der Eroberung Laris nach einer blutigen Schlacht 1406 ging die Herrschaft von Pisa auf Florenz über. Lari wurde florentinisches Vikariat, in dem in sechsmonatlichem Turnus Vikare von Florenz eingesetzt und abgelöst wurden. Zu deren Aufgaben zählten die Steuereintreibung, die Rechtsprechung und das Kommando über das Heer. Das Vikariat war zu dieser Zeit weitläufig und reichte bis zum Meer, kontrollierte Besitztümer in Peccioli, Palaia, und im Norden Teile von Pontedera.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden die Verteidigungsanlagen allseitig verstärkt: Der Zugang war auf drei Tore beschränkt, von denen heute zwei erhalten sind. Das Volterra-Tor (Porta Volterrana) im Süden war als Hauptzugang mit einer Zugbrücke versehen, die über einen trockenen Burggraben führte. Schon 1780 wurde dieses abgerissen, um Fuhrwerken die Zufahrt zum Markt auf der zentral gelegenen Piazza zu ermöglichen. Die beiden Nebentore Porta Fiorentina und Porta Maremmana sind heute noch vorhanden.

Das Vikariat hatte bis 1848 Bestand. Danach war das Castello von Lari für mehr als 100 Jahre Sitz des Amtsgerichtes.

Heute ist Lari ein ruhiger Ort mit historischer Atmosphäre. Von einiger wirtschaftlicher Bedeutung sind der Kirschanbau [1] und die eigenen Angaben zufolge "kleinste Nudelfabrik der Welt" der Brüder Martelli[2].

Am 1. Januar 2014 fusionierte die Gemeinde mit Casciana Terme zur neuen Gemeinde Casciana Terme Lari. In Lari stimmten Lari 76,93 % für die Vereinigung bei 34,02 % Wahlbeteiligung.[3] Der Rathaussitz blieb in Lari. Bis zur Gemeindezusammenlegung gehörten die Ortsteile Casciana Alta, Cevoli, Lavaiano, Perignano, San Ruffino und Usigliano zur Gemeinde Lari, danach gingen sie mit Lari in die neue Gemeinde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Castello dei Vicari im Ortskern von Lari
Die Propositura di San Leonardo e di Santa Maria Assunta im Ortskern von Lari
  • Castello dei Vicari, Burg im Ortskern mit Museum.
  • Logge del Mercato, Loggia am Marktplatz im Ortskern nahe Burg und Propsitura.
  • Propositura di San Leonardo e di Santa Maria Assunta, Kirche im Ortskern. Enthält das Werk Madonna orante von Francesco Melani (1675–1742) und die dem Andrea Guardi zugeschriebene Marmorskulptur Annunciazione.[4]
  • Oratorio della Madonna del Carmine, Oratorium außerhalb des Ortskerns.
  • Oratorio della Madonna della Neve, Oratorium aus dem 17. Jahrhundert kurz außerhalb der Stadtmauern.
  • Villa la Collina, Villa kurz außerhalb der Stadtmauern von Lari, im 17. Jahrhundert entstandenes Gebäude der Familie Panattoni.[5]
  • Villa Norci, Gebäude der Familie Norci in San Ruffino aus dem 17. Jahrhundert.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Ort ist Träger der Bandiera Arancione.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Führungsblatt für das Castello dei Vicari di Lari, hg. von der Kulturvereinigung "Il Castello", Lari o.J.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ciliegia di Lari (it.wikipedia.org, italienisch)
  2. Pastificio Martelli, abgerufen am 10. März 2015
  3. Il Comune di Casciana Terme Lari (PI), tuttitalia.it zur neuen Gemeinde Casciana Terme Lari, abgerufen am 8. März 2015 (italienisch)
  4. Touring Club Italiano: Toscana.
  5. Ovidio Guaita: Le Ville della Toscana. Newton & Compton Editori, Rom 1997, ISBN 88-8183-787-0, S. 190 f.
  6. Ovidio Guaita: Le Ville della Toscana. Newton & Compton Editori, Rom 1997, ISBN 88-8183-787-0, S. 222 f.
  7. Offizielle Webseite der Bandiera Arancione zu Lari, abgerufen am 9. März 2015 (italienisch)

43.56583333333310.5925Koordinaten: 43° 34′ N, 10° 36′ O