Larynxtubus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Larynxtubus in Plexiglasmodel

Der Larynxtubus (LT) ist ein Hilfsmittel zur Atemwegssicherung. Er stellt eine Alternative zur endotrachealen Intubation dar und wird vor allem eingesetzt, wenn letztere nicht gelingt, etwa im Rahmen der Reanimation,[1] jedoch auch im Rahmen der schwierigen Atemwegssicherung in der Anästhesie.[2] Aufbau und Funktion ähneln dem Combitubus. Beide werden wie auch die Larynxmaske blind eingeführt, der Larynxtubus kommt aufgrund seiner Bauweise nahezu immer in der Speiseröhre zu liegen. In Bezug auf Handhabung, Effektivität und Sicherheit ist er diesen Alternativen ebenbürtig.[3] Larynxtubus ist ein Markenzeichen von VBM Medizintechnik, Sulz, Deutschland. Er wurde 1999 entwickelt.[4]

Aufbau[Bearbeiten]

Der Larynxtubus besteht aus einem an beiden Enden geöffneten Schlauch aus flexiblem Kunststoff. Er besitzt ein Lumen, das zwischen zwei Cuffs (Blockmanschetten zum Abdichten) endet. Der obere, distale Cuff umgibt den Tubus etwa in der Mitte und kommt nach dem Einführen im Rachen zu liegen, während der untere (proximale) am Ende angebracht ist und nach dem Einlegen in der Speiseröhre liegt. Zwischen den Cuffs endet das Lumen in Höhe des Kehlkopfes, sodass durch die Abdichtung der Manschetten nach oben und unten die durch das Beatmungsgerät eingebrachte Luft in die Lunge strömen kann.[3]

Seit 2003 ist der Larynxtubus in einer modifizierten Variante (LT-S) mit zusätzlichem Kanal erhältlich, über die sich eine Magensonde legen lässt.[5] Dieser Kanal dient außerdem auch ohne Einlegen einer Magensonde als Ventil gegen eine mögliche Überblähung und Ruptur der Speiseröhre.[6]

Anwendung[Bearbeiten]

Die Anwendung des Larynxtubus ist einfacher als die Durchführung einer endotrachealen Intubation. Der Larynxtubus wird ohne den Einsatz eines Laryngoskopes blind über den Mund des Patienten eingeführt, der Kopf ist dabei in Neutralstellung oder leicht überstreckt. Hilfreich ist es, die Cuffs vor Anlage noch einmal aktiv zu entlüften, da aufgrund des Produktionsverfahrens, insbesondere nach längerer Lagerung, etwas Restluft in den Cuffs enthalten sein kann. Es ist darauf zu achten, dass der Mund-Rachenraum frei von Fremdkörpern ist. Zudem sollte die Zunge mittels Esmarch-Handgriff oder via Schienung durch den Zeigefinger in Position gehalten werden um eine inkorrekte Positionierung des Larynxtubus durch die hinten im Rachen liegende Zunge zu vermeiden. Korrekt eingelegt kommt der Larynxtubus in der Speiseröhre zu liegen. Nach dem Blocken (Füllen der Cuffs) kann mit Hilfe eines Beatmungsbeutels oder -gerätes beatmet werden.[3] Nach den Reanimationsleitlinien des European Resuscitation Council (ERC) von 2010 ist der Larynxtubus für Ungeübte das Mittel der Wahl zur Atemwegssicherung, weil er nicht das Risiko einer unerkannten Tubusfehllage (die bei Ungeübten zwischen 2,4 und 17 % betragen kann) beinhaltet.[7]

An Nebenwirkungen und Komplikationen kommt eine Undichtigkeit des Tubus oder eine Atemwegsverlegung sowie Schädigungen der Schleimhaut des Rachenbereiches in Frage. Zudem ist selten eine Überblähung des Magens mit möglicher Ruptur der Speiseröhre beschrieben.[6] Auch eine Aspiration von Magensekret in die Lunge kann nicht ausgeschlossen werden. Eine Verbesserung des Ursprungmodells ist der bereits oben angeführte LT-S, der den beiden letztgenannten Risiken vorbeugen soll.[8]

Größencodierung[Bearbeiten]

Größen von Larynxtuben [3]
Größe 0 1 2 2,5 3 4 5
Farbe transparent weiß grün orange gelb rot violett
Zielgruppe Neugeborene
< 5 kg
Babys
5–12 kg
Kleinkinder
12–25 kg
größere Kleinkinder
125–150 cm
kleine Erwachsene
< 155 cm
Erwachsene
155–180 cm
große Erwachsene
>180 cm

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nolan JP, Deakin CD, Soar J et al.: European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2005. Section 4. Adult Advanced Life Support. (2005) Resuscitation. 67 Suppl. 1: S. 39–86. PMID 16321716.
  2. Gerlach K, Dörges V, Uhlig T: Der schwierige Atemweg. Anasthesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther. Febr. 2006; 41 (2): S. 93–118; PMID 16493561.
  3. a b c d Asai T, Shingu K: The Laryngeal Tube. Br J Anaesth. Dez. 2005; 95 (6): S. 729–736. PMID 16286348.
  4. Agro F, Cataldo R, Alfano A, Galli B: A New Prototype for Airway Management in an Emergency: The Laryngeal Tube. Resuscitation (1999) 41: S. 284–286. PMID 10507719.
  5. Dörges V, Ocker H, Wenzel V, Steinfath M, Gerlach K: The Laryngeal Tube S. A modified simple airway device? Anesth Analg 2003; 96: S. 618–621 PMID 12538222.
  6. a b Adler J, Dykan M: Gastric rupture: An Unusual Complication of the Esophageal Obturator Airway. In: Annals of Emergency Medicine 1983; 12: S. 224–225.
  7. ERC Guidelines 2010, S. 581.
  8. Dörges V, Ocker H, Wenzel V, Steinfath M, Gerlach K: The Laryngeal Tube S: A Modified Simple Airway Device. In: Anesthesia & Analgesia 2003; 96: S. 618–621.
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!