Late-Night-Show
Late-Night-Show ist ein Neologismus und Anglizismus, mit dem eine am späten Abend ausgestrahlte Fernsehserie mit Publikum und einer Fernsehshow in spezifischem Format umschrieben wird.
Inhaltsverzeichnis |
Inhalte[Bearbeiten]
Die Late-Night-Show kombiniert die Genres Comedy und Talkshow. Elementare Standards der ritualisierten Shows sind neben dem Moderator mit Fähigkeiten zur Stand-up-Comedy die Präsentation mehrdeutiger Schlagzeilen aus aktuellen Zeitungen, belustigende Filmausschnitte aus Nachrichten- oder sonstigen Fernsehsendungen, eigenproduzierte Kurzfilme, kurze Musikstücke einer anwesenden Live-Band und zwei oder drei einzeln interviewte Gäste. Diese Spätvorstellung beschert zu jener Zeit keine hohen Einschaltquoten mehr; denn zur Hauptsendezeit werden über 40 % der deutschen Zuschauer erreicht, am späten Abend nur etwa 20 %.[1]
Die klassische Late-Night-Show beginnt mit einem Monolog, der sich mit aktuellen Themen befasst, gefolgt von einem Hauptteil und einem Talkteil, sowie einem Musikteil. Weitere Merkmale sind:
- Die Band samt Bandleader, der von Zeit zu Zeit als Ansprechpartner fungiert (Kevin Eubanks, Max Weinberg, Paul Shaffer, Helmut Zerlett, Herbert Jösch)
- Eventuell ein Sidekick (Andy Richter, Manuel Andrack, Sven Schuhmacher, Katrin Bauerfeind, Elton)
- Die stets korrekte Kleidung des Moderators.
Geschichte[Bearbeiten]
Wie der Titel bereits andeutet, erhält diese Fernsehshow einen Sendeplatz am späten Abend. Die amerikanische Terminologie unterscheidet die „prime time“ (Hauptsendezeit) ab 20:00 Uhr, die „late prime time“ ab 22:00 Uhr und „late night“ ab 23:00 Uhr bis in die frühen Morgenstunden. Dieser Sendeplatz wird von den Late-Night-Shows belegt, die dort von Montag bis Freitag ab 23:30 Uhr ausgestrahlt werden.[2] Eine Studie von Newsweek belegte, dass nur etwa 50 von 600 Gästen in amerikanischen Late Night-Shows Afroamerikaner waren, obwohl Letztere sich doppelt so viele Shows ansehen wie weiße Amerikaner.[3]
| Sendeplatz | Sendezeit | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Sendeplatz I | zwischen 20.00 und 22.00 Uhr | ||||
| Sendeplatz II | zwischen 22.00 und 24.00 Uhr | ||||
| Sendeplatz III | zwischen 12.00 und 16:00 Uhr | ||||
| Sendeplatz IV | zwischen 16.00 und 20.00 Uhr | ||||
| Sendeplatz V | zwischen 10.00 und 12.00 Uhr | ||||
The Tonight Show war weltweit die erste und erfolgreichste Late-Night-Show, erstmals am 27. September 1954 unter dem Titel Variety Show von NBC ausgestrahlt. Ihr Format war Vorbild für spätere Shows dieses Genres, auch in Deutschland. Es folgte seit 30. August 1993 die Late Show auf CBS mit David Letterman, Vorbild für die Harald Schmidt Show. Um 23:30 Uhr starten auf NBC und CBS parallel die Late Night Shows, bei ABC läuft die Nachrichtensendung Nightline und danach erst seit 26. Januar 2003 Jimmy Kimmel Live!.
Deutschland[Bearbeiten]
Thomas Gottschalk startete bei RTL am 28. September 1992 als Gottschalk Late Night ab 23:15 Uhr eine Abendshow, bei der jedoch wesentliche Elemente der klassischen Late-Night-Show fehlten. In der Show wurde übrigens Heidi Klum 1992 als Model entdeckt. Damit war das Privatfernsehen in Deutschland Pionier dieses Formats. Die erste nach amerikanischen Vorbild aufgebaute Show war ab 16. Mai 1994 die RTL Nachtshow, die wie Gottschalks Show (am 27. April 1995) am 17. November 1995 wegen zu geringer Einschaltquoten eingestellt wurde.
Die Harald Schmidt Show startete ab 5. Dezember 1995 auf Sat.1 und orientierte sich vollständig am Original der - zeitgleich zur Tonight Show bei CBS ausgestrahlten - Late Night with David Letterman. Die Rückwand im Studio zeigte jedoch nicht die Kulisse der New Yorker Brooklyn Bridge, sondern die Skyline von Köln.[4] Selbst das „Cue Card-Girl“ mit Stichworttafeln war anwesend. Die Harald Schmidt Show war als Formathybrid zwischen Late-Night-Talk und Comedy Show zu klassifizieren. Sie wurde im Kölner Kino Capitol mit 250 Zuschauern aufgenommen.[5] Seit 1999 wurde sie nicht mehr von Brainpool, sondern von Schmidts eigener Produktionsfirma Bonito produziert und seitdem in Köln-Mülheim im Studio 449 aufgenommen. Abendlich sahen um die 1 Million Zuschauer die Show (Marktanteile zwischen 11 % und 14 %). Sie war kein besonderer Quotenerfolg, jedoch hinsichtlich Zuschauergunst kaum schwankend und verlässlich.[6] Diese Show wurde jedoch nicht wegen schlechter Einschaltquoten, sondern wegen anhaltender Differenzen zwischen Harald Schmidt und dem neuen Sat.1-Chef am 29. Dezember 2003 beendet.
Im Jahr danach trat Harald Schmidt ab 23. Dezember 2004 in der ARD mit einigen Modifikationen in der ersten Late Night Show des öffentlichen Fernsehens auf. Im Kölner Theater am Rudolfplatz produziert ProSieben seit dem 8. März 1999 TV total, eine Late Night mit Stefan Raab. Das Format unterscheidet sich jedoch vom üblichen Inhalt, denn die Show konzentriert sich überwiegend auf die Präsentation von Ausschnitten aus Fernsehsendungen deutscher Programme, die sich für Raabs Comedy eignen. Sie ist die langlebigste Late Night im deutschen Fernsehen.
Bekannte Late-Night-Shows (soweit im Text nicht erwähnt)[Bearbeiten]
Heute sind es unter anderem folgende Namen, die mit dem Begriff Late-Night-Show in Verbindung gebracht werden:
- Jay Leno (The Tonight Show, 1992–2009, The Jay Leno Show 2009–2010, The Tonight Show with Jay Leno seit 2010)
- Conan O'Brien (Late Night with Conan O'Brien 1993–2009, The Tonight Show with Conan O'Brien 2009–2010), Conan (seit 2010)
- David Letterman (Late Night with David Letterman 1982–1993, Late Show with David Letterman seit 1993)
- Jon Stewart (The Daily Show, 1996–1999 mit Craig Kilborn, seit 1999 mit Jon Stewart)
- Craig Ferguson (The Late Late Show with Craig Ferguson, seit 2005)
- Chelsea Handler (Chelsea Lately, seit 2007)
- Jimmy Fallon (Late Night with Jimmy Fallon, seit 2009)
- in Deutschland:
-
- Benjamin von Stuckrad-Barre: Stuckrad Late Night, 2010-2012; Stuckrad-Barre seit 2012
- Joachim Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf: MTV Home, 2009-2011; neoParadise, 2011-2013; Circus HalliGalli, seit 2013
- Kurt Krömer: Krömer – Die Internationale Show., 2007-2011; Krömer - Late Night Show, seit 2012
- Ina Müller: Inas Nacht, seit 2007
- Late Lounge mit Roberto Cappelluti (hr-fernsehen, 1999–2004)
- Grünwald Freitagscomedy (Bayerisches Fernsehen, seit 2003)
- SWR3 RingFrei! (SWR, 2003–2006)
- Nachtfalke (Tele 5, 2003–2005)
- Sarah Kuttner – Die Show/Kuttner. (VIVA/MTV, 2004–2006)
- Anke Late Night (Sat.1, 2004)
- Harald Schmidt (ARD, 2004–2007, 2009–2011)
- Late Knights mit Nils Bomhoff und Etienne Gardé (GIGA, 2006–2009)
- SWR3 latenight (SWR, seit 2007)
- Inas Nacht (ARD, seit 2007)
- Schmidt & Pocher (ARD, 2007–2009)
- Achtung! Hartwich (RTL, 2008)
- Walter Late Night (OK43, 2008)[7]
- Die Oliver Pocher Show (Sat.1, 2009–2011)
- Stuckrad Late Night (ZDFneo, 2010–2012)
- NeoParadise (ZDFneo, 2011–2013)
- Stuckrad Barre (Tele 5, seit 2012)
- Circus HalliGalli (Prosieben, seit 2013)
- in Österreich:
-
- Dirk Stermann und Christoph Grissemann: Willkommen Österreich, seit 2007
- in der Schweiz:
-
- Viktor Giacobbo: Viktors Programm 1990–1994; Viktors Spätprogramm 1995–2002; Giacobbo/Müller – Late Service Public seit 2008
- Mike Müller: Giacobbo/Müller – Late Service Public seit 2008
Österreich[Bearbeiten]
In Österreich lief in den Jahren 1994–1996 die Hermes Phettbergs Nette Leit Show, deren Name auf Late-Night anspielt. Seit 2004 wird auf ORF 1 in der Comedyschiene Donnerstag Nacht eine Late-Night-Show, moderiert von Alfred Dorfer, namens Dorfers Donnerstalk ausgestrahlt. Der Stil der Sendung erinnert an eine Late-Night-Show, handelt aber auch mit fiktiven Personen oder Kabarettisten, die meistens Politiker darstellen sollen. Im Jahr 2007 wurde Willkommen Österreich, in verfremdeter Anlehnung an die Vorabendillustrierte Willkommen Österreich, das erste Mal gesendet (moderiert durch Dirk Stermann und Christoph Grissemann) und ab Herbst 2007 zu einer kabarettistischen Late-Night-Show im Rahmen der Donnerstag Nacht weiterentwickelt.
Schweiz[Bearbeiten]
In der Schweiz waren Late-Night-Shows bisher nicht sehr erfolgreich. Das Schweizer Fernsehen DRS versuchte es zwischen 1997 und 1999 mit der Sendung „Night Moor“ mit Dieter Moor. Einige Monate zuvor war die Show „Feinheiten“ mit Raymond Fein nach nur einer Sendung, einerseits aufgrund der schlechten Kritik, andererseits aufgrund einer plötzlichen Erkrankung des Moderators, wieder abgesetzt worden.
Am 17. Oktober 2005 startete mit „Black'n'Blond“ eine neue Late-Night-Show auf SF zwei. Moderiert wurde sie von Roman Kilchsperger und Chris von Rohr. Das Format wurde jedoch nach der Sommerpause 2006 wegen zu niedriger Einschaltquoten abgesetzt. Am 27. Januar 2008 sendete das Schweizer Fernsehen auf SF 1 zum ersten Mal die neue Late-Night-Show Giacobbo/Müller aus. Im Gegensatz zu Black'n'Blond befinden sich die Einschaltquoten auf einem normalen Niveau.
Niederlande[Bearbeiten]
In den Niederlanden gibt es nur eine Late-Night-Show, die jedoch sehr erfolgreich ist und hohe Einschaltquoten verzeichnet. Im Verhältnis zu deutschen oder auch amerikanischen Late-Night-Shows ist JENSEN! mit dem sehr provokant auftretenden Moderator Robert Jensen sehr offen gestaltet.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ AFG/GFK Fernsehforschung, 2005, Fernsehnutzung ab 23:00 Uhr
- ↑ Christian Bachem, Fernsehen in den USA, 1995, S. 68 f.
- ↑ Jet vom 12. Februar 1996, Study: Blacks Are Rarely Guests On Late-Night Television Shows, S. 96
- ↑ Philip Hartmann, Was ist dran an Harald Schmidt, 2006, S. 17
- ↑ Karin Knop, Comedy in Serie, 2007, S. 156 f.
- ↑ Karin Knop, a.a.O., S. 160
- ↑ "WALTER LATE NIGHT". Abgerufen am 7. Juni 2010.