Laternenfische

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Laternenfische
Schlankschwänziger Laternenfisch (Myctophum punctatum)

Schlankschwänziger Laternenfisch (Myctophum punctatum)

Systematik
Kohorte: Euteleosteomorpha
Unterkohorte: Neoteleostei
Teilkohorte: Eurypterygia
Ctenosquamata
Ordnung: Laternenfischartige (Myctophiformes)
Familie: Laternenfische
Wissenschaftlicher Name
Myctophidae
Gill, 1893

Die Laternenfische (Myctophidae) sind eine arten- und individuenreiche Familie kleiner Tiefseefische. Ihre Schwesterfamilie, die Laternenzüngler (Neoscopelidae), ist wesentlich artenärmer. Laternenfische leben in allen Weltmeeren. Sie bekamen ihren Namen wegen ihrer Leuchtorgane.

Laternenfische machen zusammen mit den Borstenmäulern (Gonostomatidae) und den Leuchtfischen (Phosichthyidae) 90 % der Lebendmasse aller Tiefseefische aus. Ihre gesamte Lebendmasse schätzt man auf 550-660 Millionen Tonnen. Ausgewachsene Laternenfische stellen 65 % aller Fische im Mesopelagial, bei Planktonfängen haben die Larven der Laternenfische einen Anteil von 50 % unter allen Fischlarven.

Laternenfische werden bei Südafrika, in subantarktischen Gewässern und im Golf von Oman kommerziell gefischt.

Aussehen[Bearbeiten]

Anatomie der Laternenfische am Beispiel von Lampanyctodes hectoris ((1) - Kiemendeckel, (2) - Seitenlinie, (3) - Rückenflosse, (4) - Fettflosse, (5) - Schwanzstiel, (6) - Schwanzflosse, (7) - Afterflosse, (8) - Leuchtorgane, (9) - Bauchflossen (paarig), (10) - Brustflossen (paarig))
Verteilung der Leuchtorgane am Beispiel von Hygophum hygomii

Laternenfische haben einen kleinen schlanken Körper, der von kleinen cykloiden Schuppen bedeckt ist, einen relativ großen, runden Kopf und ein großes Maul.

Die Tiere haben eine einzelne hohe Rückenflosse und eine Fettflosse, die Schwanzflosse ist gegabelt. Die Brustflossen haben normalerweise acht Strahlen. Sie können groß oder klein oder degeneriert sein, bei einigen Arten fehlen sie vollständig.

Die meisten Laternenfische haben eine Schwimmblase. Sie wird bei einigen Arten während des Wachstums zurückgebildet oder mit Lipiden gefüllt. Die Seitenlinie ist durchgehend.

Alle Arten, bis auf Taaningichthys paurolychnus, haben blaues, grünes oder gelbes Licht ausstrahlende Leuchtorgane in Reihen entlang des Körpers und auf dem Kopf. Bei der Gattung Diaphus z. B. befinden sich scheinwerferähnliche Leuchtorgane in der Nähe der Augen. Einige Arten haben auch an der Unterseite der Flossen Leuchtorgane. Teilweise unterscheiden sich auch die Geschlechter an der Anordnung der Leuchtorgane. Man nimmt an, dass die Leuchtorgane bei der Partnerwerbung und beim Zusammenhalt des Schwarms eine Rolle spielen.

Ökologie[Bearbeiten]

Laternenfische machen eine Vertikalwanderung. Während des Tages bleiben die meisten Arten in der dunklen bathypelagischen Zone in Tiefen von 300 bis 1200 Meter. Bei Sonnenuntergang beginnen die Tiere auf 10 bis 100 Meter aufzusteigen. Sie folgen dabei der Wanderung des Zooplankton, von dem sie sich ernähren. Bei Tagesanbruch schwimmen sie wieder in die Tiefe. Die verschiedenen Arten halten sich in unterschiedlichen Tiefen auf. Es kann auch je nach Lebensalter, Geschlecht, Jahreszeit oder dem Breitengrad des Lebensraums zu einer unterschiedlichen Vertikalwanderung kommen.

Die meisten Arten bleiben in der Nähe zur Küste und halten sich über den Kontinentalhängen auf.

Die Laternenfischschwärme sind auf Echolotbildern sichtbar und sorgten früher für verwirrte Ozeanographen, da man sie für den Meeresboden gehalten hat.

Laternenfische sind für Kalmare, andere Tiefseefische, große pelagische Fische wie Thunfisch und Haie, Seevögel, Pinguine, Wale und Delfine eine wichtige Nahrungsquelle.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Larve eines Laternenfisches

Laternenfische laichen pelagisch im freien Wasser. Die kleinen Eier (0,70-0,90 Millimeter im Durchmesser) werden durch ein Öltröpfchen in der Schwebe gehalten. Eier und die zwei Millimeter großen Larven treiben mit der Strömung. Laternenfischlarven halten sich in flacherem Wasser auf als die erwachsenen Tiere.

Kleinere Arten wie Diogenichthys laternatus verdoppeln ihre Population innerhalb von 15 Monaten. Größere Arten brauchen dazu bis zu fünf Jahren. Benthosema glaciale, eine größere Art, erreicht die Geschlechtsreife erst mit 2-3 Jahren und kann bis zu acht Jahre alt werden.

Systematik[Bearbeiten]

Es gibt zwei Unterfamilien, 33 Gattungen und etwa 250 Arten:

Unterfamilie Lampanyctinae[Bearbeiten]

Bei den Arten der Unterfamilie Lampanyctinae sind die Leuchtorgane auf dem Schwanzstiel überwiegend monomorph. Sie leben meist tiefer als die Arten der Unterfamilie Myctophinae, haben längere Kiefer und schlaffere Körper.[1]

Diaphus adenomus
Diaphus coeruleus
Diaphus dumerilii
Diaphus effulgens
Diaphus fulgens
Diaphus lucidus
Diaphus rafinesquii
Diaphus splendidus
Diaphus termophilus
Diaphus theta
Lobianchia dofleini
Gymnoscopelus piabilis
Lampanyctodes hectoris
Notoscopelus caudispinosus
Krøyers Laternenfisch (Notoscopelus kroyeri)
Bolinichthys photothorax
Ceratoscopelus maderensis
Ceratoscopelus warmingii
Lampadena luminosa
Lampanyctus alatus
Lampanyctus crocodilus
Lepidophanes guentheri
Nannobrachium nigrum

Unterfamilie Myctophinae[Bearbeiten]

Bei den Arten der Unterfamilie Myctophinae sind die Leuchtorgane auf dem Schwanzstiel überwiegend dimorph. Sie haben festere Körper, ein abgerundetes, glattes Kopfprofil, kürzere Kiefer, große Augen und leben meist in nicht so tiefen Wasserschichten wie die Arten der Unterfamilie Lampanyctinae.[1]

Electrona antarctica
Electrona risso
Protomyctophum subparallelum
Eislaternenfisch (Benthosema glaciale)
Benthosema pterotum
Centrobranchus andreae
Gonichthys cocco
Hygophum benoiti
Myctophum obtusirostre
Schlankschwänziger Laternenfisch (Myctophum punctatum)
Symbolophorus evermanni
Tarletonbeania crenularis

Literatur[Bearbeiten]

  • John S. S. Denton: Seven-locus molecular phylogeny of Myctophiformes (Teleostei; Scopelomorpha) highlights the utility of the order for studies of deep-sea evolution. Molecular Phylogenetics and Evolution, Februar 2014, doi:10.1016/j.ympev.2014.02.009
  • Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische, Gustav Fischer Verlag, Jena, 1991, ISBN 3-334-00339-6
  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  • Motoomi Yamaguchi: Phylogenetic analyses of myctophid fishes using morphological characters. Japanese Journal of Ichthyology. VOL.47; NO.2; PAGE.87-107; (2000), ISSN 0021-5090

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Denton (2014), Seite 7-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Laternenfische – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien