Lathyrismus

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Klassifikation nach ICD-10
T62 Toxische Wirkung sonstiger schädlicher Substanzen, die mit der Nahrung aufgenommen wurden
T62.2 Sonstige verzehrte Pflanze(n) oder Teil(e) davon
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Bei Lathyrismus handelt es sich um eine chronische neurologische Erkrankung toxischer Genese. Lathyrismus wird durch dauerhaften Genuss von Mehl der trockenheitsresistenten Saat-Platterbse (Lathyrus sativus) verursacht und ist ein Beispiel für die Wirkung eines natürlichen Exzitotoxins, das selektiv auf das erste Motoneuron wirkt.

Ätiologie[Bearbeiten]

Das wirksame Toxin ist β-N-oxalylamino-L-alanine (BOAA), das selektiv auf den AMPA-Glutamat-Rezeptor wirkt. Chronische Einnahme des Toxins resultiert in erhöhten intrazellulären Konzentrationen freier Radikale und in verringerter Funktion der mitochondrialen oxidativen Phosphorylierung. Pathologisch sind vorwiegend die Betzschen Riesenzellen des primär motorischen Cortex betroffen, die die Muskeln der unteren Extremität innervieren.

Symptome[Bearbeiten]

Lathyrismuskranke in Spanien während der Zeit der napoleonischen Kriege: Gracias al la Almorta (dt.: Dank der Platterbse), Radierung von Francisco de Goya

Klinisch manifestiert sich Lathyrismus-Neurotoxizität in Muskelspasmen, Krämpfen der Extremitätenmuskulatur und progressive spastische Lähmung (Parese) der Beinmuskulatur. Typisch ist der Gang, bei dem die Betroffenen faktisch von einem Bein aufs andere fallen. Gefühls- und Blasenfunktionsstörungen können ebenfalls auftreten. Gelegentlich wird ein grobschlägiger Tremor der Arme beobachtet.

Vorkommen[Bearbeiten]

Lathyrismus tritt epidemisch in Trockenheitsgebieten auf, wenn das Mehl der Lathyrus-Platterbse zum Hauptnahrungsmittel wird. Epidemien wurden in Bangladesh, China, Äthiopien und Indien beschrieben. Historische Ausbrüche gab es beispielsweise in Spanien zur Zeit der napoleonischen Kriege, als die hungernde Bevölkerung sich vor allem von Platterbsen (Almorta) ernährte.

Quellen[Bearbeiten]

  • Murray and Mitsumoto: Disorders of upper and lower motoneurons. Neurology in clinical practice, Vol 2., Bradley et al (eds), Elsevier 2004
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