Lauberhornabfahrt

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Lauberhorn
Ort: Wengen, SchweizSchweiz Schweiz
Berg: Lauberhorn
Abfahrt
Start: 2.315 Meter
Ziel: 1.287 Meter
Höhenunterschied: 1.028 Meter
Streckenlänge: 4.480 Meter
maximale Neigung: 41 °[1]
durchschnittliche Neigung: 14,2 °[1]

Die Lauberhornabfahrt bei Wengen in der Schweiz ist die längste Abfahrt im alpinen Skirennsport. Sie zählt zu den Klassikern des 1967 eingeführten Alpinen Skiweltcups und ist bereits seit 1930 Schauplatz des Lauberhornrennens.

Sie führt von der Südschulter des Lauberhorns hinunter in den südlich von Wengen gelegenen Weiler Schiltwald. Derzeit bewältigen die Sieger die knapp 4'500 Meter lange Strecke in einer Laufzeit von ca. 2:30 Minuten.

Die Lauberhornabfahrt ist auch bekannt für ihre Kulisse aus Eiger, Mönch und Jungfrau.

Streckenführung[Bearbeiten]

Der Hundschopf

Der Start der Abfahrt liegt auf 2'315 m ü. M. auf der Lauberhornschulter, die von der Kleinen Scheidegg mittels Sessellift zu erreichen ist. Der obere Streckenabschnitt, auf dem die Fahrer fast eine Minute unterwegs sind, ist eher flach und besteht aus Gleitstücken sowie langgezogenen Kurven. Darin eingebettet ist der Russisprung, nach Bernhard Russi benannt und von diesem 1988 erbaut. Nach dem Traversenschuss und einer engen S-Kurve zur Temporeduktion folgen der Sprung über den Hundschopf, wo es zwischen zwei Felsen 15 Meter in die Tiefe geht. Gleich danach folgt die Minsch-Kante, wo Josef Minsch 1965 schwer stürzte. Auf diese folgt der Canadian Corner, eine langgezogene Kurve, die 1976 Dave Irwin und Ken Read zum Verhängnis wurde.[2]

Danach befahren die Rennläufer ein weiteres, schnelles Gleiterstück, den sogenannten Alpweg. Dieser endet im Kernen-S, einer sehr engen Kombination einer Rechts- und einer Linkskurve, die auf eine kurze Brücke führt. Bis 2007 hiess diese Passage noch Brüggli-S. Sie wurde nach dem Rücktritt von Bruno Kernen, der 1997 hier schwer gestürzt und beinahe unverletzt geblieben war, umbenannt. Von der Brücke geht es steil hinunter zu einem kurzen Tunnel, der unter den Gleisen der Wengernalpbahn durchführt. An dieses schliesst das langgezogene Gleiterstück Langentrejen an. Wo in den 1950ern die Streckenführung noch gerade war, finden sich heute Kurven wie in einem Super-G.[2]

Es folgt der Hanneggschuss, wo Johan Clarey am 19. Januar 2013 in der Abfahrt mit 161,9 km/h die höchste je gemessene Geschwindigkeit im alpinen Skiweltcup erreichte.[3]

Im anschliessenden Seilersboden mit flachen Kurven ist wieder Feingefühl gefragt.[1] Nach dieser Passage geht es über den 2003 neu eingebauten Silberhornsprung. Der Sprung wurde so angelegt, dass in der Kameraeinstellung der Fernsehübertragungen nebst den springenden Rennläufern im Hintergrund das Silberhorn zu sehen ist. Das folgende Österreicherloch im Gebiet Wegscheide erhielt seinen Namen 1954, nachdem an dieser Stelle drei Österreicher gestürzt waren. Die Buckel, die sie damals von der Piste warfen, wurden mittlerweile abgetragen.[2]

Zielschuss (2006)

Die letzte Schlüsselstelle ist das Ziel-S. Die technisch schwierige Stelle am Ende der langen Abfahrt fordert von den Rennläufern nochmals viel Kraft und entscheidet oft über den Ausgang des Rennens. 1991 verunglückte hier Gernot Reinstadler tödlich. Das Ziel-S leitet über in den Zielschuss, mit einer Neigung von 42 Grad nach dem Hundschopf der steilste Streckenabschnitt. Der Zielsprung wurde vor dem Rennen 2009 aus Sicherheitsgründen abgeflacht, die Zufahrt wurde verbreitert.[2][4] Zuvor waren hier viele Fahrer gestürzt, so Peter Müller, Silvano Beltrametti, Adrien Duvillard und 2007 Bode Miller – die Ziellinie schlitternd als Sieger überquerend.[2][5][6] Der Zielschuss verlangt von den Fahrern auch heute noch die letzten Reserven.[1] Das Ziel befindet sich auf 1'287 m ü. M. in Innerwengen, rund einen Kilometer südlich des Dorfzentrums.

Die Super-Kombination des Lauberhornrennens ist die einzige im Weltcup, bei der die Abfahrt aufgrund ihrer enormen Länge noch auf einer verkürzten Strecke gefahren wird: Der Start der Kombinationsabfahrt liegt auf einer Höhe von 2'000 Metern oberhalb der S-Kurve vor dem Hundschopf.

Der Slalom wird auf der Piste Jungfrau / Männlichen durchgeführt und endet im gleichen Zielraum wie die Abfahrt.

Rekordsieger[Bearbeiten]

Karl Schranz am Lauberhorn, 1966

Folgende Rennläufer konnten die Lauberhornabfahrt öfter als ein Mal gewinnen:

  • 6 Siege

Karl Molitor (1939, 1940, 1942, 1943, 1945, 1947)

  • 4 Siege

Toni Sailer (1955, 1956, 1957, 1958); Karl Schranz (1959, 1963, 1966, 1969)

  • 3 Siege

Rudolf Graf (1941, 1947, 1949); Franz Klammer (1975, 1976, 1977)

  • 2 Siege

Heinz von Allmen (1937, 1938); Bode Miller (2007, 2008); Othmar Schneider (1951, 1952); Fritz Steuri (1931, 1932); Stephan Eberharter (2002, 2003); Marc Girardelli (20. und 21. Januar 1989)

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Born: Lauberhorn – die Geschichte eines Mythos. AS Verlag, Zürich 2004, ISBN 3-909111-08-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Ski World Cup Wengen: Abfahrtsstrecke. Abgerufen am 24. September 2013.
  2. a b c d e  Remo Geisser: Evolution eines Dinosauriers. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 11, 14. Januar 2012, S. 52.
  3. Innerhofer gewinnt in Wengen. sport.orf.at, 19. Januar 2013, abgerufen am 19. Januar 2013.
  4. Lauberhorn-Zielgelände wird sicherer, Bericht aus dem Berner Oberländer vom 26. September 2008
  5. Stefan Oswalt: Ein ewig junger Dinosaurier. In: NZZonline. 10. Januar 2008, abgerufen am 18. Januar 2012.
  6. Richard Hegglin: Lauberhorn, das kniffligste Ski-Puzzle der Welt. In: Basellandschaftliche Zeitung. 13. Januar 2012, abgerufen am 18. Januar 2012.

46.5916666666677.94833333333332315Koordinaten: 46° 36′ N, 7° 57′ O; CH1903: 639060 / 160171