Lauch (Gattung)

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Lauch
Blühender Bärlauch (Allium ursinum)

Blühender Bärlauch (Allium ursinum)

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Unterfamilie: Lauchgewächse (Allioideae)
Tribus: Allieae
Gattung: Lauch
Wissenschaftlicher Name der Tribus
Allieae
Dumort.
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Allium
L.

Die Lauch-Arten (Allium) bilden die einzige Pflanzengattung der Tribus Allieae, die zur Unterfamilie der Allioideae innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) gehört. Einige Arten sind bekannte Speise- und Würzpflanzen, andere Arten werden als Zierpflanzen genutzt. Verantwortlich für den charakteristischen Geruch der meisten Arten ist Allicin, das bei Verletzung von Pflanzenteilen durch ein Enzym aus einer schwefelhaltigen Aminosäure, dem Alliin, gebildet wird.

Die Lauch-Arten wurden durch den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) zum „Gemüse des Jahres“ 2013/2014 in Deutschland gewählt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration von Gekielter Lauch (Allium carinatum).

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Allium-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen, die je nach Art 5 bis 200 Zentimeter Wuchshöhe aufweisen. Oft bilden sie Zwiebeln als Überdauerungsorgane, manche Arten bilden zusätzlich Rhizome. Je nach Art kann die Zwiebelhülle glatt oder in Längsfasern bis -streifen geteilt, sie kann netzartig sein oder maschen- bis lochartige Strukturen aufweisen. Die meisten Arten haben den typischen Zwiebelgeruch.

Die einfachen, parallelnervigen Laubblätter sind meist ungestielt. Die zwischen etwa 5 und 80 cm langen Blattspreiten können je nach Art flach mit einer Breite von 0,3 bis 15 cm oder zylindrisch mit einem Durchmesser von weniger als 1 mm bis über 2 cm sein, seltener sind sie fadenförmig, dreikantig, halbzylindrisch oder in viele fadenartige Zipfel geteilt.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Es wird ein mehr oder weniger langer unbeblätterter Blütenstandsschaft gebildet. Die doldigen Blütenstände sind manchmal fast kugelrund. Manchmal werden Brutzwiebelchen in den Blütenständen gebildet. Oft ist ein großes Hochblatt vorhanden, das im knospigen Zustand die Blüten schützt.

Die meist zwittrigen, meist radiärsymmetrischen Blüten sind dreizählig. Wenige Arten bilden eingeschlechtige Blüten und sind dann zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die zwei mal drei Blütenhüllblätter sind bei den meisten Arten gleichgestaltig. Die Farbe der Blütenhüllblätter der Allium-Arten ist oft weiß, gelb, rosa, blau, violett oder rot. Es sind zwei Kreise mit je drei fertilen Staubblättern vorhanden. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen.

Es werden Kapselfrüchte gebildet. Die schwarzen Samen sind verkehrt-eiförmig bis kugelig.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gattung Allium umfasst etwa 550 bis 700 Arten, davon 110 in Europa (Stand 1980;[1] seitdem sind aus Südeuropa zahlreiche weitere Arten beschrieben worden). Die größte Artenzahl findet sich im Mittelmeerraum, im Orient und von Turkestan bis Tibet.

Es gibt im deutschsprachigen Raum 16 einheimische und drei eingebürgerte wild wachsende Allium-Arten.[2]

Blütenstand von Allium aflatunense
Bestand von Allium amplectens
Blütenstand vom Kanten-Lauch (Allium angulosum)
Blütenstand von Allium caeruleum
Blütenstand von Allium canadense mit Blüten und Brutzwiebelchen
Gekielter Lauch (Allium carinatum)
Küchenzwiebel (Allium cepa)
Sternkugel-Lauch (Allium cristophii)
Habitus und Blütenstand von Allium crenulatum
Blütenstand von Allium crispum mit deutlich verschiedenen Blütenhüllblättern der beiden Kreise
Blütenstand von Allium ericetorum mit weit über die weißen Blütenhüllblätter ragenden Staubblättern
Winterzwiebel (Allium fistulosum)
Blütenstand von Allium flavum mit zwei Hochblättern
Blütenstand von Allium geyeri
Blütenstand von Allium haematochiton
Südalpen-Lauch (Allium insubricum)
Habitus und Blütenstand von Allium karataviense
Gold-Lauch (Allium moly)
Blüten von Allium obtusum
Gemüse-Lauch (Allium oleraceum)
Wunderlauch (Allium paradoxum)
Rosen-Lauch (Allium roseum)
Runder Lauch (Allium rotundum)
Schnittlauch (Allium schoenoprasum)
Schlangen-Lauch (Allium scorodoprasum)
Wimperblättriger Lauch (Allium subhirsutum)
Glöckchen-Lauch (Allium triquetrum)
Bärlauch (Allium ursinum)
Massenbestand des Allermannsharnisch (Allium victorialis)

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung der Gattung Allium erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.[3] Synonyme für Allium L. sind: Caloscordum Herb., Cepa Mill., Milula Prain, Nectaroscordum Lindl.[4]

Die monophyletische Gattung Allium ist die einzige Gattung der Tribus Allieae, die zur Unterfamilie der Allioideae innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) gehört.[4]

Die Gattung Allium wird nach N. Friesen, R. M. Fritsch & F. R. Blattner 2006 in 15 Untergattungen mit insgesamt etwa 72 Sektionen gegliedert:[4]

  • Untergattung Butomissa (Salisb.) Friesen: Mit zwei Sektionen:
    • Sektion Austromontana Friesen:
    • Sektion Butomissa (Salisb.) Kamelin:
      • Duft-Lauch oder Chinesischer Lauch (Allium ramosum L., Syn.: Allium odorum L., Allium tataricum L. f., Allium lancipetalum Y.P.Hsu, Allium potaninii Regel, Allium weichanicum Palibin.)
      • Knoblauch-Schnittlauch (Allium tuberosum Rottler ex Spreng.)
  • Untergattung Caloscordum (Herb.) R.M.Fritsch: Mit einer Sektion:
    • Sektion Caloscordum (Herb.) Bak.
  • Untergattung Microscordum: Mit einer Sektion:
    • Sektion Microscordum Maxim.
  • Untergattung Nectaroscordum (Lindl.) Asch. et Graebn.: Mit einer Sektion:
    • Sektion Nectaroscordum (Lindl.) Gren. & Godr.:
      • Allium bulgaricum (Janka) Prodán (Syn.: Allium dioscoridis auct., Nectaroscordum bulgaricum Janka, Nectaroscordum siculum subsp. bulgaricum (Janka) Stearn)
      • Sizilianischer Honiglauch (Allium siculum Ucria, Syn.: Nectaroscordum siculum (Ucria) Lindl.)
  • Untergattung Porphyroprason(Ekberg) R.M.Fritsch: Mit einer Sektion:
    • Sektion Porphyroprason Ekberg:
      • Roter Zier-Lauch (Allium oreophilum C.A.Mey., Syn.: Allium ostrowskianum Regel)
  • Untergattung Vvedenskya(Kamelin) R.M.Fritsch: Mit einer Sektion:

Nutzung[Bearbeiten]

Folgende, häufig kultivierte Arten finden als Lebensmittel Verwendung: Zwiebel (Allium cepa), Winterzwiebel (Allium fistulosum), Knoblauch (Allium sativum), Schalotte (Allium ascalonicum), Schnittlauch (Allium schoenoprasum), Porree (Allium ampeloprasum). Wild wachsend, jedoch heutzutage auch oft in der Küche genutzt, ist der Bärlauch (Allium ursinum).

Viele Arten und Sorten der Gattung Allium werden als Zierpflanzen verwendet. Ein Beispiel ist der Sternkugel-Lauch (Allium cristophii).

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Die Zwiebel des Allermannsharnisch (auch Siegwurz, wilder Alraun) wurde als Schutz gegen Wunden, Unglücksfälle, Zauberei für Menschen und Tiere benutzt und von Marktschreiern oft in menschenähnliche Gestalt gebracht, bekleidet und zu hohen Preisen verkauft.

Die Vorfahren der kultivierten Lauch-Arten sind zumeist im inneren Asien heimisch,

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aber als derbe Würzen schon in grauer Vorzeit verbreitet worden. Den Ägyptern galten die Laucharten sogar als heilig und geweiht und wurden daher von Priestern und Frommen nicht berührt.

Die Zwiebel von Askalon beschreibt schon Theophrast; Knoblauch und Zwiebeln spielten am persischen Hof eine große Rolle, und auch Homer kennt die Zwiebel und erwähnt sie als Beiessen zum Mischtrank des Nestor. Auch später blieben in Griechenland und Italien die Lauchgewächse beliebteste Volksnahrung; mit steigender kultureller Verfeinerung schlug jedoch bei den höheren gesellschaftlichen Schichten die Vorliebe in Widerwillen um, und Zwiebel- und Knoblauchgeruch verrieten den Mann aus dem niedrigsten Volk. Jemand „Zwiebel anwünschen“ bedeutete nichts Gutes, und Horaz wird nervös, wenn er des Knoblauchs gedenkt.

Dem scharfen Geruch und Geschmack verdankten die Laucharten anderseits abergläubische Anwendung gegen Gift und Zauberei, und eine bestimmte Art (Allium nigrum) galt als die bei Homer „Moly“ genannte Pflanze, durch welche Odysseus der Kirke widerstand.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dale W. McNeal Jr., T. D. Jacobsen: Allium. In:  Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales, Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2002, ISBN 0-19-515208-5, S. 224ff.., online bei efloras.org (Abschnitte Beschreibung und Verbreitung).
  • Xu Jiemei, Rudolf V. Kamelin: Allium. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2000, ISBN 0-915279-83-5, S. 165–202., PDF-Datei, online bei efloras.org (Abschnitte Beschreibung und Verbreitung).
  • Nikolai Friesen, Reinhard M. Fritsch, Frank R. Blattner: Phylogeny and new intrageneric classification of Allium (Alliaceae) based on nuclear rDNA ITS sequences. In: J. T. Columbus, E. A. Friar, C. W. Hamilton, J. M. Porter, L. M. Prince, M. G. Simpson (Hrsg.): Monocots: Comparative Biology and Evolution I. In: Aliso. Band 22, 2006, S. 372–395, (PDF-Datei; 3,6 MB) (Abschnitt Systematik: Einteilung in Untergattungen und Sektionen).
  • Reinhard M. Fritsch: Neue Ergebnisse zur Taxonomie und Evolution von Allium L. In: Reinhard M. Fritsch, K. Hammer (Hrsg.): Evolution und Taxonomie von pflanzen-genetischen Ressourcen: Festschrift für Peter Hanelt. In: Schriften zu Genetischen Ressourcen. Band 4, S. 19–46. Informationszentrum für Genetische Ressourcen, Bonn 1996 (PDF-Datei; 6,6 MB).
  • Jan Kusterer: Neue Erkenntnisse der Schwefelchemie und Chemotaxonomie in Arten des Genus Allium. Dissertation der Philipps-Universität Marburg, 2010, PDF-Datei.
  • Nikolai Friesen: Die Gattung Allium – Taxonomischer Überblick und wissenschaftliche Sammlung im Botanischen Garten der Universität Osnabrück, In: Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen. Band 33/34, 2008, S. 95–110, PDF-Datei.
  • Kurt Heyer: Die Alliumarten als Arzneimittel im Gebrauch der abendländischen Medizin. In: Kyklos. Band 1, 1928, S. 64–102.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. William T. Stearn: Allium. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 5: Alismataceae to Orchidaceae (Monocotyledones), Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20108-X, S. 39–69 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2.  Siegmund Seybold: Flora von Deutschland und angrenzender Länder. Ein Buch zum Bestimmen der wild wachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. Begründet von Otto Schmeil, Jost Fitschen. 93. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2006, ISBN 3-494-01413-2.
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 294, Digitalisat
  4. a b c d Allium im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  5. Pablo Hirschegger, Jernej Jaške, Peter Trontelj, Borut Bohanec: Origins of Allium ampeloprasum horticultural groups and a molecular phylogeny of the section Allium (Allium; Alliaceae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 54, Nr. 2, 2010, S. 488–497, doi:10.1016/j.ympev.2009.08.030.
  6. Brian Mathew: A review of Allium sect. Allium. The Royal Botanic Gardens, Kew 1996, ISBN 0-947643-93-1.
  7. Reinhard M. Fritsch, Frank R. Blattner, Maia Gurushidze: New Classification of Allium L. subg. Melanocrommyum (Webb & Berthel.) Rouy (Alliaceae) Based on Molecular and Morphological Characters. In: Phyton, Annales Rei Botanicae, Horn. Band 49, Nr. 2, 2010, ISSN 0079-2047, S. 145–220, Abstract.
  8. Maia Gurushidze, Reinhard M. Fritsch, Frank R. Blattner: Species level phylogeny of Allium subgenus Melanocrommyum – incomplete lineage sorting, hybridization and trnF gene duplication. In: Taxon. Band 59, Nr. 3, 2010, S. 829–840, Abstract.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zwiebel- und Lauch-Arten (Allium) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien