Laufrad (Kleintier)

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Zwerghamster im Laufrad

Ein Laufrad (umgangssprachlich oft Hamsterrad) ist eine Vorrichtung, welche in der Heimtierhaltung in Kleinsäugerkäfigen aufgestellt oder angebracht wird und dazu dient, den Bewegungsdrang der Tiere zu befriedigen (vgl. Enrichment). Üblicherweise sind Hamstergehege mit Laufrädern ausgestattet, aber auch andere Kleinnager wie Farbmäuse, Farbratten, Rennmäuse, Lemminge oder Degus laufen in solchen Rädern – wobei es nicht bei jeder Tierart notwendig oder sinnvoll ist und ein Laufrad nie Ersatz für einen artgerecht dimensionierten und eingerichteten Käfig oder für Auslaufmöglichkeiten sein sollte.

Form und Funktion[Bearbeiten]

Ein Laufrad hat die Form einer Trommel, die um ihre horizontal angeordnete Rotationsachse drehbar gelagert ist. Der Antrieb erfolgt ausschließlich durch die Muskelkraft des in ihm laufenden Tieres. Zweck des Laufrades ist nicht, eine Fortbewegung zu erzielen, sondern durch seine stationäre und frei drehende Aufhängung trotz der beschränkten Abmessungen des Geheges eine (scheinbar) endlose Laufbahn für das Kleintier zur Verfügung zu stellen, ähnlich wie bei einer Tretmühle. Die eigentliche Lauffläche ist die Innenfläche des umfänglichen Zylindermantels. Das Tier kann durch die offene Seite in das Rad hinein klettern und läuft in eine Richtung los; das Rad gibt dem Gewicht des Tieres nach und dreht sich. Auf ähnliche Weise sollen Hamsterkugeln den Bewegungsdrang kleiner Tiere befriedigen.

Ein als tierschutzwidrig eingestuftes Drahtlaufrad

Laufräder werden in verschiedenen Größen und aus verschiedenen Materialien angeboten, üblich sind Holz, Kunststoff oder auch Drahtkonstruktionen. Letztere sind nicht unumstritten und werden allgemein als tierschutzwidrig angesehen. Drahtgitter-Laufräder können zu schweren Verletzungen führen. So kann es bei Rädern mit nicht geschlossener, nur aus Draht-Quersprossen bestehender Lauffläche sowie Rädern mit an der Aufhängungsseite offener Rückwand zu Quetschungen, Knochenbrüchen, Schwanzverletzungen, Ballenerkrankungen oder gar dem Verlust von Gliedmaßen kommen. Besonders gefährlich sind Laufräder mit offenen Einstiegsseiten, bei denen die Tiere zwischen den Radspeichen und der Aufhängung des Rades eingeklemmt werden können („Schereneffekt“).[1]

Ein im Verhältnis zur Körperlänge zu kleiner Durchmesser des Rades, bei dem das Tier mit durchgebogenem Rücken laufen muss, kann Schäden an der Wirbelsäule (Senkrücken) verursachen. So wird für Goldhamster ein Mindestdurchmesser von 25 bis 30 Zentimetern und für Zwerghamster ein Mindestdurchmesser von etwa 20 Zentimetern empfohlen.[2]

Es konnte beobachtet werden, dass auch wild lebende Mäuse Laufräder oft und gerne nutzen.[3]

Laufscheiben oder -teller[Bearbeiten]

Zwerghamster auf einem Laufteller

Alternativ zu den üblichen Laufrädern werden auch Laufscheiben oder Laufteller unter anderem unter dem Handelsnamen Flying Saucer angeboten. Diese bestehen aus einer scheibenförmigen Lauffläche mit außen aufgewölbtem Rand, ähnlich einer flachen Schüssel, welche in einer leicht aus der Vertikalen geneigten Achse drehbar gelagert ist. Auch hier läuft das Tier auf dem aufwärts geneigten Sektor der Fläche auf der Linie einer Kreissekante stetig „bergauf“ und versetzt dabei durch sein Gewicht die Scheibe in Drehung.[4]

Turnspit Wheel[Bearbeiten]

Ein Turnspit-Hund bei der Arbeit
Antrieb eines Butterfasses durch ein Hundelaufrad in einem Gehöft im Rheinland, 19. Jahrhundert

Eine praktische Bedeutung hatten von Hunden betriebene Laufräder vor dem Zeitalter der Elektrifizierung: Im 18. Jahrhundert wurden in Großbritannien kleine Hunde, sogenannte Turnspit Dogs (engl. für Spießdrehhund), dazu gezüchtet und ausgebildet, in kleinen Tretmühlen Drehspieße über dem Ofen anzutreiben. Diese Drehspieße nannte man Turnspit, das Laufrad Dog Wheel oder Turnspit Wheel. Auch an anderen Stellen fand der Hundeantrieb Verwendung.

Sprichwörtliches Hamsterrad[Bearbeiten]

Das Hamsterrad wird als Sinnbild bzw. Metapher gesehen für ein von Routine und immer wiederkehrenden Abläufen geprägtes menschliches Leben.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Laufräder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Merkblatt Nr. 62 „Tierschutzwidriges Zubehör in der Heimtierhaltung“ der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V., abgerufen am 2. April 2015
  2.  Regina Binder, Daniela Lexer: Gefahrenquelle Laufrad: Anforderungen an ein verletzungssicheres Laufrad. In: VUW Magazin. April 2007 (Online-Kopie).
  3. Johanna H. Meijer, Yuri Robbers: Wheel running in the wild, Proc. R. Soc. B, 2014, vol. 281, no. 1786, DOI:10.1098/rspb.2014.0210
  4. Beschreibung verschiedener Laufradtypen auf den Seiten der Hamsterhilfe NRW e.V., abgerufen am 3. April 2015
  5. Rotierende Kunst: Zwei New Yorker drehen am Hamsterrad. Spiegel Online. 8. März 2014. Abgerufen am 24. Juni 2104.