Lauterbach (Schwarzwald)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lauterbach
Lauterbach (Schwarzwald)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lauterbach hervorgehoben
48.2286111111118.3436111111111579Koordinaten: 48° 14′ N, 8° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Rottweil
Höhe: 579 m ü. NHN
Fläche: 19,95 km²
Einwohner: 2914 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 146 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78730
Vorwahl: 07422
Kfz-Kennzeichen: RW
Gemeindeschlüssel: 08 3 25 036
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schramberger Straße 5
78730 Lauterbach
Webpräsenz: www.lauterbach-schwarzwald.de
Bürgermeister: Norbert Swoboda
Lage der Gemeinde Lauterbach im Landkreis Rottweil
Donau Landkreis Freudenstadt Landkreis Tuttlingen Ortenaukreis Schwarzwald-Baar-Kreis Zollernalbkreis Aichhalden Bösingen (bei Rottweil) Deißlingen Dietingen Dornhan Dunningen Eschbronn Epfendorf Fluorn-Winzeln Hardt (Schwarzwald) Lauterbach (Schwarzwald) Oberndorf am Neckar Rottweil Rottweil Schenkenzell Schiltach Schramberg Sulz am Neckar Villingendorf Wellendingen Vöhringen (Württemberg) Zimmern ob RottweilKarte
Über dieses Bild

Lauterbach ist eine Gemeinde im Landkreis Rottweil in Baden-Württemberg. Die Gemeinde führt seit 1884 das Prädikat Luftkurort.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Lauterbach liegt im Mittleren Schwarzwald in 540 bis 887 Meter Höhe im Tal des Lauterbachs, einem Zufluss der Schiltach. Das Rathaus liegt auf 568 m. Zu Lauterbach gehört das Hochtal Sulzbach, welches zwischen 700 und 900 M.ü.NN. liegt. Sulzbach war nie eine selbstständige Gemeinde, sondern ist nur eine Ansammlung verschiedener Wohnplätze, z.B. dem Rotwasser und dem Bruckhof. Das Gebiet heißt eigentlich auch Sulzbachtal und nicht Sulzbach, wurde aber auf Grund des gleichnamigen Flusses, der das Sulzbachtal in Richtung Lauterbach durchfließt, irgendwann einmal nur noch Sulzbach (Lauterbacherisch: Sulzbâ) genannt. Das Gebiet südlich, westlich und nördlich von Lauterbach ist sehr dünn besiedelt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden an die Stadt Schiltach (Ortsteil Lehengericht) und an die Stadt Wolfach (Ortsteil Kirnbach) im Ortenaukreis, im Osten an die Große Kreisstadt Schramberg; im Süden an den Schramberger Ortsteil Tennenbronn, welches seit 2006 zu Schramberg gehört. Im Westen grenzt Lauterbach an die Stadt Hornberg (Ortsteil Reichenbach) ebenfalls im Ortenaukreis, von der es durch den Mooswaldkopf getrennt ist. Durch einen kurzen Streifen der zur Stadt Hornberg gehört, ist Lauterbach von der badischen Gemeinde Gutach im Ortenaukreis getrennt. Bis auf Schramberg waren bis zum Zusammenschluss Baden-Württembergs alle Nachbarorte des württembergischen Lauterbach badisch. Bis zur Kreisstadt Rottweil sind es etwa 33 Kilometer, bis nach Villingen-Schwenningen rund 30 Kilometer, nach Freudenstadt etwa 40 Kilometer, nach Freiburg etwa 55 Kilometer und nach Offenburg rund 55 Kilometer.

Der Ortskern von Lauterbach mit der neuromanischen Kirche St. Michael
Das Kapfhäusle im Sulzbachtal

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Lauterbach gehören das Dorf Lauterbach und 38 weitere Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.

→ siehe auch: Liste der Orte im Landkreis Rottweil

Im Gemeindegebiet liegen die in anderen Orten aufgegangenen Ortschaften Bäuerleshof, Bildstöckle, Kapfhäusle, Lauterbacher Käppeleshof, Oswaldhof, Rauchhäusle, Rote Mühle, Sulzbach, Sulzbacher Käppeleshof, Unterdorf, Wäldersbauernhof und Winterwald.[2]

Flächennutzung[Bearbeiten]

Die Gemeindefläche beträgt 1995 Hektar, davon sind 1098 ha Waldgebiet (55 %), 37 % werden landwirtschaftlich genutzt, der Rest sind Verkehrsflächen und Bebauung. Dadurch, dass der Ortskern in das Lauterbacher Tal eingebettet ist, stieß die Bebauung schon vor einiger Zeit an ihre Grenzen, weshalb der weitere Bau von Häusern nur noch in den Randbezirken oder auf dem Fohrenbühl und in Sulzbach möglich ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Die historische Mooswaldmühle im Sulzbachtal am deutschen Mühlentag 2009

Die erste (allerdings umstrittene) urkundliche Erwähnung Lauterbachs war 1101. Lauterbach gehörte zur Herrschaft Schramberg, und wurde zusammen mit ihr 1583 an Habsburg verkauft. Von da an war Lauterbach 222 Jahre lang (1583-1805) österreichisch.

Nach dem Sieg Napoleons über den österreichischen (und den russischen) Kaiser in der Dreikaiserschlacht von Austerlitz (Dezember 1805) fiel das Gebiet an Württemberg. Es wurde dem Oberamt Oberndorf zugeordnet.

Seit 1938 gehört Lauterbach zum Landkreis Rottweil. Für eineinhalb Jahrhunderte war Lauterbach der westlichste Zipfel von Württemberg, auf drei Seiten umgeben von badischem Gebiet. Erst seit der Schaffung des Bundeslandes Baden-Württemberg 1952 ist hier keine Landesgrenze mehr. Durch die Verwaltungsreform von 1973 wurden die Nachbargemeinden Tennenbronn und Schiltach dem Landkreis Rottweil zugeschlagen, der gesamte Kreis Rottweil wechselte vom Regierungsbezirk Tübingen zum Regierungsbezirk Freiburg.

Versuch einer Eingemeindung nach Schramberg[Bearbeiten]

1997/98 wollte Schramberg und die damalige Mehrheitsfraktion im Lauterbacher Gemeinderat UBL die Eingemeindung Lauterbachs. Dazu wurde in Lauterbach am 1. März 1998 ein Bürgerentscheid durchgeführt, in dem sich über 75 % der Wähler für die Eigenständigkeit ihrer Gemeinde aussprachen.

Religion[Bearbeiten]

Lauterbach ist ein größtenteils römisch-katholisches Dorf. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts kamen Protestanten ins Dorf, die 1959 eine evangelische Gemeinde gründeten. Diese gehört zum Kirchenbezirk Sulz am Neckar der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Trotzdem stellen die Katholiken noch immer mit rund 80 % die Mehrheit der Bevölkerung. Seit 2006 befindet sich im früheren Haus Berlin das Exerzitienhaus Porta Caeli der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeinde gehört der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Schramberg an. In Lauterbach ist die CDU die führende Partei, bei den Bundestagswahlen 2005 wählten über 60 % die CDU, weniger als 20 % wählten die SPD.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden vierzehn Mitglieder an. Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte zu folgendem Ergebnis:

  1. CDU 60,0 % (+0,4) - 9 Sitze (+1)
  2. Unabhängige Bürger Lauterbach (UBL) 40,0 % (-0,4) - 5 Sitze (-1)

Gemeindewappen[Bearbeiten]

Das heutige Wappen zeigt zwei voneinander abgekehrte Streitsensen (auch Breschmesser oder Kuse, frz. Couse genannt) in Weiß (Silber) auf blauem Grund. Es entstammt dem Stammwappen der Freiherren, seit 1746 Reichsgrafen von Bissingen-Nippenburg, welche die Herrschaft Schramberg seit 1648 als Pfandlehen besaßen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Ort liegt an der Deutschen Uhrenstraße und am Fernwanderweg Mittelweg, die beide an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen.

Zahlreiche Vereine und Vereinigungen prägen das kulturelle und sportliche Leben in der Gemeinde.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die katholische Kirche St. Michael in der Ortsmitte wurde im Jahre 1894 nach Plänen des Architekten Joseph Cades anstelle der zu klein gewordenen Barockkirche im neuromanischen Stil erbaut und 1966/67 renoviert.

Galerien[Bearbeiten]

Die Galerie Wilhelm Kimmich veranstaltet Ausstellungen und Konzerte.

Fasnet[Bearbeiten]

In Lauterbach wird wie im ganzen Schwäbisch-Alemannischen Raum die Fasnet gefeiert. Dabei ist einer der Höhepunkte das Hexenrufen, das immer am „Schmotzigâ“ stattfindet. Die Häse der Lauterbacher sind die Stumphos', der Beerle-Ma und die Hochsteighexe. Zum 60. Jubiläum der Narrenzunft Lauterbach im Jahr 2009 wurde der Büttel ins Leben gerufen, der die Zunft nun bei allen Auftritten und Veranstaltungen anführt. Der Narrenspruch der Lauterbacher lautet „Eerle - Beerle“.

Kilbe[Bearbeiten]

Mitte/Ende Oktober wird in Lauterbach Kilbe gesungen. Diese beruft sich aus einer alten Tradition, noch aus der Zeit der Herrschaft Schramberg. Die Kilbe wird auch nur noch in der Umgebung von Schramberg gefeiert. Dabei laufen die Kinder mit Laternen durch die Straßen und singen „Kilbelieder“. Danach bekommen sie Guzle, Süßigkeiten oder Obst, vornehmlich Orangen und Mandarinen. Allerdings weicht der Brauch immer mehr Halloween.

Sehenswertes[Bearbeiten]

  • Standuhr im ehem. Rathaus (Nachlass von Wilhelm Kimmich)
  • Schwarzwaldmühlen
  • Wanderheim des Schwarzwaldvereins mit Aussichtsturm

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Industrie und Gewerbe[Bearbeiten]

Mit fortschreitender Industrialisierung im 19. Jahrhundert entwickelte sich Lauterbach vom Bauerndorf zur Arbeiterwohngemeinde. Vor allem in der Uhrenindustrie der Nachbarstadt Schramberg fanden die Lauterbacher Arbeit, aber auch am Ort entstanden kleine und mittlere Betriebe. Aus einer Kammfabrik entstand der heute größte Betrieb am Ort, die Firma Bock Kunststofftechnik. Jedoch ist die Industrie im Vergleich zu anderen Orten eher unterentwickelt und die Pendlerbilanz ist nach wie vor negativ.

Tourismus[Bearbeiten]

Ein wichtiger Zweig der Lauterbacher Wirtschaft ist nach wie vor der Tourismus, der seine Hochphase nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 80er Jahre erlebte. In Lauterbach gibt es mehrere Hotels und sehr viele private Pensionen.

Landschaftlich schön ist der höher gelegene Ortsteil Sulzbach

Bildung[Bearbeiten]

In Lauterbach gibt es zwei Kindergärten (einen in Lauterbach und einen in Sulzbach) und eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Alle weiterführenden Schulen stehen in der Nachbarstadt Schramberg (z.B. das Gymnasium Schramberg) und deren Ortsteil Sulgen zur Verfügung, berufliche Gymnasien gibt es in Rottweil und Wolfach.

Verkehr[Bearbeiten]

Die nächste Autobahn ist die A 81 Stuttgart–Singen, die über Schramberg und die B 462 etwa 30 Kilometer entfernt ist. Über Hornberg und die B 33 sind es rund 60 Kilometer bis zur A 5 Karlsruhe–Basel (Ausfahrt: Offenburg) und ca. 50 Kilometer zur A 5 (Ausfahrt: Freiburg/Nord, Waldkirch).

Die nächsten Bahnstationen sind Hornberg an der Schwarzwaldbahn, sowie Wolfach und Schiltach an der von der Ortenau-S-Bahn betriebenen Kinzigtalbahn.

Passhöhe Fohrenbühl[Bearbeiten]

Die Gemeinde Lauterbach teilt sich mit der Gemeinde Hornberg die Passhöhe Fohrenbühl, auf der bis 1805 die Grenze zwischen der habsburgischen Herrschaft Schramberg und dem württembergischen Hornberg - und danach die Grenze zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden - verlief. Nicht weit von der Passhöhe Fohrenbühl befindet sich der Mooswaldkopf, welcher mit 887 m einer der höchsten Berggipfel des mittleren Schwarzwaldes ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • 1771, 3. April, Johann Georg Heine, † 7. September 1838 in Scheveningen, deutscher Mediziner, Begründer der Orthopädie in Deutschland
  • 1800, 16. April, Jakob Heine, † 12. November 1879 in Cannstatt, deutscher Mediziner, Entdecker der spinalen Kinderlähmung.
  • 1897, 20. Mai, Wilhelm Kimmich, † 18. September 1986 in Lauterbach, einer der bedeutenden Schwarzwaldmaler des 20. Jahrhunderts, dessen Werke in der nach ihm benannten Galerie zu sehen sind.
  • Bedeutende Lauterbacher Sportler gab es im Radball. Die Brüder Karl und Oskar Buchholz waren zwischen 1959 und 1964 fünfmal und die Brüder Werner und Jürgen King zwischen 1991 und 1994 dreimal Radballweltmeister.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

siehe Hauptartikel: Ehrenbürger von Lauterbach

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 509–510

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lauterbach (Schwarzwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien