Lavin

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Lavin (Begriffsklärung) aufgeführt.
Lavin
Wappen von Lavin
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Innw
Kreis: Sur Tasna
BFS-Nr.: 3743i1f3f4
Postleitzahl: 7543
Koordinaten: 803256 / 18294646.76666610.1000041412Koordinaten: 46° 46′ 0″ N, 10° 6′ 0″ O; CH1903: 803256 / 182946
Höhe: 1'412 m ü. M.
Fläche: 46.26 km²
Einwohner: 233 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 5 Einw. pro km²
Website: www.lavin.ch
Lavin

Lavin

Karte
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Lavin ( [lɐˈvin]?/i) ist eine politische Gemeinde im Kreis Sur Tasna im Bezirk Inn des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Schwarz eine silberne (weisse) Spitze belegt mit einem aufrechten schwarzen, rot bewehrten Steinbock

Nach dem Gemeindestempel, dessen Motive für die Übernahme in das Wappen vereinfacht wurden.

Geographie[Bearbeiten]

Der Ort liegt auf einer Schotterterrasse rund 40 m linksseitig über dem Inn an der Ausmündung des Val Lavinuoz am Südostfuss des Piz Linard (3411 m). Vom gesamten Gemeindeareal von über 46 km² sind 2827 ha unproduktive Fläche, meist Gebirge. Weitere 917 ha können zwar landwirtschaftlich genutzt werden, sind aber grösstenteils Maiensässen. Nebst 29 ha Siedlungsfläche umfasst das Gemeindegebiet 845 ha, die von Wald oder Gehölz bedeckt sind.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten]

Bereits im 19. Jahrhundert gab es eine kleine deutschsprachige Minderheit. Dennoch benutzt bis heute die grosse Mehrheit der Einwohner die bündnerromanische Mundart Vallader als Alltagssprache. Zwischen 1880 und 1941 blieb der romanischsprachige Bevölkerungsanteil unverändert (1880 83 %, 1941 83 %). In den letzten Jahrzehnten sank dieser nur um wenige Prozentpunkte. Gemeinde und Schule unterstützen das Romanische, welches 1990 von 91 % und 2000 von 86 % der Einwohnerschaft verstanden wird. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt untenstehende Tabelle:

Sprachen in Lavin
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 33 18,13 % 38 20,65 % 40 22,99 %
Rätoromanisch 147 80,77 % 145 78,80 % 132 75,86 %
Einwohner 182 100 % 184 100 % 174 100 %

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten]

Die Bürger des Orts wechselten bereits 1529 zur protestantischen Lehre.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2010 220 Bewohnern waren 197 Schweizer Bürger.

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus fünf Personen. Der Gemeindepräsident ist Linard Martinelli (Stand 2010).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Früher lebte die Bevölkerung von Viehzucht, Getreideanbau, Holzexport und von Solddiensten. Heutzutage ist die Landwirtschaft immer noch wichtig, jedoch arbeitet eine Mehrheit der Bevölkerung in Dienstleistungsberufen.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Lavin 1913

Lavin liegt an den Bahnstrecken Scuol-Tarasp – Pontresina und Chur – Scuol-Tarasp der Rhätischen Bahn und an der Hauptstrasse 27 vom Engadin zur Landesgrenze und weiter nach Landeck in Tirol.

Geschichte[Bearbeiten]

Bei Las Muottas auf der Südseite des Inns fand Hans Conrad in den Jahren 1938/39 eine Siedlungsstelle, wo Keramikfragmente und andere Fundstücke aus der mittleren Bronzezeit zu Tage gefördert wurden. Die Gegend wurde also bereits früh bewohnt. Das verlassene Dorf Gonda wird erstmals 1160 erwähnt, die heutige Gemeinde im 13. Jahrhundert. Die Gemeinde wurde 1499 und 1621/22 während der Bündner Wirren von österreichischen Truppen zerstört. Im Jahr 1529 nahm die Gemeinde die Reformation an und kaufte sich 1652 von der österreichischen Herrschaft los.

Der Dorfbrand von 1869[Bearbeiten]

Um 14.30 Uhr des 1. Oktobers 1869 brach im Haus des Lureng Bisatz ein Feuer aus; heute Bäckerei Giacometti. Vom heftigen Wind genährt, geriet innert einer Stunde der ganze Dorfteil nördlich des Lavinuoz-Baches in Brand. Verschont blieben nur die Kirche und zwei benachbarte Häuser.

Die unzulänglich ausgerüstete Feuerwehr vermochte den Brand der Häuser mit leicht entflammbaren Holzschindeldächern in der verschachtelten Struktur des Dorfes aus dem 17. und 18. Jahrhundert nicht einzudämmen. 68 Häuser brannten vollständig nieder, drei ältere Bewohner kamen im Feuer um; gegen 300 Personen wurden obdachlos.

Am 20. März 1870 nahm die Gemeindeversammlung die dritte Fassung eines Wiederaufbauplans an. An Stelle der 68 abgebrannten Häuser sollte – vorwiegend von italienischen Arbeitern aus der Lombardei – nur etwa die Hälfte im italienischen Stil neu aufgebaut werden. Die neuen Bauvorschriften bestimmten das heutige Aussehen des neuen Dorfteils. Strassenbreiten von 4.5 bis 5 Metern, ein minimaler Gebäudeabstand von 6.2 Metern sowie Bestimmungen über Brandmauern, Kamine und Bedachungen sollten künftige Dorfbrände verhindern.

Erstmals im Kanton Graubünden wurden in Lavin flache „Holzcementdächer“ gebaut, die etwa zehnmal weniger Holz benötigen als die mit Holzschindeln gedeckten Satteldächer. [2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Panoramabild, bei der Dorfkirche links beginnend bis zum RhB-Bahnhof rechts
  • Die vom Brand verschonte Laviner Dorfkirche stammt aus der Spätgotik und beherbergt Fresken aus der Zeit der Spätgotik und Frührenaissance.
  • Plazza gronda[3].
  • Altes Schul- und Gemeindehaus[4]
  • Auf dem Weg nach Guarda liegen die Ruinen von Gonda.

Kultur[Bearbeiten]

In der Tradition der Übernamen der Engadiner Dörfer heissen die Einwohner Lavins ils stranglavachas (deutsch: «die Kuhwürger»).

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Seenplatte von Macun auf dem Gemeindegebiet von Lavin ist Teil des Schweizerischen Nationalparks.

Lavin ist Landsgemeindeort des Kreises Sur Tasna.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Gemeinden des Kantons Graubünden. Rüegger, Chur / Zürich 2003, ISBN 3-7253-0741-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lavin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Geschichte Lavin
  3. Plazza gronda
  4. Altes Schul- und Gemeindehaus