Lavoir

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Lavoir werden im französischen Sprachraum öffentliche, meist überdachte Waschplätze bezeichnet. Im deutschen Sprachraum werden diese Waschplätze meist als Waschhaus bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der überdachten Waschhäuser reicht – nach heutigem Kenntnisstand – nur bis in das 18. Jahrhundert zurück. Im Mittelalter und auch noch in der Zeit danach wuschen die Frauen die Wäsche auf Steinen an Bächen oder Flüssen. Der Bau der Waschhäuser wurde im Regelfall aus der jeweiligen Gemeindekasse finanziert, denn das oft – nach der Auffassung von kirchlichen und behördlichen Autoritäten – allzu offenherzige und freizügige Verhalten der Waschfrauen sollte unterbunden oder zumindest hinter Mauern und tief heruntergezogenen Dächern versteckt werden.

Lage[Bearbeiten]

Die an einem Bach oder an einem Fluss gelegenen Waschhäuser befanden sich – wie auch Gerbereien – in der Regel am Ortsausgang. Da die Städte immer größer wurden, mussten aber auch innerstädtische Lavoirs geduldet werden. Einige Lavoirs befanden sich auch in unmittelbarer Nähe einer Quelle; nur in seltenen Fällen wurden Lavoirs mittels Brunnen mit Wasser versorgt.

Funktion[Bearbeiten]

Allen Lavoirs gemeinsam sind zwei oder mehr Waschplätze und die in das Becken geneigten Waschsteine, auf denen die Wäsche mit hölzernen Schlägern oder mit der Hand bearbeitet wurde – Bürsten waren zu dieser Zeit kaum in Gebrauch. Unterschiede bestehen vor allem in der Höhe der Waschsteine. So mussten die Wäscherinnen in vielen Lavoirs die Wäschestücke kniend waschen, während besser ausgestattete Waschhäuser die Arbeit im Stehen ermöglichten.

Da Männer in den Waschhäusern nicht zugelassen waren, boten die Waschhäuser – neben ihrer rein technischen Funktion – den Frauen einen ungestörten Ort für ihre Kommunikation, die allerdings auch nicht selten in Klatsch und Tratsch ausarten konnte – daher stammt der abwertende Vergleich "geschwätzig wie ein Waschweib".

Bautypen[Bearbeiten]

Die Außenwände der Waschhäuser konnten aus Stein gemauert oder aus Fachwerk errichtet sein; oft waren sie auch halboffen. Zur Überdachung der Waschhäuser verwandte man meist Holzkonstruktionen; gemauerte Bögen waren die Ausnahme. Seit dem 19. Jahrhundert gab es – ähnlich wie bei den französischen Markthallen (halles) – auch gusseiserne Stützkonstruktionen.

Besonderheit[Bearbeiten]

Eine Besonderheit stellen Lavoir-Boote (bateaux-lavoirs) an Flüssen dar, wie sie beispielsweise in Paris, Genf oder Lyon bestanden.

Tourismus[Bearbeiten]

Heute noch erhaltene Lavoirs gelten als Sehenswürdigkeiten vieler Gemeinden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michèle Caminade: Linge, lessive, lavoir - une histoire de femmes. Éditions Christian, Paris 2005 ISBN 2-8649-6131-8
  • Christophe Lefébure: La France des lavoirs. Éditions Privat, Toulouse 2003 ISBN 2-7089-9173-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Waschhäuser in Frankreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien