Lawrence Lessig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lawrence Lessig auf der Ars Electronica (2004)

Lawrence Lessig (* 3. Juni 1961 in Rapid City, South Dakota, USA) ist ein US-amerikanischer Professor für Rechtswissenschaften an der Harvard Law School (Harvard University). Er wird wegen seiner Reden, Schriften und Beteiligungen an Urheberrechtsprozessen als einer der bedeutendsten Verfassungsrechtler angesehen. Er gründete das Center for Internet and Society und die Creative-Commons-Initiative. Lessig wurde 2002 mit dem FSF Award ausgezeichnet und ist Vorstandsmitglied des im Februar 2005 gegründeten Software Freedom Law Center. Seit 2003 schreibt er monatliche Kolumnen für das Wired Magazine.

Ausbildung und Lehre[Bearbeiten]

Lessig studierte Ökonomie und Management an der Wharton School der University of Pennsylvania. Darauf folgte das Studium zum Master der Philosophie am Trinity College in Cambridge. Er schloss ein weiteres Studium der Rechtswissenschaften mit dem J.D. an der Yale Law Schoolab und arbeitete für die als konservativ geltenden Richter Richard Posner und Antonin Scalia. Vor seiner Berufung nach Stanford lehrte er an der Harvard Law School, der University of Chicago Law School und war Gastprofessor in Yale. Lessig war zudem als fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin tätig.

Verfassungsrechtler[Bearbeiten]

Lessig gilt als renommierter Verfassungsrechtler und Spezialist für Urheberrecht. Er ist ein entschiedener Kritiker eines restriktiven Urheberrechts (englisch Copyright) im Bereich immaterieller Güter. Lessig entwickelte das Konzept einer „freien Kultur“ und unterstützt freie Software und die Open-Source-Bewegung. Außerdem gründete er die Creative-Commons-Initiative und ist Mitglied der Electronic Frontier Foundation sowie Autor mehrerer Bücher über die mit Open Content verbundenen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Politisches Engagement[Bearbeiten]

Lessig vertritt die Position, dass die Wahlkampf-Finanzierung ein Kern der politischen Probleme in den Vereinigten Staaten ist. Politiker auf allen Ebenen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, Spenden einzuwerben, die sie für die aufwändigen Wahlkämpfe zu ihrer Wiederwahl brauchen. Dadurch haben Großspender einen übermäßigen Einfluss und bestimmen stärker über politische Inhalte als reale Mehrheiten von Bürgern. Lessig war 2008 einer der Gründer der Initiative Change Congress, die sich dafür einsetzte, bestimmte Formen von Spenden für unzulässig zu erklären. Das Anliegen von Change Congress wurde durch die Entscheidung Citizens United v. Federal Election Commission des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 2010 überholt. Seitdem werden Wahlkampfspenden als Teil der Meinungsfreiheit eingestuft und sämtliche Begrenzungen wurden ungültig. Erneut stieg den Einfluss von Großspendern.

Lessig gründete ein Political Action Committee namens Mayday, mit dem er eine Alternative zur Wahlkampffinanzierung unterstützt. Dafür sammelte er knapp 10 Millionen USD aus einzelnen Groß- und vielen Kleinspenden ein. Erstmals zu den Wahlen im November 2014 finanziert Mayday Werbung für Kandidaten, die sich für eine neue Kandidatenfinanzierung einsetzen. Dabei kommen zwei Modelle in Frage: Einerseits könnte eine Verdopplung von Kleinspenden aus Steuermitteln - ähnlich dem deutschen Vorbild - eingeführt werden. Politiker hätten dann einen stärkeren Anreiz, sich um Kleinspenden zu bemühen. Oder ein Gutscheinmodell würde jeden Bürger mit einem Gutschein ausstatten, der einem Kandidaten zugute kommt und dadurch die einzelnen Bürger gegenüber den Großspender ermächtigt. Wenn die Wahlen 2014 zeigen, dass Mayday die Ergebnisse in den jeweiligen Wahlkreisen beeinflussen kann, will er zu den Wahlen 2016 flächendeckend in jedem Wahlkreis einen Reformkandidaten unterstützen. Dazu rechnet er mit Kosten von rund 700 Millionen Dollar und will diese aufbringen, indem er 50 Milliardäre findet, die zusammen das Programm unterstützen.[1]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lawrence Lessig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Beiträge von Lessig
Artikel über das Projekt „Code: Version 2.0“
Interviews
Vorträge

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The New Yorker: Embrace the Irony - Lawrence Lessig wants to reform campaign finance. All he needs is fifty billionaires, Oktober 2014