Lazarus

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Dieser Artikel bezieht sich auf die neutestamentlichen Figuren, für weitere Bedeutungen siehe Lazarus (Begriffsklärung).
Die Auferweckung des Lazarus von Juan de Flandes, um 1500–1510.

Lazarus (hebräisch: אֶלְעָזָר, Elʿāzār „Gott hat geholfen“) ist der Name zweier biblischer Gestalten: Lazarus von Bethanien wurde gemäß dem Johannesevangelium (Joh 11 EU) von Jesus von den Toten auferweckt und gilt in mehreren Kirchen als Heiliger; der arme Lazarus kommt in einem von Jesus dargelegten, im Lukasevangelium (Lk 16,20–31 EU) berichteten Gleichnis vor.

Auf die Gestalt des auferweckten Lazarus gehen zahlreiche Legenden zurück. Seine Gebeine sollen in der Kathedrale von Autun liegen. Lazarus ist der Patron der Metzger, der Totengräber, Bettler, Aussätzigen und der Leprosenhäuser, wobei Elemente beider Lazarus-Figuren aufgegriffen wurden. Nach dem auferweckten Lazarus wurden der Lazarus-Effekt (Wiederauffindung von Tierarten, die als ausgestorben galten) und das Lazarus-Phänomen (in der Medizin das Phänomen einer scheinbaren Auferstehung) benannt. Der Lazarus-Orden (Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem) geht vermutlich auf die Figur des armen Lazarus zurück. Aus der krankenpflegerischen Tätigkeit dieses Ordens leitet sich auch der Begriff des Lazaretts ab.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name Lazarus ist die lateinische Form des griechischen Wortes Lazaros, das auf den hebräischen Namen אֶלְעָזָר (Elʿazar, „Gott hat geholfen“) zurückgeht. Bekannte biblische Namensträger sind der dritte Sohn Aarons (Ex 6,23 EU) als des Stammvaters der israelitischen Priesterschaft und der Sohn Abinadabs (1 Sam 7,1 EU) als Hüter der Bundeslade. Der hebräische Name kommt in der Tora auch in der Form אֱלִיעֶ֑זֶר vor (Eliʿezer, „Mein Gott hat geholfen“). So heißen vor allem der Knecht Abrahams, der im Fall von Kinderlosigkeit dessen Erbe antreten soll (Gen 15,2 EU) und der Sohn des Mose (Ex 18,4 EU), bei dessen Erwähnung auch die Etymologie des Namens erfolgt.

Lazarus in der Bibel[Bearbeiten]

Johannesevangelium[Bearbeiten]

Nach dem Johannesevangelium (Joh 11,1–45 EU) sind Lazarus und seine Schwestern Martha und Maria besondere Freunde Jesu. Nachdem dieser in Abwesenheit von der Krankheit des Lazarus erfährt, bleibt er noch zwei Tage im Norden Israels in der Nähe des Sees Genezareth und reist dann nach Bethanien, das in der Nähe Jerusalems liegt (Joh 11,18 EU). Lazarus ist in der Zwischenzeit gestorben und bei der Ankunft Jesu bereits seit vier Tagen in einer Höhle beigesetzt. Jesus lässt den Stein vom Grab wegwälzen. Auf den Zuruf Jesu „Lazarus, komm heraus!“ verlässt dieser – noch mit den Grabtüchern umwickelt – lebendig das Grab (Joh 11,41–44 EU).

Die Tat Jesu steht im Johannesevangelium dramaturgisch am Beginn der Passion Jesu und gilt daher als Zeichen (griech. σημεῖον semeion) für die spätere Auferstehung Jesu selbst (Joh 11,47 EU). Hier wie dort erscheint Gott als wirkende Macht (Joh 11,40–42 EU), der Sohn als vom Vater bevollmächtigt (vgl. Joh 5,21 EU, Joh 10,17f. EU).

Dieselbe Geschichte wird – wesentlich erweitert – auch im apokryphen Geheimen Markus-Evangelium erzählt.

Lukasevangelium[Bearbeiten]

Codex Aureus Epternacensis: Gleichnis vom reichen Prasser und vom armen Lazarus

Hauptartikel: Reicher Mann und armer Lazarus

Von einem anderen Lazarus spricht das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus (Lk 16,19–31 EU). Der kranke und arme Lazarus liegt vor der Tür eines reichen Mannes und begehrt nur die Brocken, die von dessen reicher Tafel herabfallen, während Hunde seine Geschwüre lecken. Nachdem beide Männer gestorben sind, kommt der Reiche in die Unterwelt („Hades“) und sieht von dort den Lazarus „in Abrahams Schoß“ gebettet. Der Reiche bittet Abraham, den Lazarus zu ihm zu schicken, um ihm seine Qualen zu erleichtern. Dies verweigert Abraham mit dem Hinweis, der Reiche habe seinen Anteil am guten Leben bereits im Diesseits erhalten. Auch die Bitte des Reichen, den Lazarus zu seinen Hinterbliebenen zu senden, um sie vor den Folgen eines üppigen Lebens zu warnen, wird von Abraham abgelehnt unter Hinweis auf die Weisungen der Tora und der zusätzlichen Begründung: „Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht“ (Lk 16,31 EU).

Lazarus in Legenden[Bearbeiten]

Die Erzählung vom auferweckten Lazarus hat eine Reihe von Legenden geprägt:

Tod des Auferweckten[Bearbeiten]

Einige Legenden lassen den auferweckten Lazarus unter Kaiser Claudius, der das römische Reich von 41 bis 54 n. Chr. regierte, friedlich entschlafen, während andere Legenden erzählen, dass Lazarus unter Domitian, der von 81 bis 96 n. Chr. regierte, bedroht wurde. Dieser soll ihn vergeblich zum heidnischen Opfer aufgefordert haben. Nach Lazarus Widersetzung ließ Domitian ihn demnach in den Kerker werfen. Dort sei ihm Christus erschienen und habe ihn ermutigt. Danach sei Lazarus enthauptet worden.

Lazarus als Bischof[Bearbeiten]

Nach einer weiteren Legende war die zweite Heimat von Lazarus das Königreich Kition mit seiner Residenz-Hauptstadt Larnaka auf Zypern. Lazarus war demnach der erste Bischof von Larnaka, eingesetzt von Paulus und Barnabas, als diese Zypern bereisten. Im Jahre 890 unter der Herrschaft Kaiser Leos VI. soll in Larnaca ein Sarkophag mit der Aufschrift „Lazarus, der Freund Christi“ gefunden worden sein. Über der Fundstelle wurde eine Lazarus geweihte Kirche errichtet, heute die Hauptkirche von Larnaca. Der Sarkophag in der Krypta dieser Kirche ist jedoch inzwischen leer. Die Gebeine wurden bald nach ihrer Entdeckung nach Byzanz – dem heutigen Istanbul – gebracht. Von dort wurden sie durch Kreuzfahrer im Jahr 1204 nach Marseille verschleppt. Darauf beruhen die Legenden von Lazarus als Bischof von Marseille. Nach einer dieser Legenden, die aus dem Hochmittelalter stammt, war Lazarus ein Herzogssohn, der auf alle Eitelkeit der Welt verzichtete. Er wurde von Juden zusammen mit seinen Schwestern und mit seinen Freunden Maximin und Cedonius auf einem Schiff ohne Ruder und Segel auf dem Meer ausgesetzt. Dieses Schiff landete in Marseille, wo Lazarus zum Bischof gewählt wurde.

Todesstätte[Bearbeiten]

Spätestens seit dem ersten Drittel des 4. Jahrhunderts war in Bethanien ein Lazarus-Grab bekannt. So schreibt der Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea im Jahr 330:[1]

„Da hat Christus den Lazarus auferweckt. Bis jetzt wird noch die Stelle des Lazarus gezeigt.“

An dem genannten Ort soll Lazarus die vier Tage bis zu seiner Auferstehung gelegen haben. Nach dem Zeugnis des Hieronymus scheint dort um 390 eine kurz zuvor erbaute Kirche gestanden zu haben.[2] Dieser Ort Bethaniens wurde später nach Lazarus „Lazarion“ genannt. Der Ort heißt heute arabisch El-Azarjeh und liegt in Palästina. Das „L“ aus Lazarus wurde dabei offenbar als Artikel el missverstanden und ein Personenname el-‘azar gebildet.[3] Der Ortsname bewahrt jedenfalls den Namen Lazarus. Am Samstag vor Palmsonntag findet jährlich eine Prozession von Jerusalem nach Bethanien statt; auch in Frankreich, Spanien und Italien wurde sein Fest früher am Palmsonntag begangen.

Gedenktage[Bearbeiten]

Die Auferstehung des Lazarus als Motiv der Kunst[Bearbeiten]

Bildende Kunst[Bearbeiten]

Die Auferstehung des Lazarus ist ein zentrales Thema der Malerei, v.a. in der Renaissance. Schon in den frühesten Darstellungen der Katakombenmalerei und auf frühchristlichen Sarkophagen wurde Lazarus und die Auferstehung als Symbol für die den Tod überwindende Kraft besonders häufig dargestellt. Die früheste bekannte Darstellung der Lazarus-Geschichte ist ein Wandgemälde aus dem 3. Jahrhundert. Es befindet sich im Raum XIII der Katakombe Santi Pietro e Marcellino in Rom. Neben Malereien wurde das Lazarus Thema auch in Elfenbeinschnitzereien, Statuen, Fresken und anderen Arten der bildenden Kunst dargestellt. Die Auferstehung des Lazarus ist auch in den bildenden Künsten der Gegenwart ein häufiges Thema. Maler wie Alfred Leslie, Ian Pollock, Herbert Falken oder Jesus Mafa haben sich dieses Themas angenommen.

Im Film[Bearbeiten]

Abgesehen von Bibelverfilmungen wird die Figur oder der Name des Lazarus – stets in Anspielung auf den auferweckten Lazarus des Johannesevangeliums – in vielen Filmen und Serien verwendet, wo es um das Motiv von Auferstehung oder Wiedergeburt geht.

  • Lazarus (Samuel L. Jackson), der Protagonist des Filmes Black Snake Moan, verhilft Rae (Christina Ricci) zu einem neuen Leben.
  • Dr. Marian Lazarus (Frances Sternhagen) erweckt im Film Outland – Planet der Verdammten den Kampfgeist und Lebenswillen des Protagonisten Marschall O'Niel (Sean Connery) zu neuem Leben.
  • Der Name des Psychothrillers Das Lazarus Projekt (2008) und des dem Film zugrundeliegenden utopischen Regierungsprojekts leitet sich vom Bericht der Auferweckung des Lazarus ab.
  • Im Film Interstellar (2014) heißt die Weltraummission Lazarus, für die der Protagonist - ein ehemaliger Astronaut - reaktiviert wird.
  • In der 4. Staffel der Serie Supernatural heißt die erste Folge "Lazarus erhebt sich", weil Dean Winchester von den Engeln aus der Hölle gerettet wird.

Im Hörspiel[Bearbeiten]

  • In der Serie Offenbarung 23 ist die Folge 30 (2009) mit dem Titel Lazarus veröffentlicht worden. In der Handlung geht es um das Wiederauftauchen eines für tot erklärten Mannes.
  • Auf den Bonus-CDs der Neuauflagen der ersten vier CDs der Band Samsas Traum ist ein, in vier Teile gespaltenes, Hörspiel mit dem Titel 20 Schritte Freiheit enthalten, in welchem eine der Figuren den Namen Lazarus trägt.

In der Literatur[Bearbeiten]

Oft wurde die Figur des Lazarus in der Literatur verarbeitet oder zitiert. Wichtig ist Lazarus als Teil des Gedichtzyklus Romanzero von Heinrich Heine. Heine wählte diese biblische Figur als Selbstbildnis des exilierten Dichters. Auch Fjodor Michailowitsch Dostojewski verwendet den auferstandenen Lazarus in seinem Roman Schuld und Sühne. Daneben erscheint die Figur u.a. in der Novelle Lobgesang auf Leibowitz von Walter Miller.

In der Musik[Bearbeiten]

Die Geschichte des auferweckten Lazarus wurde von dem romantischen Komponisten Carl Loewe als Oratorium (Die Auferweckung des Lazarus) vertont. Die Handlung setzt beim im Sterben liegenden Lazarus ein, der schließlich nach seinem Tode durch Jesus erweckt wird, und endet mit einem Lobgesang auf Kraft und Größe von Jesus, der als rechte Hand Gottes Macht über Leben und Tod hat. Als Quelle ist nur eine Fassung für Klavier bzw. Orgel, Chor und Solisten erhalten, die in heutigen Aufführung dieses sehr selten gespielten Werkes zuweilen für Orchester arrangiert wird.

1820 schrieb Franz Schubert sein Oratorium Lazarus, welches nur noch als Fragment überliefert ist. 1996 versuchte sich der russische Komponist Edison Denissow an einer Vollendung von Schuberts Fragment. Der Spanier Cristóbal Halffter schuf eine Oper mit dem Namen Lázaro, die am 4. Mai 2008 im Kieler Opernhaus ihre Uraufführung hatte.[4]

Nick Cave and the Bad Seeds veröffentlichten 2008 das Rock-Album Dig!!! Lazarus Dig!!!.

In der Folk-, Pop- und Rockmusik des 20. und 21. Jahrhunderts spielen die Lazarus-Gestalten in zahlreichen Werken eine Rolle, wobei auch hier die Figur des auferweckten Lazarus entsprechend ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung deutlich häufiger vorkommt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Vor allem in den slawischen Sprachen ist Lazarus in der Form Lazar ein bis heute gebräuchlicher Vorname. Der Vorname Lazarus war auch in Deutschland und Frankreich bekannt, ist aber heute selten[5].

Der katholische Männerorden der Lazaristen hat seinen Namen von der Kirche seines ersten Mutterhauses, Saint Lazare in Paris, die dem hl. Lazarus geweiht ist.

Auf den armen Lazarus geht die Bezeichnung der neapolitanischen Lazzaroni (Bettler, Besitzlose) zurück. Karl Marx schreibt in seiner Darstellung der Verelendungstheorie und der industriellen Reservearmee in Das Kapital von der „Lazarusschicht der Arbeiterklasse“[6] und bezieht sich damit ebenfalls auf die Armut dieser Person.

In technischen Zusammenhängen wird der Begriff Lazarus gelegentlich benutzt, wenn es um eine Wiederauferstehung im übertragenen Sinne (beispielsweise Datenrettung) geht: Der Effekt der Wiederbelebung „tauber“ Teilchendetektoren bei niedriger Temperatur wird Lazarus-Effekt genannt. Das Datenrettungsprogramm Diskdoctor des Betriebssystems AmigaOS benennt einen Datenträger „Lazarus“, wenn es beim Reparieren dessen ursprünglichen Namen nicht mehr ermitteln kann.[7] Ein Add-on für den Webbrowser Mozilla Firefox, das nach einem Absturz den Inhalt eines zuvor vom Benutzer ausgefüllten Webformulars wiederherstellen kann, wurde ebenfalls Lazarus genannt.[8]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Nach D. Baldi, Enchiridion Locorum Sanctorum Jerusalem 1955, 571, zitiert nach Kremer, Lazarus, S. 152
  2. Kremer, Lazarus, S. 152
  3. Kremer, Lazarus, S. 153
  4. http://www.universaledition.com/Cristobal-Halffter/komponisten-und-werke/komponist/280/werk/11080 Werkinformationen beim Musikverlag Universal Edition
  5. http://www.vornamen-weltweit.de/vorname.php?eintrag=23403
  6. MEW 23, S. 673
  7. „XtC“: Lazarus – The World's largest Amiga emulation resource. In: ExoticA Wiki. 16. Mai, abgerufen am 10. Dezember 2013 (englisch).
  8. Seth Wagoner: Lazarus: Form Recovery. 4. August 2011, abgerufen am 10. Dezember 2013 (englisch).

Literatur[Bearbeiten]

  • Jacob Kremer: Lazarus. Die Geschichte einer Auferstehung. Text, Wirkungsgeschichte und Botschaft von Joh 11,1–46. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1985, ISBN 3-460-32401-5.
  • Valentin Tomberg: Lazarus komm heraus. Vier Schriften. Hrsg. von Martin Kriele. Vorwort von Robert Spaemann. Herder, Basel 1985,, ISBN 3-906371-08-5.
  • Hermann Rocke: Der reiche Mann und Lazarus. Konkordanter Verlag, Pforzheim 1988.
  • Meinolf Schumacher: Ärzte mit der Zunge. Leckende Hunde in der europäischen Literatur. Von der patristischen Exegese des Lazarus-Gleichnisses (Lk 16) bis zum 'Romanzero' Heinrich Heines. (= Aisthesis Essay 16). Aisthesis, Bielefeld 2003, ISBN 3-89528-310-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lazarus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien