Lazarus Hilfswerk

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Das LAZARUS HILFSWERK in Deutschland e.V. (LHW) ist eine christliche deutsche als gemeinnützig anerkannte Hilfs- und Sanitätsorganisation der Freien Wohlfahrtspflege, die 1973 von deutschen Ordensrittern des internationalen Lazarus-Ordens gegründet wurde und sich seit über 40 Jahren um Senioren, kranke und behinderte Menschen kümmert.

Die Ideen und Ziele des als gemeinnützig anerkannten Vereins und seiner Tochterunternehmen haben ihre Grundlage in der über 900-jährigen Tradition des ökumenisch ausgerichteten christlichen Lazarus-Ordens.

Das LHW konzentriert sich heute in seiner Arbeit auf die ambulante und stationäre Pflege hilfsbedürftiger Menschen. Es ist dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angeschlossen.

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten]

Bundesgeschäftsstelle in Hürth-Hermülheim

Deutsche Ordensmitglieder, die in der Tradition des christlichen ökumenisch ausgerichteten Lazarusorden sozial-karitativ engagiert waren, gründeten 1973 eine eigene karitative Lazarus-Hilfsorganisation als eine anerkannte Organisation der Freien Wohlfahrtspflege, um ihrem Engagement einen juristischen und organisatorischen Rahmen zu geben. Ziel war es, die in über 900 Jahren gewachsenen, altehrwürdigen Aufgaben und Ziele des Hospitalischen Ordens des Heiligen Lazarus von Jerusalem, genannt Lazarus-Orden, in zeitgemäßer Form zum Wohle der sozial Schwachen, die der humanitären Hilfe bedürfen, zu überführen.[1] Sitz der Organisation ist Köln, die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Hürth bei Köln im Rhein-Erft-Kreis. Begonnen hat das Lazarus Hilfswerk mit der Durchführung von Behindertenfahrdiensten in Köln, dem Kreis Köln, Düsseldorf und Kreis Euskirchen später dann in weiteren Bundesländern. Die Idee zur Gründung des Hilfswerks (LHW) wurde vom damaligen schottischen Großkommandeur des Ordens, Robert Gayre of Gayre and Nigg, uneingeschränkt unterstützt, er ermächtigte das LHW, das Ordenszeichen zu führen.

Anfang der 1980er Jahre wurde dieser Arbeitsschwerpunkt um die internationale humanitäre Auslandshilfe und weitere ambulante Dienste erweitert. In den 1990er Jahren eröffnete das LHW die ersten stationären Pflegeeinrichtungen (St. Lazarus-Häuser), weitere Häuser folgten.

War die Organisation zuerst im regionalen Umfeld und gemäß den bisherigen Aktivitäten von Gründungsmitgliedern im Bereich des Behindertenfahrdienstes (MTM) tätig, so kamen bald auch weitere Arbeitsfelder im gesamten Spektrum der freien Wohlfahrtspflege hinzu: Ambulante Pflegedienste, Essen auf Rädern, Errichtung und Betrieb von Einrichtungen des Betreuten Wohnens mit Seniorentreffs und von Pflegeheimen (St. Lazarus-Häuser); aber auch Maßnahmen der Sozialpädagogischen Familien- und Jugendhilfe sowie dazugehörige Aus- und Fortbildungsmaßnahmen. Besonders hervorzuheben ist der Einsatz junger ehrenamtlicher Helfer bei der Betreuung älterer oder behinderter Menschen bei kirchlichen Großveranstaltungen wie den Deutschen Evangelischen Kirchentagen, Katholikentagen oder Behindertenbetreuung während Pilgerreisen des Papstes in Deutschland aber auch im benachbarten Ausland. Jahrzehntelang war das LHW eine anerkannte Beschäftigungsstelle für den Zivildienst, heute für den Bundesfreiwilligendienst.

Die Europäische Gemeinschaft würdigte die humanitären Hilfseinsätze und Leistungen als Europäische NGO und erkannte das LHW offiziell durch Abschluss eines Vertrages als EG-Partnerorganisation an. Der Internationale Lazarusorden verlieh seiner Hilfsorganisation 1988 durch Dekret des Großmeisters innerhalb des Lazarusordens Jurisdiktionsrechte als „Humanitäres Grosspriorat Europa“ (GP-EU) und unterstellte das Großpriorat unmittelbar dem Protektorat des Großmeisters. Das LHW fand mit seinen Helfern dadurch eine verfassungskonforme Einbindung in die Ordensorganisation, die auf eine über 900-jährige Tradition in der Krankenpflege zurückblickt. Die internationale Ordensregierung würdigte damit die sozialkaritative und humanitäre Arbeit des Lazarus Hilfswerks. Das LHW ist als offizielle Hilfsorganisation des Ordens durch das GP-EU institutionell in die Organisationsstruktur des Lazarusordens eingebunden.

Langjährige Ehrenvorsitzende war Katharina ("Käthe") Kraemer (1922–2006), die zusammen mit ihrem Mann, dem Generalkonsul von Malta Paul R. Kraemer (1916–2007), Erbkommendator der Erbkommende Rheinland des Lazarus-Ritterordens, das Lazarus Hilfswerk intensiv gefördert hatte.

Die Geschicke des LHW leitet seit 2007 ein ehrenamtlich tätiger Bundesvorstand, dem Björn Petermann (Vorsitzender), Rüdiger Kressmann, Jens-Christian Pokolm und Annette Seurer angehören (Stand: 2014).[2]

Internationaler humanitärer Hilfseinsatz[Bearbeiten]

Der politische und wirtschaftliche Umbruch in Osteuropa und die vielerorts damit einhergehende Not führten in den 1980er und 1990er Jahren zum Einsatz des Hilfswerkes mit humanitären Hilfslieferungen in den osteuropäischen Raum (beginnend in Polen, Ungarn, Russland, Litauen, Rumänien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Kosovo, Bulgarien). Die Lazarus-Helfer waren unter Federführung ihres Vorstandsvorsitzender Chevalier Klaus-Peter Pokolm seit 1980 unermüdlich mit den organisationseigenen 38-t-Lastzügen unterwegs, um Lebensmittel, Medikamente und Hilfsgüter in die ehemaligen Ostblockstaaten zu bringen. Um sicherzustellen, dass die Hilfsgüter im Sinne der Spender auch die Bedürftigen ohne Verlust erreichten, wurde über den Krakauer Erzbischof Kardinal Franciszek Macharski eine enge Zusammenarbeit mit der Karitativen Kommission der Polnischen Bischofskonferenz (Komisja Caritatywna Episkopatu Polski - KCEP) vereinbart. Die Zusammenarbeit mit ihrem Vorsitzenden, dem damaligen Kattowitzer Weihbischof Czeslaw Domin erwies sich als sehr hilfreich. Die Hilfe für die Bevölkerung legte den Grundstock für eine vertrauensvollen Zusammenarbeit, die nachhaltig positive Auswirkungen auf die deutsch-polnische Verständigung und den Aufbau von sozialkaritativen Netzwerken nach sich gezogen hat. Bis heute unterstützt das LHW und Lazarusorden - durch das Großpriorat Europa - den weiteren Ausbau des dortigen Netzes der LAZARUS-Sozialstationen, der ambulanten häusliche Krankenpflege und ambulanten Hospizdienste. Hier gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Arbeitsgemeinschaft kommunalpolitischer Partnerschaft (AKP).

Zuletzt machten Katastrophen, wie der Tsunami von 2004, eine erste Überlebenshilfe, die Wiederbeschaffung von Fischerbooten zum Wiederaufbau einer Existenz sowie die Hilfe beim Wiederaufbau von Schulen und eines Fischerhafens mit Mitteln der Aktion Deutschland Hilft (ADH) und des internationalen Lazarusordens notwendig. Bereits kurz nach dem Bekanntwerden bat der Lazarusorden das Lazarus-Hilfswerk im Zusammenwirken mit dem Humanitären Großpriorat Europa (GP-EU), in Indonesien tätig zu werden. Die Lazarus Organisationen wählten Indonesien Indonesien und dort insbesondere die Insel Nias als Einsatzgebiet aus.

Finanziell unterstützt wird die Arbeit des Hilfswerkes durch Spenden der Ordensmitglieder.

Papst Johannes Paul II. bekundete mehrfach seine Wertschätzung der Arbeit der Lazarus-Organisation und empfing wiederholt Repräsentanten und Helfer des Lazarus-Hilfswerkes in Privataudienz. Das erfolgreiche humanitäre Wirken in enger Zusammenarbeit mit der Kirche würdigte er durch die Verleihung des päpstlichen Ordens Pro Ecclesia et Pontifice an den LHW-Vorstandsvorsitzenden und Verantwortlichen für die humanitäre Lazarus-Auslandshilfe, Chevalier Klaus-Peter Pokolm. Der Papst ließ den Orden durch den Vorsitzenden der Karitativen Kommission der Polnischen Bischofskonferenz, Bischof Czesław Domin, im Kreis von Ordensangehörigen und Hilfswerkmitarbeitern Czesław Dominüberreichen.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. So die Gründungssatzung.
  2. Vorstand/Geschäftsführung, abgerufen am 10. September 2014.

Weblinks[Bearbeiten]