Lazarus Hilfswerk

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Das LAZARUS HILFSWERK in Deutschland e. V. (LHW) ist eine christliche nach deutschen Recht anerkanntegemeinnützige Hilfs- und Sanitätsorganisation der Freien Wohlfahrtspflege, die 1973 von deutschen Ordensrittern des internationalen Lazarus-Ordens gegründet wurde und sich seit über 40 Jahren um Senioren, kranke und behinderte Menschen kümmert.

Auf Initiative des LHW wurden 1995 für Trägerschaft von internationalen Hilfsprojekten zwei weitere Lazarus-NGO (Schwesterorganisationen) nach Europäischen Recht (EUV) gegründet und registriert: LAZARUS Europe EUV und LAZARUS-INTERNATIONAL EUV. Diese Organisation wurde entsprechend EU-Gesetzen von Ordensmitgliedern aus mehren Jurisdiktionen in europäischen Mitgliedsländern gegründet. Die Geschäftsführung ist in der Bundesgeschäftsstelle in Hürth/Köln angesiedelt

Die Ideen und Ziele der als wohltätig und gemeinnützig anerkannten Hilfsorganisation und ihrer Tochterunternehmen haben ihre Grundlage in der über 900-jährigen Tradition des ökumenisch ausgerichteten christlichen Lazarus-Ordens.

Das LHW konzentriert sich heute in seiner Arbeit auf die ambulante und stationäre Pflege hilfsbedürftiger Menschen. Es ist dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angeschlossen.

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten]

Bundesgeschäftsstelle in Hürth-Hermülheim

Mitglieder des Lazarus-Ordens, die in der Tradition des christlichen ökumenisch ausgerichteten Lazarusordens sozial-karitativ engagiert waren, gründeten 1973 eine eigene karitative Lazarus-Hilfsorganisation als anerkannte Organisation der Freien Wohlfahrtspflege, um ihrem Engagement einen juristischen und organisatorischen Rahmen zu geben. Ziel war es, die in über 900 Jahren gewachsenen, altehrwürdigen Aufgaben und Ziele des Hospitalischen Ordens des Heiligen Lazarus von Jerusalem, genannt Lazarus-Orden, in zeitgemäßer Form zum Wohle der sozial Schwachen, die der humanitären Hilfe bedürfen, zu überführen.[1] Sitz der Organisation ist Köln, die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Hürth bei Köln im Rhein-Erft-Kreis. Begonnen hat das Lazarus Hilfswerk mit der Durchführung von Behindertenfahrdiensten in Köln, dem Kreis Köln, Düsseldorf und Kreis Euskirchen, später in weiteren Bundesländern. Die Idee zur Gründung des Hilfswerks (LHW) einer Lazarus-Hilfsorganisation wurde vom damaligen schottischen Großkommandeur des Ordens, LtCol Robert Gayre of Gayre and Nigg, uneingeschränkt unterstützt. Er ermächtigte die Gründungsmitglieder, das Ordenszeichen zu führen und war danach einige Jahre selbst Mitglied im LHW-Verwaltungsrat.

Anfang der 1980er Jahre wurde der Arbeitsschwerpunkt um die internationale humanitäre Auslandshilfe und weitere ambulante Dienste erweitert. In den 1990er Jahren eröffnete das LHW die ersten stationären Pflegeeinrichtungen (St. Lazarus-Häuser), weitere Häuser folgten.

War die Organisation zuerst im regionalen Umfeld und gemäß den bisherigen Aktivitäten von Gründungsmitgliedern im Bereich des Behindertenfahrdienstes (MTM) tätig, so kamen bald auch weitere Arbeitsfelder im gesamten Spektrum der freien Wohlfahrtspflege hinzu: Ambulante Pflegedienste, Essen auf Rädern, Errichtung und Betrieb von Einrichtungen des Betreuten Wohnens mit Seniorentreffs und von Pflegeheimen (St. Lazarus-Häuser), aber auch Maßnahmen der Sozialpädagogischen Familien- und Jugendhilfe sowie dazugehörige Aus- und Fortbildungsmaßnahmen. Besonders hervorzuheben ist der Einsatz junger ehrenamtlicher Helfer bei der Betreuung älterer oder behinderter Menschen bei kirchlichen Großveranstaltungen wie den Deutschen Evangelischen Kirchentagen, Katholikentagen oder Behindertenbetreuung während Pilgerreisen des Papstes in Deutschland aber auch im benachbarten Ausland. Jahrzehntelang war das LHW eine anerkannte Beschäftigungsstelle für den Zivildienst, heute für den Bundesfreiwilligendienst.

Viele Jahre führte das LHW in der Bundeshauptstadt Berlin mit dem "LAZARUS-TELEBUS" flächendeckend und erfolgreich den Fahrdienst für Behinderte durch. Als der Berliner Senat im Rahmen von drastischen Sparmaßnahmen alle Zuschüsse für den individuellen öffentlichen Fahrdienst für Behinderte strich, mußte der Dienst "Lazarus-Telebus" für Berlin eingestellt werden.

Im Rahmen der humanitären Auslandshilfe initiierte Lazarus ab 1980 in Ländern des ehemaligen Ostblocks soziale Einrichtungen (Ausbildungsstätten für Soziale Berufe, Sozialstationen und Fahrdienste für Behinderte, Essen auf Rädern und Armenküchen etc).

In den letzten Jahrzehnten war das LHW in enger Zusammenarbeit mit kirchlichen Institutionen, staatlichen Stellen und der EG-Kommission in Polen, Litauen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Kosovo, Russland, Mazedonien und während der Tsunamikatastrophe in Indonesien auf Nias tätig.

Als jüngstes Projekt ist die Errichtung von Kombinationseinrichtungen bestehend aus Kindertagesstätte und Seniorentagespflege zu nennen. Am 1. August 2014 öffnete diese Modelleinrichtung in Frechen ihre Türen. Hier gestalten Kinder und ältere Menschen ihren Alltag gemeinsam unter einem Dach.

Durch die Errichtung der Jurisdiktion "Humanitäres Großpriorat Europa" wurde das Lazarus-Hilfswerk institutionell mit dem vereinigten internationalen Orden verbunden. Das Großmagisterium verlieh 1988 seiner Hilfsorganisation 1988 durch Dekret des Großmeisters innerhalb des Ordens als „Humanitäres Grosspriorat Europa“ (GP-EU) Jurisdiktionsrechte und unterstellte das europäische Großpriorat unmittelbar dem Protektorat des Großmeisters. Dadurch fand das LHW mit seinen jungen Helfern eine unmittelbare verfassungskonforme Einbindung in die internationale Ordensorganisation, die auf eine über 900-jährige Tradition in der Krankenpflege zurückblickt.

Die Europäische Gemeinschaft würdigte die jahrelangen erfolgreichen humanitären Hilfseinsätze und Leistungen als Europäische NGO und erkannte das LHW offiziell durch Abschluss eines Vertrages als EG-Partnerorganisation an.

Langjährige Ehrenvorsitzende war Katharina ("Käthe") Kraemer (1922–2006), die zusammen mit ihrem Mann, dem Generalkonsul von Malta Paul R. Kraemer (1916–2007), Erbkommendator der Erbkommende Rheinland des Lazarus-Ritterordens, das Lazarus Hilfswerk intensiv gefördert hatte.

Die Geschicke des LHW leitet ein ehrenamtlich tätiger Bundesvorstand, dem mit Stand 2014 Björn Petermann (Vorsitzender), Rüdiger Kressmann KCLJ, Jens-Christian Pokolm KLJ, und seit 2013 Annette Seurer angehören.[2]

Internationaler humanitärer Hilfseinsatz[Bearbeiten]

Der politische und wirtschaftliche Umbruch in Osteuropa und die vielerorts damit einhergehende Not führten in den 1980er und 1990er Jahren zum Einsatz des Hilfswerkes mit humanitären Hilfslieferungen in den osteuropäischen Raum (beginnend in Polen, Ungarn, Russland, Litauen, Rumänien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Kosovo, Bulgarien). Die Lazarus-Helfer waren unter Federführung ihres Vorstandsvorsitzender Chevalier Klaus-Peter Pokolm seit 1980 mit den organisationseigenen 38-t-Lastzügen unterwegs, um Lebensmittel, Medikamente und Hilfsgüter in die ehemaligen Ostblockstaaten zu bringen. Um sicherzustellen, dass die Hilfsgüter im Sinne der Spender auch die Bedürftigen ohne Verlust erreichten, wurde über den Krakauer Erzbischof Kardinal Franciszek Macharski eine enge Zusammenarbeit mit der Karitativen Kommission der Polnischen Bischofskonferenz (Komisja Caritatywna Episkopatu Polski - KCEP) vereinbart. Die Zusammenarbeit mit ihrem Vorsitzenden, dem damaligen Kattowitzer Weihbischof Czeslaw Domin erwies sich als sehr hilfreich. Die Hilfe für die Bevölkerung legte den Grundstock für eine vertrauensvollen Zusammenarbeit, die nachhaltig positive Auswirkungen auf die deutsch-polnische Verständigung und den Aufbau von sozialkaritativen Netzwerken nach sich gezogen hat. Bis heute unterstützt das LHW und Lazarusorden - durch das Großpriorat Europa - den weiteren Ausbau des dortigen Netzes der LAZARUS-Sozialstationen, der ambulanten häusliche Krankenpflege und ambulanten Hospizdienste. Hier gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Arbeitsgemeinschaft kommunalpolitischer Partnerschaft (AKP).

Zuletzt machten Katastrophen, wie der Tsunami von 2004, eine erste Überlebenshilfe, die Wiederbeschaffung von Fischerbooten zum Wiederaufbau einer Existenz sowie die Hilfe beim Wiederaufbau von Schulen und eines Fischerhafens mit Mitteln der Aktion Deutschland Hilft (ADH) und des internationalen Lazarusordens notwendig. Bereits kurz nach dem Bekanntwerden bat der Lazarusorden das Lazarus-Hilfswerk im Zusammenwirken mit dem Humanitären Großpriorat Europa (GP-EU), in Indonesien tätig zu werden. Die Lazarus Organisationen wählten Indonesien Indonesien und dort insbesondere die Insel Nias als Einsatzgebiet aus.

Papst Johannes Paul II. bekundete mehrfach seine Wertschätzung der Arbeit der Lazarus-Organisation und empfing wiederholt Repräsentanten und Helfer des Lazarus-Hilfswerkes in Privataudienz. Das erfolgreiche humanitäre Wirken in enger Zusammenarbeit mit der Kirche würdigte er durch die Verleihung des päpstlichen Ordens Pro Ecclesia et Pontifice an den LHW-Vorstandsvorsitzenden und Verantwortlichen für die humanitäre Lazarus-Auslandshilfe, Chevalier Klaus-Peter Pokolm. Der Papst ließ den Orden durch den Vorsitzenden der Karitativen Kommission der Polnischen Bischofskonferenz, Bischof Czesław Domin überreichen.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. So die Gründungssatzung.
  2. Vorstand/Geschäftsführung, abgerufen am 10. September 2014.

Weblinks[Bearbeiten]