Leïla Ben Ali

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Leïla Ben Ali (2010)

Leïla Ben Ali (arabisch ‏ليلى بن علي‎) (Leïla Trabelsi (Geburtsname)) (* 14. Oktober 1956) ist die zweite Ehefrau von Zine el-Abidine Ben Ali, Präsident Tunesiens von 1987 bis 2011, und war nach ihrer Hochzeit am 26. März 1992 bis 2011 die First Lady Tunesiens.[1] Zuvor übte sie angeblich den Beruf einer Friseurin aus.[2] Sie wird für die Ausweitung der Korruption in Tunesien verantwortlich gemacht, deren Hauptnutznießer die Mitglieder ihrer eigenen Familie sind, des laut Einschätzung der amerikanischen Botschaft in Tunis quasi-mafiösen Trabelsi-Clans.[3] Das persönliche Vermögen von Zine el-Abidine und Leïla Ben Ali, das sie über 23 Jahre an der Macht angehäuft haben, wird auf 5 Milliarden Euro geschätzt.[2]

Ben Ali war ebenfalls für ihr Wirken in verschiedenen wohltätigen Vereinen und Organisationen bekannt, eine besondere Rolle nimmt dabei die Arab Women Organization ein. Westliche Medien diskutieren seit Längerem, ob dieses Engagement lediglich zur Verbesserung ihres öffentlichen Ansehens diente, oder aus tatsächlicher Überzeugung resultiert. Ben Ali wurde unter anderem als progressivste und fortschrittlichste Frau in der arabischen Welt bezeichnet und erregte ebendort großes Aufsehen durch das tragen von High Heels und sehr figurbetonter Kleidung

Flucht[Bearbeiten]

Während der Vorgänge in der Revolution in Tunesien 2010/2011 flüchtete Leïla Ben Ali am 12. Januar 2011 nach Dubai. Sie soll vor ihrer Flucht persönlich 1,5 Tonnen Gold im Wert von 45 Millionen Euro von der Zentralbank abgeholt und mit dem Flugzeug abtransportiert haben.[4][2] Außerdem soll sie dem Gouverneur der Zentralbank befohlen haben, 400 Millionen Euro nach Dubai zu überweisen. Dieser hätte die Anweisung nach Rücksprache mit Ben Ali befolgt.[5]

Gerichtsverfahren[Bearbeiten]

Anfang Mai wurde gegen Ben Ali und seine Frau Leila Trabelsi in Tunesien Anklage erhoben. Der damalige Justizminister Lazhar Karoui Chebbi sprach von 18 Anklagepunkten, darunter „Verschwörung gegen die innere Sicherheit“, „Anstiftung zu Chaos, Mord und Plünderung“, „Drogenkonsum“, „Drogenhandel“ und „Mord“.[6]

Ein erster Prozess gegen Zine el-Abidine Ben Ali und Leila Trabelsi fand am 20. Juni 2011 in Tunis in Abwesenheit der Angeklagten statt, verhandelt wurde der Vorwurf der Veruntreuung von Staatsvermögen. Ben Ali und seine Frau wurden nach nur einem Verhandlungstag zu jeweils 35 Jahren Haft verurteilt, darüber hinaus verhängte das Gericht Geldstrafen in Millionenhöhe.[7]

Buchveröffentlichung[Bearbeiten]

Im Juli 2012 veröffentlichte Leïla Ben Ali ein 200-seitiges Buch mit dem Titel „Ma vérité“ (Deutsch: „Meine Wahrheit“) über ihre Sicht der Revolution.[8] In diesem bezeichnete sie die Geschehnisse als von Frankreich gelenkten „Staatsstreich“ und berichtet über ihre überhastete Flucht nach Saudi Arabien. Außerdem bestritt sie, dabei Wertgegenstände mitgenommen zu haben, wie verschiedene Medien berichteten und zeigte sich enttäuscht von Nicolas Sarkozy, über den sie in einem Werbeinterview zum Buch sagte, dass er „die Produkte unserer Region, die wir ihm zukommen ließen, nie ablehnte“.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Khaled A. Nasri, « Ben Ali, de Naima Kéfi à Leïla Trabelsi », Afrik.com, 30. Juli 2008
  2. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStefan Simons: Die unersättliche Gier des Präsidenten-Clans. Spiegel-Online, 18. Januar 2011, abgerufen am 19. Februar 2011.
  3. Julie Calleeuw: « Tunisie : les Trabelsi, une « quasi-mafia » », RTBF, 16. August 2013
  4. Kurzzeitiger Widerstand des Bankchefs. In: ORF. 17. Januar 2011, abgerufen am 17. Januar 2011 (deutsch).
  5. Rainer Hermann: Hinter dem saudischen Schleier. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. Januar 2011, abgerufen am 17. Januar 2011.
  6. Anklage gegen Ben Ali erhoben. In: Neue Zürcher Zeitung. 5. Mai 2011, abgerufen am 5. Mai 2011 (deutsch).
  7. Süddeutsche Zeitung: 35 Jahre Haft - doch Ben Ali ist im Exil, 20. Juni 2011.
  8. http://www.tagesspiegel.de/politik/tunesien-durch-ihre-augen/6955100.html
  9. Reiner Wandler: Die „Königin von Karthago“ packt aus. In: die tageszeitung. 23. Juli 2012, abgerufen am 25. Juli 2012 (deutsch).