Le Bon Marché

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Le Bon Marché, 2006
Aristide Boucicaut (1810-1877)
Au Bon Marché
Lichthof, 2008

Le Bon Marché ist ein Pariser Großwarenhaus im 7. Arrondissement und wurde 1838 von den Gebrüdern Videau gegründet. Mit der Leitung von Aristide Boucicaut nahm dieses Warenhaus eine Pionierstellung in der Entwicklung des europäischen Einzelhandels ein. Le Bon Marché gilt als das erste Warenhaus der Geschichte [1] und zählt heute zu den besten Warenhäusern Frankreichs.

Geschichte[Bearbeiten]

1848 stieg das Ehepaar Boucicaut als Teilhaber bei den Gebrüdern Videau ein und übernahm 1852 die Mehrheit der Anteile. Sie transformierten das bescheidene Unternehmen mit zwölf Angestellten binnen weniger Jahre in ein Großwarenhaus mit breitem und tiefem Sortiment, festen Preisen und intensiver Werbung. Boucicaut führte als Werbemittel unter anderem die damals neue Idee von Sammelbildern ein.[2] 1863 kaufte das Ehepaar die Familie Videau aus, die Bedenken gegenüber dem massiven Expansionskurs der Boucicauts hatte. 1869 kam es zu einer bedeutenden Vergrößerung des Gebäudes unter Mitwirkung von Gustave Eiffel. Diese „Kathedrale des Kommerzes“ (Émile Zola) war wirtschaftlich sehr erfolgreich und wurde daher 1855 von den Grands Magasins du Louvre nachgeahmt. Deren Gründer waren Alfred Chauchard, Auguste Hériot und Charles Eugène Faré, mit Unterstützung der Gebrüder Eugène Péreire und Isaac Péreire. 1856 folgte die Gründung des Kaufhauses À la Belle Jardinière, der Magasins du Printemps (1865) und der Samaritaine (1869). Diese Nachahmer und Konkurrenten siedelten sich allesamt auf der Rive droite an, dem rechten Seineufer, während Le Bon Marché weiter die Rive gauche dominierte. Die Familie Boucicaut ließ hier auch das gegenüber liegende Hôtel Lutetia errichten, das einzige Luxushotel am linken Seineufer.

1984 wurde das Kaufhaus von der Gruppe Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) unter Bernard Arnault übernommen. Die Schweizer ABM-Gruppe (Au Bon Marché) und das gleichnamige 1860 geschaffene Kaufhaus in Belgien haben nichts mit Boucicauts Gründung zu tun (der Name steht einfach für „preiswert“).

Von 1988 bis 2010 leitete Philippe de Beauvoir das Pariser Warenhaus und entwickelte es zu einem „High-End Departement Store“.[3] Die Feinkostabteilung „La Grande Épicerie“ wurde mit über 5000 Produkten aus aller Welt die größte von Paris.[4] Außerdem führte er regelmäßige kulturelle Ausstellungen auf der zweiten Etage ein.[5] Zu Beauvoirs Nachfolger wurde Patrice Wagner bestimmt, der zuvor das größte deutsche Warenhaus KaDeWe geleitet hatte.[6] Wagner soll wie schon bei der Karstadt Premium Group die Luxussparte der Warenhäuser von LVMH ausbauen.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael B. Miller: The Bon Marché. Bourgeois Culture and the Department Store, 1869-1920. Princeton University Press 1981. Online-Ausschnitte bei Google Bücher.
    Michael B. Miller: Au Bon Marché 1869-1920. Le consommateur apprivoisé. Armand Colin, 1987, ISBN 978-2200371210.
  • Alarich Rooch: Warenhäuser: Inszenierungsräume der Konsumkultur. Von der Jahrhundertwende bis 1930. Zabern, Mainz 2003, Tagungsvortrag, Online-Datei, (PDF; 360 kB), 7 S.
  • Émile Zola: Das Paradies der Damen. (Au bonheur des dames, 1883) Übersetzung von Hilda Westphal. S. Fischer, Frankfurt 2004, ISBN 978-3-596-16155-3.
    Zolas Roman nimmt das Bon Marché zum Vorbild für seine groß angelegte Schilderung von sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen. Anhand einer Liebesgeschichte der Verkäuferin Denise mit dem Geschäftsleiter Octave Mouret, Boucicaut nachempfunden, wird ein Panorama des Zweiten Kaiserreichs entfaltet.

Film[Bearbeiten]

  • Wünsche werden wahr - Die Entstehung des Kaufhauses. Dokumentarfilm, Doku-Drama, Frankreich, 2011, 86 Min., Buch und Regie: Sally Aitken, Christine Le Goff, Produktion: arte France, Telfrance, Essential Viewing, deutsche Erstausstrahlung: 22. Oktober 2011 in arte, Filminformationen von arte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Le Bon Marché – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Geschichte der Warenhäuser. Kathedralen des Handels“, Tagesspiegel, 26. April 2009.
  2. Georg Renner: „Von denen, die streben, die Welt zu ordnen“, Die Presse, 19. März 2010.
  3. Doreen Wilken: „Wagner beerbt de Beauvoir bei Le Bon Marche“, fabeau.de, 7. Oktober 2010.
  4. Le Bon Marché, besten.welt.de, abgerufen am 9. Oktober 2010.
  5. Le Bon Marché, answers.com, abgerufen am 9. Oktober 2010.
  6. Bea Gottschlich: „Patrice Wagner wird Chef von Le Bon Marché“, TextilWirtschaft, 7. Oktober 2010.
  7. Pressemitteilung: „Nomination Le Bon Marché“, francebourse.com, 7. Oktober 2010.

48.8511111111112.3243611111111Koordinaten: 48° 51′ 4″ N, 2° 19′ 28″ O