Le Devin du village

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Le Devin du village (dt. „Der Dorfwahrsager“) ist der Titel einer als Intermède bezeichneten einaktigen Oper von Jean-Jacques Rousseau. Die Uraufführung fand am 18. Oktober 1752 im Schloss Fontainebleau statt.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Als eine italienische Operntruppe im August 1752 in Paris gastierte, flammte der alte Streit über die Vorherrschaft der italienischen oder französischen Oper wieder auf, der im Kern ein politischer zwischen den Royalisten und ihren Gegnern war. Bei dieser Gelegenheit verfasste der als Opernkomponist bisher erfolglose, aber durch seine preisgekrönte Abhandlung über die Wissenschaften und die Künste schon berühmte Philosoph Rousseau Text und Musik zu einer kleinen Oper, die den Ruhm den französischen Sprache zu retten versprach. Sie wurde von der Pariser Oper sofort angenommen. Der Hof bestand jedoch auf seinem Recht zu einer Uraufführung im exklusiven Rahmen des Schlosstheaters in Fontainebleau.

Handlung[Bearbeiten]

Die Schäferin Colette wurde von ihrem Geliebten Colin verlassen, der sich einer adligen Dame in der Stadt zugewandt hat. Der von Colette um Rat gefragte Dorfwahrsager prophezeit ihr, dass Colin zu ihr zurückkehre, aber gibt ihr den Rat, ihn zuerst abzuweisen, weil das seine Liebe zu ihr wieder anfachen werde. Als Colin zurückkehrt, weil er das Schäferkleid dem höfischen Prunk doch vorzieht, tut Colette, was ihr geraten wurde, und hat Erfolg. Alle freuen sich.

Wirkung[Bearbeiten]

Sowohl die höfische Uraufführung als auch die nachfolgenden öffentlichen Aufführungen waren ein großer Erfolg. Die programmatische Schlichtheit zeigt einen Imagewechsel des französischen Hofs: Im Unterschied zu Louis XIV., der als bester Tänzer seines Reichs galt, habe der König Louis XV. die Melodien des Devin du village mit der falschesten Stimme seines Reichs gesungen. Die Marquise de Pompadour spielte in ihrem Hoftheater die Partie des Colin.

Le Devin du village verschaffte der französischen Opéra comique gesellschaftliches Ansehen, obwohl Thematik und Machart nur bedingt Einfluss auf diese Gattung nahmen. Der musikalische Stil wirkt noch sehr barock, hat nicht viele italienische Neuerungen (etwa von Rousseaus Vorbild Giovanni Battista Pergolesi) in sich aufgenommen. Einige der Melodien wurden hingegen als „timbres“ in den Vaudevilles der Zeit berühmt, also zu einer Art Schlagerlied. Direktes Vorbild waren wohl die Stücke des Pariser Jahrmarktstheaters. Marie Duroncerays Jahrmarkts-Parodie auf Rousseaus Stück Les amours de Bastien et Bastienne wurde 1767 von Mozart als Bastien und Bastienne neu vertont. Der englische Komponist Charles Burney brachte 1766 eine Bearbeitung unter dem Titel The Cunning Man im Drury Lane Theatre zur Aufführung.

Interessant sind die Rezitative, in denen Rousseau versucht, die französische Sprache mit dem Fluss des italienischen Rezitativs zu verbinden. Von den Divertissements, die nach damaliger Sitte das Stück beschlossen, verdient ein kleines Handlungsballett besondere Aufmerksamkeit, in dem sich ein Adliger und ein Bürger um eine Frau streiten, sich am Ende aber im gemeinsamen Tanz vereinen.

Rousseau wollte nicht als Royalist gelten. Deshalb bezog er im folgenden Jahr im Buffonistenstreit sehr heftig Stellung für die italienische und gegen die französische Oper, die er doch mit seinem eigenen Stück „gerettet“ hatte. Die Pariser Oper behielt das Werk bis 1829 im Repertoire. Berühmt, aber nicht belegt ist die Anekdote, dass Hector Berlioz bei einer Aufführung des Devin eine Perücke auf die Bühne geworfen und diese Oper damit als veraltet bloßgestellt habe.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Gülke: Rousseau und die Musik oder von der Zuständigkeit des Dilettanten. Wilhelmshaven: Noetzel 1984. ISBN 3-7959-0423-4

Weblinks[Bearbeiten]