Le comte Ory

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Werkdaten
Titel: Der Graf Ory
Originaltitel: Le Comte Ory
Originalsprache: französisch
Musik: Gioachino Rossini
Libretto: Augustin Eugène Scribe und Charles-Gaspard Delestre-Poirson
Uraufführung: 20. August 1828
Ort der Uraufführung: Opera Peletier, Paris
Spieldauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Frankreich zur Zeit der Kreuzzüge
Personen
  • Graf Ory (Tenor)
  • Isolier, Page des Grafen (Mezzosopran)
  • Raimbaud, Gefährte des Grafen (Bass)
  • Adèle de Formoutiers, Gräfin (Sopran)
  • Ragonde, Pförtnerin des Schlosses Formoutiers (Mezzosopran)
  • Alice, eine junge Bäuerin (Sopran)
  • Ritter, Freunde des Grafen , Bauern, Hofdamen (Chor)

Der Graf Ory (Le Comte Ory) ist eine komische Oper in zwei Akten von Gioachino Rossini. Das Libretto haben Eugène Scribe und Charles-Gaspard Delestre-Poirson auf Grundlage des Vaudeville-Stücks Le Comte Orry et les nonnes de Farmoutier verfasst. Die Spieldauer beträgt etwa zwei Stunden und fünfzehn Minuten. Das Werk wurde 20. August 1828 in Paris uraufgeführt und ist die vorletzte Oper Rossinis.

Entstehung[Bearbeiten]

Rossini suchte eine Möglichkeit, einzelne Nummern aus seiner anlässlich der Krönung von König Karl X. geschriebenen Gelegenheitsoper Il viaggio a Reims (1825) in einer vom Anlass unabhängigen Oper verwenden zu können. Scribe und Delestre-Poirson stellten ihm ein Vaudeville-Stück vor, das in das Libretto des zweiten Aktes Le Comte Ory eingegangen ist. Etwa die Hälfte der Partitur konnten aus Il viaggio übernommen werden, der Rest wurde neu komponiert; im ersten Akt nur eine Nummer, während im zweiten Akt nur das Duett Adèle/Ory und die Arie Raimbauds übernommen wurden. Allerdings erfuhren auch die übernommen Teile starke Veränderungen und Anpassungen, unter anderem auch die eine deutliche Verringerung der Personenzahl. Von einem bloßen Neuaufguss kann jedenfalls keine Rede sein: „… Rossini nutzte seine neue Meisterschaft im Umgang mit der französischen Rezitativ- und Ensemblebehandlung, um die Komödie zu einem vollgültigen, in jedem Detail geschliffenen Meisterstück zu machen …“ [1] Entsprechend den Gepflogenheiten der Pariser Oper verzichtete Rossini auf gesprochene Dialoge und entwickelte durchkomponierte Szenen. Rossini behandelte die Einzelnummern aus Il viaggio hier im Sinne seiner „ernsten“ französischen Opern, wie Mosè in Egitto (1818) und Moïse et Pharaon (1827). „Das musikdramatische Ergebnis ist in der Operngeschichte einzigartig: eine untrennbare Verbindung aus italienischer Verve in der Melodieerfindung und gallischem Charme, aus Übermut und 'sensibilité' …“ [2]

Nummern, die von Il viaggio nach Le comte Ory übernommen wurden[3]
Il viaggio Le comte Ory
Nr. 1: Introduktion
„Presto, presto“ (Maddalena, Chor),
G-Dur, 558 Takte
Nr. 2 (1. Akt): Introduktion
„Jouvencelles, venez vite“ (Raimbaud, Alice, Chor)
G-Dur, 625 Takte
Nr. 2:
„Partir, o ciel“ (Gräfin),
Es-Dur, 246 Takte
Nr. 4 (1. Akt):
„En proie à la tristesse“ (Gräfin, Chor)
G-Dur, 227 Takte
Nr. 5:
„Nel suo divin sembiante“ (Corinna, Cavaliere Belfiore)
A-Dur, 324 Takte
Nr. 7 (2. Akt):
„Ah quel respect, madame“ (Gräfin, Ory)
A-Dur, 292 Takte
Nr. 6:
„Medaglie incomparabili“ (Don Profondo)
Es-Dur, 309 Takte
Nr. 9 (2. Akt),
„Dans ce lieu solitaire“ (Raimbaud),
Es-Dur,
292 Takte
Nr. 7:
Gran pezzo concertato a 14 voci
A-Dur, 450 Takte
Nr. 5 Finale (1.Akt):
„Ciel! Ô terreur, ô peine extrême!“
(Gräfin, Ory, Isolier, Raimbaud, Ragonde, Alice, Gouverneur, Chor)
A-Dur, 449 Takte

Aufführungsgeschichte[Bearbeiten]

Szenenbild der letzten Szenen der Oper, um 1830

Die Uraufführung von Le Comte Ory war ein enthusiastisch gefeierter Triumph [4], und das Werk blieb jahrzehntelang auf dem Spielplan der Opéra, im 19. Jahrhundert letztmals 1884. Die Oper wurde zunächst auch auf anderen europäischen Bühnen gespielt, so 1829 in Berlin und ab 1830 in italienischer Sprache auch in Italien. Im 20. Jahrhundert geriet die Oper wie viele andere Rossini-Opern in Vergessenheit. Erst 1952 wurde das Werk im Rahmen des Maggio Musicale Fiorentino wieder aufgeführt (mit Sari Barabas als Adèle, Giulietta Simionato als Isolier, Nicola Monti als Ory und Renato Capecchi als Erzieher). Seither gibt es regelmäßig, wenn auch eher vereinzelt Neuinszenierungen; 2011 wurde die Oper in Genf, Zürich und an der New Yorker Met[5] inszeniert (DVD-Mitschnitt verfügbar). Einen festen Platz im Repertoire hat Rossinis letzte Komödie noch nicht gefunden.


Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters', München, Zürich 1986; Band 5, S. 449f
  • Richard Osborne, Rossini. Leben und Werk. Droemer Knaur, München 1988, S. 282 ff

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Norbert Miller, in Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986, Band 5 S. 449
  2. Norbert Miller, a.a.O. S. 450
  3. Richard Osborne, Rossini. Leben und Werk. Droemer Knaur, München 1988, S. 282
  4. Norbert Miller, a.a.O. S. 452
  5. Rezension in der New York Times