Das Schweigen des Meeres

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Das Schweigen des Meeres (frz. Le silence de la mer) ist eine Novelle des französischen Autors Jean Marcel Bruller aus dem Jahr 1942, die dieser in Genf drucken ließ und unter dem Pseudonym Vercors heimlich im von den Deutschen besetzten Paris veröffentlichte.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Schweigen des Meeres wurde 1942 als allererster Titel des Untergrundverlages Éditions de Minuit heimlich veröffentlicht. 1945 wurde er dann im Verlag Edition des Trois Collines[1] veröffentlicht. Das Werk gilt als Vercors bekanntester Text und als ein Standardwerk der französischen Résistance im Zweiten Weltkrieg.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Am Anfang des Kriegs im besetzten Frankreich erzählt ein Schreinermeister, der nur mit seiner Nichte in einem schönen Haus in der Provinz lebt, wie er zu Hause die von den Besatzungstruppen auferlegte Anwesenheit eines deutschen Offiziers erlebt hat.

Die Novelle spielt von November 1940 bis Sommer 1941. Bei solchen Gegebenheiten sei der junge Offizier anständig. Er lässt sich keine Gelegenheit entgehen, abends seine Gastgeber zu begrüßen, und ihnen von der deutsch-französischen Freundschaft zu erzählen. Er hoffe, dass ihre beiden Heimaten heiraten könnten. Leider stoßen seine langen, kultivierten Monologe auf das unveränderliche Schweigen seiner Quartiergeber.

Doch als er von einem Pariser Urlaub zurückkehrt, hört er auf, sie zu besuchen. Als er sich von ihnen verabschiedet, um sich an die Front im Osten zu melden, prangert er die Vormacht Deutschlands über Frankreich an.

Inhalt[Bearbeiten]

Das Buch erzählt die Geschichte des deutschen Offiziers Werner von Ebrennac, der während der deutschen Besatzung Frankreichs in eine französische Familie einquartiert wird. Seine französischen Herberggeber sind ein älterer Herr und seine Nichte, die jedoch als Zeichen der Ablehnung gegenüber der deutschen Besatzung kein Wort mit ihm sprechen.

Den Offizier stört dies anscheinend wenig und so berichtet er ihnen jeden Abend von seinen Wünschen und seiner Begeisterung über die französische Kultur. Seine Idealvorstellungen sehen eine Verbrüderung zwischen Frankreich und Deutschland vor. Nach einem Besuch in Paris, wo er mehrere andere deutsche Offiziere trifft, schwinden jedoch seine Hoffnungen. Er bemerkt, dass er der Einzige ist, der ein gutes Ende herbeisehnt. Die anderen Offiziere wollen die französische Kultur zerstören und das Land dominieren. Zurück in der Herbergsfamilie berichtet er von seinem Besuch in Paris und verdeutlicht seine Hoffnungslosigkeit. Er entschließt sich, „Selbstmord“ zu begehen, indem er sich nach Russland zum Kampfeinsatz versetzen lässt. Zum Ende kommt doch noch ein Wort über die Lippen der Nichte. Sie flüstert Ebrennac beim Hinausgehen ein „Adieu“ zu.

Interpretationsansatz[Bearbeiten]

Diese Geschichte verdeutlicht sehr klar die Einstellung vieler Franzosen gegenüber der deutschen Besatzung. Hier wird nicht das Modell des Widerstandes gezeigt, sondern die auf Distanz bedachte Haltung des "stummen Frankreich" („la France muette“), das gleichwohl auf aktive Abwehr verzichtet. Vor allem richtet sich die Geschichte gegen die Illusion einer Verbrüderung zu den Herrschaftsbedingungen, die Nazi-Deutschland seinen Nachbarn aufzuzwingen gedachte, wie das Nachwort von Y. Beigbeder deutlich macht.

Eine mögliche Interpretation des Titels „Le silence de la mer“ ist, dass die französischen Herberggeber ihre Gefühle und Emotionen gut verstecken können. Äußerlich wirken sie ruhig wie das Meer, aber im Inneren geht viel mehr vor, als man sehen kann.

Die Silence kann durchaus als Aufruf zur Résistance bzw. gegen die Kollaboration interpretiert werden. Vercors, alias Jean Bruller, schrieb die Novelle in der Résistance bzw. als Vertreter der clandestinité (Untergrund).

Film[Bearbeiten]

Im Jahre 1947 wurde Das Schweigen des Meeres unter der Regie und nach dem Drehbuch von Jean-Pierre Melville mit den Schauspielern Howard Vernon, Jean-Marie Robain, Nicole Stéphane, Ami Aroe, Denis Sadier, Georges Patrix, Henri Cavalier und Dietrich Kandler verfilmt.

Im Jahr 2004 fand eine Neuverfilmung unter der Regie von Pierre Boutron mit den Schauspielern Julie Delarme, Thomas Jouannet und Michel Galabru statt. Der Film gewann auf dem Fernsehfilm-Festival St.Tropez die Preise für den besten Film, für die beste Darstellerin und für die beste Musik.

Ausgaben (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Das Schweigen des Meeres : Erzählung. Aus dem Franz. von Karin Krieger. Mit einem Essay von Ludwig Harig und einem Nachw. von Yves Beigbeder. Zürich: Diogenes, 1999 ISBN 3-257-06225-7
  • Das Schweigen des Meeres. Ins Deutsche übertr. von Kurt Stern. Berlin : Aufbau-Verl. 1948
  • Das Schweigen. Aus d. Franz. von Josef Ziwutschka. Innsbruck ; Wien : Rohrer 1947
  • Das Schweigen (Le silence de la mer). Autorisierte Übertragung aus dem Französischen. Zürich ; New York : Oprecht 1945

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vercors: "Le Silence de la Mer", Éditions des trois Collines, 1945, Genève - Paris