Lebensschutz

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Lebensschutz ist ein Begriff, der heute im Deutschen bei bioethischen Themen oft im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbruch gebraucht wird. Ein „Lebensschützer“ gilt dabei als ein Abtreibungsgegner, im weiteren Sinne auch ein Euthanasiegegner.

Lebensschutz wurde daneben aber zusammen mit den Begriffen Biophylaxe und Bioprotektion in den 1960er und 1970er Jahren von einzelnen Gruppen der Umweltschutzbewegung auch als Oberbegriff für die Gesamtheit aller Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen verwendet. Lebensschutz in diesem Zusammenhang umfasste alle Bereiche des Naturschutzes und Umweltschutzes.[1]

Die Bedeutung als Oberbegriff für die Gesamtheit aller Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Lebensgrundlagen führte zur Gründung eines Weltbund zum Schutz des Lebens im Jahre 1960. Die wissenschaftliche Begründung findet sich z. B. in der Veröffentlichung von Herbert Bruns, Institut für Biologie, Umwelt und Lebensschutz, Schlangenbad, aus dem Jahr 1962. „Lebensschutz“ wie auch „Biopolitik“ (zusammenfassender Oberbegriff für Gesundheits-, Umwelt- und Überlebenspolitik) sind nach Bruns „Zweige der angewandte Biologie und damit auch Teilgebiet der Biologie“.[2]

Der Begriff wurde später auch von anderen aufgegriffen:

  • So veröffentlichte Hubert Weinzierl (ab 1964 im Präsidium des Deutschen Naturschutzrings), von 1983 bis 1998 an der Spitze des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland 1966 einen Aufsatz unter dem Titel Lebensgefährdung – Lebensschutz. Wie sich meine Heimat veränderte.[3]
  • Hartmut Gründler schrieb 1973 zu den Begriffen Lebensschutz und Umweltschutz:
    „Zur Begründung des von H. Bruns 1962 wissenschaftlich begründeten und international eingeführten Wortes ‚Lebensschutz‘ (Bioprotektion, protection of life, protection de la vie) anstelle des unbedachten Wortes ‚Umweltschutz‘ gibt es zahlreiche Argumente; eines genügt: lebensfeindliche Umwelten verdienen keinerlei Schutz – ganz im Gegenteil.“[4]

Aufgrund dieser Konzeption kam es auch zur Benennung von Vereinigungen:

  • Der 1960 gegründete Weltbund zum Schutz des Lebens breitete sich mit Niederlassungen in mehr als 30 Staaten der Erde aus
  • Der 1974 gegründete Tübinger Arbeitskreis Lebensschutz – Gewaltfreie Aktion im Umweltschutz e.V. war Mitglied der Deutschen Lebensschutz-Verbände und Bürgerinitiativen e. V.; sein Gründer, Hartmut Gründler, war seit 1971 Mitglied des von Bruns geleiteten Bundes für Lebensschutz.[5]
  • Es gab in den 1970er Jahren eine Demokratische Lebensschutzbewegung, gegründet im März 1974.
  • Weiterhin spielt der Begriff in der Programmatik der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher, die sich 1973 auf ihrem Parteitag in Kassel selbst als „Partei des Lebensschutzes“ deklariert hatte, eine Rolle und heute noch in der Ökologisch-Demokratischen Partei im Sinne eines umfassenden Natur-, Tier- und Menschenschutzes.
  • Zur Europawahl 1989 und zur Bundestagswahl 1990 trat eine Partei namens „DEUTSCHE SOLIDARITÄT Union für Umwelt- und Lebensschutz“ (ÖKO-UNION) an. [6]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]

  1. „seit den 1960er-Jahren, Biophylaxe und Bioprotektion, Naturschutz und Umweltschutz“ nach Meyers Lexikon online, Lebensschutz (Version vom 2. Juli 2007 im Internet Archive), Stand 20. Juli 2009
  2. Bruns, Herbert, Lebensschutz oder Bioprotektion als Integration von Menschen-, Tier-, Pflanzen-, Natur- und Landschaftsschutz. Wissenschaftliche Begründung und praktische Forderungen zur Erhaltung und Schaffung gesunder Lebensgrundlagen des Menschen, der Tiere und der Pflanzen, Biologische Abhandlungen aus dem Institut für Biologie und Lebensschutz. Heft 32-33, Biologie-Verlag, Wiesbaden 1969.
  3. In: Glaube und Tat 1966, S. 273–275
  4. In: „Lebensschutz als Aufgabe Gewaltfreier Aktion“, in der Zeitschrift Das Leben Nr.12/1973
  5. nach Herbert Bruns, in Vorwort von Biologische Abhandlungen 53-54 Wiesbaden 1977
  6. Niedersächsisches Landesamt für Statistik, Hannover 2004 und 2006