Lechquellengebirge

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Lechquellengebirge
Höchster Gipfel Untere Wildgrubenspitze (2753 m ü. A.)
Lage Vorarlberg, Österreich
Einteilung nach AVE 3a
Koordinaten 47° 11′ N, 9° 59′ O47.1861111111119.9852753Koordinaten: 47° 11′ N, 9° 59′ O
Blick auf Untere Wildgrubenspitze, Roggalspitze und Rhonspitze

Blick auf Untere Wildgrubenspitze, Roggalspitze und Rhonspitze

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Blick auf Zürs und den Trittkopf
Zürsersee; im Hintergrund Valluga und Roggspitze
Blick über den Spullersee mit Rätikon mit Drusenfluh, Drei Türme, Zimba und Schesaplana
Lechquellengebirge, Blick ins Lechtal
Blick von der Madlochalm Richtung Oberlech
Blick vom Madloch Joch zum Spullerschafberg
Naturschutzgebiet Gipslöcher der Biberkopf
Gipslöcher am Oberlech, links das Karhorn, im Hintergrund mittig der Biberkopf
Naturschutzgebiet Gipslöcher, im Hintergrund links der Biberkopf

Das Lechquellengebirge ist eine kleine Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen in den Ostalpen. Es liegt zur Gänze im österreichischen Bundesland Vorarlberg und umfasst den Oberlauf des Lech mit seinen Quellbächen in Hufeisenform sowie das obere Großwalsertal.

Namensgebung[Bearbeiten]

Die Bezeichnung „Lechquellengebirge“ ist ohne Zweifel zutreffend. Denn der größere Teil der Gebirgsgruppe umfasst den jungen Lech mit seinen beiden Quellbächen Formarinbach und Spullerbach. Gleichwohl handelt es sich hier um einen Kunstbegriff, geschaffen von Walther Flaig zu einer Zeit, als die bergsteigerische Erschließung der Alpen schon weitgehend abgeschlossen war. Früher wurde die Gebirgsgruppe entweder als Klostertaler Alpen bezeichnet oder gleich zu den Lechtaler Alpen östlich des Flexenpasses dazugerechnet.

Kunstbegriffe haben es schwer, sich im alltäglichen Sprachgebrauch durchzusetzen. Im Gegensatz dazu gibt es die Alpengruppen, die entweder nach jahrhunderte- oder gar jahrtausendealten Namen benannt wurden, wie zum Beispiel das Rätikon oder das benachbarte Verwall. Oder es findet eine Benennung nach von alters her bekannten Tälern statt, wie zum Beispiel bei den Ötztaler Alpen. Es dürfte noch Jahrzehnte dauern, bis sich die Bezeichnung „Lechquellengebirge“ ebenso selbstverständlich durchgesetzt hat wie die Bezeichnung von anderen Alpengruppen. Die Bezeichnung wird sich entweder irgendwann durchsetzen oder wieder verschwinden. Unklar ist auch, ob die UIAA oder sogar die EU irgendwann doch eine international anerkannte Einteilung der Alpen erarbeiten und festsetzen werden. Dann wird das Lechquellengebirge entweder offiziell oder es wird in anderen Gruppen untergehen.

Umgrenzung[Bearbeiten]

Von der Alpenstadt Bludenz verläuft die Grenze im Süden entlang des Klostertals bis zum Flexenpass. Von dort geht die Grenze im Osten weiter über Zürs und Lech und entlang des Flusses Lech bis zur Einmündung des Krumbachs. Der Krumbach führt die Grenze im Norden aufwärts bis zum Hochtannbergpass. Von dort geht die Grenze entlang des Seebachs über den Ort Schröcken und weiter entlang der Bregenzer Ach bis nach Au und zur Einmündung des Argenbachs. Dann geht es den Argenbach aufwärts bis kurz vor Damüls und weiter entlang des Faschinabachs im Westen bis zum Faschinajoch. Von dort geht es abwärts ins Große Walsertal und entlang der Lutz bis zur Einmündung in die Ill. Die Ill führt zurück nach Bludenz.

Der Flexenpass verbindet das Lechquellengebirge mit den Lechtaler Alpen. Der Hochtannbergpass bildet die Verbindung zu den Allgäuer Alpen. Das Faschinajoch stellt die Verbindung zum Bregenzerwaldgebirge her.

Maßgeblichen Einfluss auf die Definition und Umgrenzung des Lechquellengebirges hatte Walther Flaig, ein bekannter Alpin- und Führerautor aus Vorarlberg. Die von ihm geschaffene Bezeichnung und Einteilung wurde von der AVE, der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen übernommen.

Das Lechquellengebirge grenzt an die folgenden anderen Gebirgsgruppen der Alpen:

Untergruppen[Bearbeiten]

Der Alpenvereinsführer Lechquellengebirge teilt die Gebirgsgruppe in die folgenden Untergruppen auf:

  • Zitterklapfengruppe mit Hochkünzelgrat
  • Die Gruppe der Braunarlspitze
  • Der Mohnenfluhgrat am Tannberg
  • Die Karhorngruppe am Hochtannberg
  • Johannesgruppe im Diesner und Gadner Schröf
  • Der Stafelvedergrat im Großwalsertal
  • Die Klostertaler Gamsfreiheit
  • Die Formarin-Schafberggruppe
  • Die Gruppe der Roten Wand am Formarinsee
  • Der Saladinagrat auf Formarin
  • Die Gehrengratgruppe an den Lechquellen
  • Die Spuller Schafberggruppe
  • Die Gruppe der Wildgrubenspitzen
  • Der Erzberggrat am Klostertal

Gipfel[Bearbeiten]

Die 10 höchsten Gipfel des Lechquellengebirges:

Weitere bekannte Gipfel des Lechquellengebirges, geordnet nach der Höhe:

Pässe und Übergänge[Bearbeiten]

Außer den genannten Pässen, die das Lechquellengebirge mit den Nachbargruppen verbinden, gibt es innerhalb des Lechquellengebirges keinen mit PKW befahrbaren Übergang.

Touristisch bedeutsame Übergänge sind unter anderem

  • Rauhes Joch (Standort der Freiburger Hütte, 1918 m ü. A., von Osten über Fahrweg erreichbar, die Überquerung wird auch mit Mountainbike durchgeführt)
  • Spullersee (1827 m ü. A., Übergang vom Lechtal ins Klostertal)
  • Stierlochjoch (2011 m ü. A., Zugang aus dem Lechtal zur Ravensburger Hütte)
  • Gamsboden (Standort der Göppinger Hütte, 2245 m ü. A., weite Karstlandschaft, Übergang vom Lechtal ins Große Walsertal)

Geologie[Bearbeiten]

Ähnlich wie die nördlichen und östlichen Nachbargebiete zeichnet sich das Lechquellengebirge durch eine große geologische Vielfalt aus. Die vorherrschende Gesteinsart ist Kalk (Oberrätkalk), mit großen Vorkommen an verkarsteten Flächen. Daneben kommen noch Hauptdolomit sowie Fleckenmergel und Mergel des Lias vor.

Landschaft[Bearbeiten]

Landschaftlich wird das Lechquellengebirge geprägt vom Gegensatz zwischen dem eher sanften, nach Nordosten geneigten und zur Donau entwässernden oberen Lechtal und den tiefen und zum Teil schroffen zum Rhein hin entwässernden Tälern. Die Wasserscheide verläuft hufeisenförmig um die Lechquellen herum, und das größere Gefälle zum Rhein hin führt dazu, dass (in geologisch relativ kurzen Zeiträumen) immer mehr Bäche vom Rhein angezapft werden und damit die Wasserscheide laufend gegen die Lechquellen hin verschoben wird. Ein ähnliches Phänomen tritt südlich und westlich der Donauquellen (durch die Wutach) ein.

Die hufeisenförmige Wasserscheide trägt zugleich die höchsten Gipfel, wobei die Gipfelflur von Südosten nach Nordwesten gegen den Bregenzer Wald abfällt.

Das Klima der Region ist niederschlagsreich und kühl, die Berge sind außerordentlich schneereich und oft noch bis weit in den Hochsommer hinein schneebedeckt. Trotzdem gibt es fast keine Gletscher mehr. Die Gegend ist im Winter ideal zum Skifahren – siehe Lech.

Der Bewuchs durch Bäume ist eher spärlich. Es dominieren Kiefern, Krüppelkiefern und die gegen Lawinen sehr resistenten Erlen. Die Waldgrenze liegt niedrig, etwa bei 1.700 bis 1.800 Meter. Vereinzelt wachsen die Bäume bis etwa 1.900 Meter. Bemerkenswert ist die sehr vielseitige Blumenpracht.

Die Täler wurden von den so genannten Walsern besiedelt – eine Bezeichnung, die sich in vielen Tiroler Familiennamen findet. Historisch dominiert die Almwirtschaft, heute der Tourismus, insbesondere der Skitourismus in Lech und den kleineren Orten Zürs, Stuben und Damüls.

Naturschutz[Bearbeiten]

Das Biosphärenreservat Großes Walsertal umfasst auch Teile des Lechquellengebirges. Besonders interessant sind die Kernzonen, die nach den Vorgaben der UNESCO Bestandteil eines jeden Biosphärenreservats sein müssen. Im Lechquellengebirge befinden sich zwei größere Kernzonen, das Gadental und das Gebiet Faludriga Nova. Die Gebirgswälder in diesen Kernzonen werden seit einigen Jahren nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt. Dadurch bieten diese Kernzonen bereits heute das in den Nördlichen Kalkalpen selten gewordene Bild naturnaher Gebirgs(ur)wälder mit Bäumen der unterschiedlichsten Altersklassen sowie einem hohen Totholzanteil. In der Zukunft dürfte der Wert dieser Gebiete für den Naturschutz aber auch für den Tourismus weiter zunehmen.

Im Lechquellengebirge gibt es die folgenden Naturschutzgebiete:

  • Gadental, eingerichtet 1987, Fläche 1.336 ha
  • Gipslöcher Oberlech, eingerichtet 1988, 21 ha
  • Bödener Magerwiesen, eingerichtet 1991, 16,5 ha
  • Faludriga Nova, eingerichtet 2003

Pflanzenschutzgebiet:

  • Körbersee, eingerichtet 1958, 451 ha

Natura-2000-Gebiete:

  • Bergwälder Klostertal
  • Gadental, eingerichtet 1995, Fläche 1.543,77 ha

Tourismus[Bearbeiten]

Die (mautpflichtige) Benutzung von Höhenstraßen erlaubt es, mit dem Kraftfahrzeug in das Innere des Gebirges bis auf eine Höhe von fast 2000 Meter vorzudringen. Doch gibt es auch größere Gebiete mit ausgeprägter Abgeschiedenheit.

Erschließung[Bearbeiten]

Das Lechquellengebirge ist wenig erschlossen, sieht man von einigen Skiliften und Bahnen unmittelbar bei Lech und Zürs ab. In die Täler führen schmale Mautstraßen, von Lech besteht im Sommer ein Pendelbusverkehr an die Lechquellen. Dagegen ist die Erschließung für Wanderer ideal - durch ein System von Hütten, die durch einen Höhenweg verbunden sind. Er folgt dem gesamten „Hufeisen“ der Gipfel, setzt aber – zumindest bis zum Beginn des Hochsommers – einige alpine Erfahrung voraus.

Dem Südrand des Lechquellengebirges folgt die Westrampe der Arlbergbahn. Deren Strom wird mit Wasserkraft aus dem überstauten Spullersee gewonnen, der 700 Meter hoch über dem Klostertal im südlichen Teil des Lechquellengebirges liegt.

Hütten des Alpenvereins[Bearbeiten]

Im Lechquellengebirge gibt es fünf Alpenvereinshütten:

Diese Hütten sind, mit Ausnahme der Frassen-Hütte, Bestandteil der Lechquellenrunde.

Fern-/ Weitwanderwege[Bearbeiten]

Der nordalpine Weitwanderweg 01 (Kalkalpenweg) durchquert das Lechquellengebirge wie folgt:

  • Die Teilstrecke 17 verläuft von Zürs nach Damüls über das Madlochjoch, die Ravensburger Hütte, die Freiburger Hütte, die Göppinger Hütte und die Biberacher Hütte. Der letzte Abschnitt vom Faschinajoch nach Damüls befindet sich bereits im Bregenzerwaldgebirge.

Die Via Alpina, ein grenzüberschreitender Weitwanderweg mit fünf Teilwegen durch die ganzen Alpen, verläuft auch durch das Lechquellengebirge.

Der Rote Weg der Via Alpina verläuft mit drei Etappen durch das Lechquellengebirge wie folgt:

  • Die Etappe R52 verläuft von der Mindelheimer Hütte nach Schröcken. Dies ist zum größeren Teil eine in den Allgäuer Alpen gelegene Etappe. Zwischen dem Hochtannbergpass und Schröcken vorbei am Kalbelesee und Körbersee verläuft der Weg jedoch bereits durch das Lechquellengebirge.
  • Die Etappe R53 verläuft von Schröcken nach Buchboden über den Schadonapass (Biberacher Hütte).
  • Die Etappe R54 verläuft von Buchboden nach St. Gerold. Der zweite Teil dieser Etappe befindet sich bereits im Bregenzerwaldgebirge.

Klettersteige[Bearbeiten]

  • Klettersteig am Karhorn (2416 m)
  • Panorama-Klettersteig
  • Francesco Tarmann-Klettersteig (Ludesch)

Panorama[Bearbeiten]

360° Gipfelpanorama vom Zitterklapfen (2.403 m)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lechquellengebirge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien