Lectoure

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Lectoure
Wappen von Lectoure
Lectoure (Frankreich)
Lectoure
Region Midi-Pyrénées
Département Gers
Arrondissement Condom
Kanton Lectoure (Hauptort)
Koordinaten 43° 56′ N, 0° 37′ O43.9344444444440.62111111111111159Koordinaten: 43° 56′ N, 0° 37′ O
Höhe 68–223 m
Fläche 84,93 km²
Einwohner 3.776 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 44 Einw./km²
Postleitzahl 32700
INSEE-Code
Website Website der Gemeinde

Glockenturm der Kathedrale von Lectoure

Die Gemeinde Lectoure befindet sich in der französischen Région Midi-Pyrénées im Département Gers. Die 3776 Einwohner (Stand 1. Januar 2011) zählende Kleinstadt liegt im Gebiet der Gascogne und ist Hauptort des gleichnamigen Kantons. Durch sie führt der Fernwanderweg GR 65, welcher weitgehend dem historischen Verlauf des französischen Jakobsweges Via Podiensis folgt.

Geographie und Verkehr[Bearbeiten]

Die oberhalb des Flusses Gers gelegene Stadt ist ein Thermalbad und liegt im Gebiet der Gascogne, circa 22 km östlich von Condom, 35 km südlich von Agen und 35 km nördlich von Auch.
Die nächsten französischen Großstädte sind Toulouse (76 km) im Südosten, Bordeaux (139 km) im Nordwesten und Montpellier (264 km) im Osten.[1]

Der nächste Verkehrsflughafen ist der Aéroport Agen-La Garenne, der in nördlicher Richtung über die Strecke D266 und N21 nach circa 37 Straßenkilometern, zu erreichen ist. Die Gesellschaft Airlinair bietet tägliche Verbindungen nach Paris an. Der nächste internationale Flughafen ist der International Airport Toulouse Blagnac, er ist über die D7 und D1 nach circa 85 Straßenkilometern zu erreichen. Der nächste Bahnhof der SNCF liegt in Agen, von dort gibt es eine Busverbindung. An das französische Fernstraßennetz ist Lectoure über die A62 Toulouse-Nord - Bordeaux und die Ausfahrte 8 (Valence d'Agen) angebunden.

Geschichte[Bearbeiten]

Dass das Gebiet von Lectoure bereits in prähistorischer Zeit bevölkert war, beweisen Funde aus der Mittelsteinzeit. In den gallo-römischen Ruinen von Lectoure wurden zahlreiche Funde entdeckt, wie Kunstgewerbegegenstände, Brennöfen und Töpfereien, Sarkophage und Altäre. Unter römischen Einfluss trug die Stadt den Namen Lactorates und war Hauptstadt der Provinz Gallia Aquitana. In dieser Zeit bildete sie ein Zentrum des Kybele-Kultes. Die Christianisierung begann im 4. Jahrhundert und im 5. Jahrhundert wurde Lectoure Bischofssitz. Um das 10. Jahrhundert wurde die Stadt von den Westgoten zerstört, aber mit verstärkten Verteidigungsanlagen wieder aufgebaut. Sie wurde Hauptstadt der Lomagne (der heutigen Gascogne) unter der Herrschaft des Hauses Armagnac. 1473 verteidigte Graf Jean d’Armagnac in den Streitigkeiten um die Erbfolge Lectoure gegen den von Louis XI. gesandten Erzbischof von Albi. Nach langer Belagerung wurde die Stadt eingenommen und geplündert. In den Religionskriegen wurde die Stadt 1562 von katholischen Truppen erobert, teilweise zerstört und besetzt. Während des 17. und 18. Jahrhunderts, einer Zeit ohne große militärische Konflikte, entwickelte sich in der Stadt eine bürgerliche Gesellschaft. Im Zuge der Französischen Revolution (1789–1799) wurden in Lectoure eine große Zahl Freiwilliger angeworben. Daneben kamen aus Lectoure der bekannte Marschall Jean Lannes und eine ganze Reihe weiterer Generäle, deren Porträts heute in der Eingangshalle des Rathauses hängen. Im 19. und 20. Jahrhundert erlebte Lectoure wie viele andere französische Kleinstädte einen langsamen Rückgang der Bevölkerung, unterbrochen nur durch den Ersten Weltkrieg und den Zustrom von Flüchtlingen aus dem Elsass zu Beginn des Zweiten Weltkriegs.


Einwohnerentwicklung
(Quelle: [2])
1793 1806 1831 1866 1901 1936 1962 1982 1990 1999
5.503 6.360 6.495 6.086 4.495 4.407 3.908 3.923 4.034 3.933
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz


Jakobsweg (Via Podiensis)[Bearbeiten]

Während des Mittelalters wurden die Pilger durch Hospize Sainte-Catherine, Saint-Jean-Baptiste, Saint-Jacques und Saint-Antoine sowie die Leproserie Pont de Pile betreut. Für die damals so überaus wichtige geistige Betreuung sorgte die Benediktinerabtei.

Heute gibt es am Ort zwei Pilgerherbergen (französisch: Gîte d’étape), Hotels und Privatzimmer (französisch: Chambre d’hôtes), sowie eine Touristeninformation. Der Weg führt weiter durch die Hügellandschaft der Gascogne über Bäche und kleine Flussläufe durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet über Castelnau-sur-L’Auvignon nach Condom. Weitere Unterkünfte auf dem Weg nach Condom befinden sich in Marsolan, La Romieu und Castelnau-sur-L’Auvignon. Als Straßenverbindung führt die Strecke D7 - D23 nach Condom.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Saal der Porträts im Rathaus
  • Altes Zentrum von Lectoure mit malerische Gassen, gesäumt von Fachwerkhäusern und Villen aus dem 18. Jahrhundert.
  • Erhalten gebliebene Stadtmauern aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
  • Rempart boulevard du Nord, erhalten gebliebener Wall mit breit angelegter Straße
  • Der Diana-Brunnen, ist römischen Ursprungs und wurde im 13. Jahrhundert mit drei Bögen eingefasst.
  • Das Rathaus aus dem 18. Jahrhundert. Es wurde zwischen 1676 und 1682 als Palast für den Bischof Hugues de Bar errichtet und wurde als solcher bis zur Französischen Revolution genutzt. Danach war es bis 1926 Sitz der Unterpräfektur. Es beherbergt einen Saal mit, von Künstlern gefertigten, Porträts aus Lectoure stammenden Persönlichkeiten der Revolution, des Kaiserreiches und des 19. Jahrhunderts. Die bekanntesten sind:
  • Ehemalige Königliche Gerberei ist ein schönes Beispiel für die Industriearchitektur im 18. Jahrhundert.
  • Das Archäologisches Museum von Lectoure zeigt Gegenstände der Paläontologie, der Frühgeschichte, sowie aus der gallischen, gallo-römischen und merowingischer Zeit. Es zeigt eine große Sammlung von Sarkophagen und Altären für Stieropfer zur Verehrung von Kybele und Mithras, welche beim Wiederaufbau der Kathedrale 1540 entdeckt wurden.
  • Die ehemalige Kathedrale St-Gervais-et-St-Protais de Lectoure mit Bauabschnitten aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert. Das ursprünglich romanische Kirchenschiff wurde 1325 neu aufgebaut und 1540 um den Chor ergänzt. Der quadratische Turm wurde 1488 von Baumeister Mathieu Reguaneau, de Touraine errichtet. Neben Altären und dem Chorgestühl aus dem 17. bis 19. Jahrhundert beherbergt die ehemalige Kathedrale die Reliquie es Heiligen Clair d’Aquitaine, Evangelist und erster Bischof von Lectoure.
  • Ehemalige Karmeliter-Kapelle in der Rue Marès 14, das einzige Überbleibsel des Karmeliter-Klosters.
  • Pfarrkirche du Saint-Esprit.
  • Die Kapelle Saint-Geny aus dem 17. und 19. Jahrhundert. Sie wurde wahrscheinlich an Stelle einer Kapelle eines Kloster aus dem 10. Jahrhundert errichtet. Das Kloster gehörte später zur Abtei von Saint-Pierre de Moissac und dann zum Kloster von Cluny. Heute kann in ihr ein Ikonen-Museum besichtigt werden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Communauté de communes de la Lomagne Gersoise ist unter anderem zuständig für die Entwicklung der Wirtschaft. In Lectoure gibt es ein Gründerzentrum für Unternehmen, Gaststätten, ein Thermalbad und Industrie-, Handwerks-, Lebensmittel-, und Landwirtschaftsbetriebe. Bedeutend ist der Anbau von Melonen, den Melons de Lectoure, und Knoblauch.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Quellen und weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bettina Forst: Französischer Jakobsweg. Von Le Puy-en-Velay nach Roncesvalles. Alle Etappen – mit Varianten und Höhenprofilen. Bergverlag Rother, München (recte: Ottobrunn) 2007, ISBN 978-3-7633-4350-8 (Rother Wanderführer).
  • Bert Teklenborg: Radwandern entlang des Jakobswegs. Vom Rhein an das westliche Ende Europas. (Radwanderreiseführer, Routenplaner). 3. überarbeitete Auflage. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2007, ISBN 978-3-7022-2626-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeindeinformation auf annuaire-mairie.fr (französisch) Abgerufen am 21. Januar 2010
  2. Lectoure auf Cassini.ehess.fr (französisch) Abgerufen am 4. Februar 2010