Lederhose

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Lederhose (Begriffsklärung) aufgeführt.
Lederhosenträger um 1870
Erkki Seppänen von der finnischen Band KYPCK in einer Schnürlederhose, 2012

Lederhose ist allgemein die Bezeichnung für eine aus Leder gefertigte kurze oder lange Hose. Größere Verbreitung hat die Lederhose als traditionelle Lederhose, in der Lederszene, als Biker-Hose (Schutzfunktion), aber auch als Alltagshose. Die traditionelle Lederhose ist eine Tracht, die in den mitteleuropäischen Alpenregionen getragen wird (Oberbayern, Allgäu, Österreich, Südtirol, Schwäbische Alb bzw. in Verbund mit der Altwürttembergischen Tracht, aber nicht in der Schweiz).

Traditionelle Lederhose[Bearbeiten]

Formen und Verbreitung[Bearbeiten]

Goaßlschnalzer in der Chiemgauer Tracht mit Leinenhemd, kurzer Lederhose, Haferlschuhen, Loferl und Hut mit Gamsbart

Die Lederhose im Besonderen als Teil der bayerischen und österreichischen Gebirgstracht ist in zwei Formen weit verbreitet, als Kurze und als Kniebundhose. Während die kurzen, kniefreien Lederhosen bei der Arbeit und zur Jagd getragen wurden, ist die Kniebundhose eher eine Festtagshose. Typisch für Trachtenlederhosen sind die Bestickung und der Hosenlatz, das Hosentürl, der angeblich auf die Schamkapsel, einen von 1400 bis zur 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in Europa allgemein üblichen Teil der Männerkleidung zurückgeht. Rechts seitlich ist an der Lederhose üblicherweise eine Messertasche angebracht, die den Nicker, ein Jagdmesser, aufnimmt.

Eine Besonderheit, welche die Herkunft der Kniebundlederhose zeigt, ist die „Arschnaht“. Im Bereich Ostbayern, dem Salzburger Raum, Tirol und Oberösterreich wird sie oft als Tellernaht tellerartig über das Gesäß ausgeführt, wohingegen im Allgäu, der Steiermark und Kärnten diese Naht meist senkrecht verläuft. Kurze Lederhosen mit Tellernaht sind selten. In der aktuellen Trachtenmode findet sich die Tellernaht häufig bei industriell gefertigten Kniebundlederhosen.

Zumeist wird zur Lederhose ein lederner Hosenträger mit vorderem Querriegel getragen, zuweilen auch mit einem V-förmigen Mitteleinsatz, der vorne angeknöpft ist. In Südtirol werden häufig auch Hosenträger aus Stoff getragen. Zur Kurzen werden meist Haferlschuhe getragen. Loferl Stutzen (Kleidung) werden traditionell ohne Füßlinge getragen. Zur Bundhose trägt man lange Bundhosenstrümpfe, die man bis übers Knie hinaufzieht und dort umschlägt. Erst dann zieht man die Bundhose an, die unter dem Knie zugebunden wird, und so wird der Bundhosenstrumpf daran gehindert, aus dem Hosenbein herauszurutschen. Die in Bayern am weitesten verbreitete Form der Lederhose wird mit durchgängigen, gestrickten Kniestrümpfen zur Miesbacher Tracht getragen.

Zuweilen wird zur Lederhose noch ein federkielbestickter Ranzen, eine Art breiter Gürtel, getragen. Sein früherer Zweck war in erster Linie die Geldaufbewahrung.

Hervorzuheben ist, dass die kurze Lederhose in Deutschland nur im südbayerischen Raum am Rande der Alpen verbreitet war. Nördlich von München und im Rest Deutschlands gehörte sie nicht zur Tracht.

Eine Sonderform der Lederhose ist die Dachauer Lederhose. Sie ist eine Stiefellederhose mit sehr eng geschnittenen langen Hosenbeinen, die an den Fesseln zugebunden werden. Der Hosenbund ist sehr hoch geschnitten.

Lederhosenladen in München

In ländlich geprägten Regionen wie dem Oberallgäu, dem südlichen Chiemgau, dem Bayerischen Oberland und dem Berchtesgadener Land sowie dem Salzkammergut gehört die Lederhose immer noch zur Alltagskleidung und wird nicht nur von den Mitgliedern der Trachtenvereine getragen. Die Lederhosen aus diesen Regionen sind in der Regel handgemacht und Maßanfertigung. Sie werden mit viel Liebe zum Detail mühevoll hergestellt und sind ein Leben lang halt- und tragbar.

Im Schweizer Alpenraum werden keine Lederhosen getragen. Die einzige Ausnahme sind Appenzell und Toggenburg, wo die Sennen zur Appenzeller Sennentracht leuchtend gelbe Kniehosen tragen, im Gegensatz zu den Bauern der gleichen Gegend, zu deren Tracht dunkelbraune Tuchhosen gehören.

Materialien[Bearbeiten]

Eine Trachten-Lederhose wird in der Regel aus sämisch gegerbtem Hirschleder oder einem anderen weichen Leder hergestellt. Das Rothirschleder stammt aufgrund der verletzungsfreieren Qualitäten oft aus Australien oder Neuseeland. Bei industriell gefertigten Hosen wird oft auch Wildbockleder eingesetzt. Rindsleder wird nur bei industrieller Massenware verwendet. Die Hose ist meist mit weißen, grünen oder gelben Stickereien verziert. Bei billigeren Lederhosen wird häufig Maschinenstickerei verwendet. Sie unterscheidet sich von der teureren Handstickerei vor allem dadurch, dass das Leder durchstochen wird, während es bei einer Handstickerei nur angestochen ist und sich daher die bestickten Felder reliefartig aufwölben. Ein Qualitätsmerkmal von aufwändig verarbeiteten und handgearbeiteten Lederhosen ist heute auch die Säcklernaht. Bei dieser Naht werden die Lederkanten nach außen sichtbar, als gelbe Naht, zusammengenäht und zusätzlich helle Lederstreifen zwischen die Lederkanten gelegt.

Die traditionelle kurze Lederhose, umgangssprachlich auch „Kurze“ genannt, ist knielang. Das ermöglicht die lauten Schnalz-Geräusche beim Schuhplatteln, einem traditionellen bayerischen und alpenländischen Volkstanz. Als Material wird heute teilweise auch Laponialeder (ein Nubukleder) verwendet.

Traditionelle Lederhosen haben eine sehr lange Haltbarkeit. Bei regelmäßigem Gebrauch wird allerdings die zunächst raue und matte Oberfläche abgenutzt. Solche älteren Lederhosen mit Speckglanz werden umgangssprachlich auch als „Krachlederne“ bezeichnet.

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Paar in Miesbacher Tracht - der Mann trägt eine traditionelle Bayerische Lederhose.

Leder als strapazierfähiges Material für Hosen ist seit Jahrhunderten gebräuchlich, wobei sich die Formen den jeweiligen Moden anpassten. Ursprung der heute als Volkstracht bezeichneten Lederhose war die Culotte, eine eng anliegende höfische Kniebundhose. Bewohner des Alpenraums übertrugen das Muster im ausgehenden 18. Jahrhundert auf das bereits zuvor gebräuchliche Leder und lösten damit die bei Bauern bis dahin übliche Pumphose ab. Während sich bei der städtischen Bevölkerung nach der Französischen Revolution lange Hosen durchsetzten (→Sansculottes), erhielt sich der Schnitt bei der Landbevölkerung als praktische Arbeitshose für Männer und zum Teil auch für Frauen.[1]

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es am bayerischen Hof, aber auch in Wien, zu einer regelrechten Trachtenbegeisterung. Von Joseph Hazzi aus Abensberg stammt die erste ausführliche Beschreibung der Trachten aus den verschiedenen Gerichten. Der Archivar der bayerischen Ständeversammlung Felix Joseph von Lipowsky brachte 1830 eine „Sammlung Bayerischer National-Costüme“ heraus. Immer wieder versuchten auch staatliche Stellen, die Nationaltrachten zu erhalten. So am 1. Juni 1853 mit dem Schreiben des Präsidiums der kgl. Regierung von Oberbayern zur „Hebung des Nationalgefühls, insbesondere der Landestrachten“. Am 4. April 1859 kam es zur Anmeldung der „Gesellschaft Gemüthlichkeit“ in Miesbach, dem Vorläufer des 1884 gegründeten Trachtenvereins Miesbach. Um 1883 setzte sich der Lehrer Josef Vogl in Bayrischzell ebenfalls für die Erhaltung der alten Trachten und des heimatlichen Brauchtums ein. Er gründete am 25. August 1883 zusammen mit anderen jungen Burschen den ersten „Gebirgstrachten-Erhaltungsverein“ und ließ sich neue Lederhosen schneidern. 1890 wurde auf Anregung von Thomas Bacher in Feilnbach der Gauverband I als erste Dachorganisation der Trachtenvereine gegründet.

Sowohl der österreichische Kaiserhof (beginnend bei Erzherzog Johann bis zu Kaiser Franz Joseph I.) als auch die Wittelsbacher (König Maximilian II., Prinzregent Luitpold) förderten die Nationaltrachten und die Lederhose im Besonderen. Die Tracht war aber auch im Volk tief verwurzelt, wie die Entstehung zahlloser Trachtenvereine (siehe: Trachten in Bayern) es belegt.

In Regionen wie dem Salzkammergut gehört die Lederhose immer noch zur Alltagskleidung. Die Lederhosen aus dieser Region sind handgemacht, mit viel Liebe zum Detail mühevoll hergestellt und ein Leben lang halt- und tragbar. Bei handgemachten Lederhosen gibt es nur Maßanfertigungen, und so kann es Monate dauern, bis das Stück fertig ist.

Die Lederhose war und ist in vielen Teilen des Alpenraums durchwegs fester Bestandteil von Volksfesten. Seit den 1970er Jahren wird sie auch beim Oktoberfest wieder vermehrt getragen. Handelte es sich anfangs zumeist um „Landhausmode“ (eine modeorientierte Variante der Volkstracht), so wird mittlerweile vermehrt auf Authentizität geachtet.

Chaps[Bearbeiten]

Chaps (von span. chaparajos) sind lederne Beinkleider ohne Gesäß, die Cowboys beim Reiten tragen. Die Chaps sollen die Beine vor den Hörnern der Rinder und Dornengestrüpp schützen.

Moderne Formen[Bearbeiten]

Freizeithosen[Bearbeiten]

Es gibt heute Lederjeans im typischen Five-Pocket-Schnitt, die wie Jeanshosen als ganz normale Freizeitkleidung getragen werden. Ledershorts bzw. -bermudas werden als Bundfaltenhose oder ebenfalls im Five-Pocket-Style hergestellt. Bei Lederhotpants handelt es sich um enge, kurz geschnittene Shorts.
Vereinzelt sind traditionelle Lederhosen beim Wandern beliebt oder finden sich in der Mode im Landhausstil wieder.

Dienstkleidung[Bearbeiten]

In einigen Berufsfeldern hat sich die Lederhose in Form der Lederjeans auch als Dienst- oder Berufskleidung durchgesetzt, z.B. tragen die Diensthundeführer der Polizei Hamburg, Hamburger Hochbahnwache und des Sicherheitsdienstes am Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel schwarze Lederjeanshosen zur Uniform.

Die Beamten der Polizeireiterstaffel München tragen braune Reitlederhosen.

Kinder- und Jugendbekleidung[Bearbeiten]

Mitglieder des Eichenkreuz in Lederhosen

Als Alltagskleidung für Jungen im Schulalter bis ca. zum 16. Lebensjahr wurde die kurze Lederhose wahrscheinlich am Anfang des 20. Jahrhunderts von den Wandervögeln eingeführt. Die traditionelle Trachtenlederhose wurde dabei meist aller aufwendigen Dekoration beraubt und auf das Wesentliche reduziert.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam sie allmählich in ganz Deutschland in die Mode und wurde vor allem nach 1945 populär. Die kurze Lederhose verschwand erst mit dem Aufkommen der Jeans in den siebziger Jahren fast vollständig, scheint sich allerdings in den letzten Jahren vor allem in Bayern in Verbindung zur Tracht auch außerhalb des Oktoberfestes wieder einer bescheidenen Neubelebung zu erfreuen.

Kurze Trachtenlederhose mit H-Trägern

Die „klassische“ kurze Burschenlederhose ist meist in grauem Rohleder oder auch in grünem Glattleder angefertigt. Sie besitzt an der Vorderseite nicht den bei ‚normalen‘ Hosen üblichen schmalen zentralen Schlitz, sondern zeichnet sich durch den charakteristischen großen auskurvenden Latz aus, der sich über fast die ganze Breite erstreckt, an der Unterseite an die Hose festgenäht ist und oben auffallenderweise nur durch zwei – als besonderes Merkmal auf gewisse Entfernung nebeneinander anstatt übereinander platzierte – große Knöpfe an den Ecken verschlossen wird. In dieser Hinsicht hat sie das wichtigste Merkmal der bis ins neunzehnte Jahrhundert allgemein üblichen nichtledernen langen Hosen beibehalten, die sich im Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons auch durch einen Latz anstatt eines Schlitzes auszeichneten.

Die beiden vorderen Taschen beiderseits des Latzes sind oft mit Eichenlaub geziert; dazu kommt meist weiter unten zur Rechten mittig auf dem Seitennaht eine kleinere zugespitzte Tasche für ein Taschenmesser. Die Hosenbeinenden, die mit kleinen Schnürbändchen – wohl ein dekorativer Überrest der Kniebänder von Kniebundhosen – ausgestattet sind, werden meistens umgekrempelt. Hinten ermöglicht ein zentraler Zwickel, die Bundweite der Lederhose etwas zu verringern oder zu vergrößern, und damit einem zu- oder abnehmenden Bauchumfang anzugleichen.

Zu dieser Lederhose werden normalerweise spezielle Träger verwendet, die mit Hilfe von Schnallen auf die richtige Länge eingestellt werden können. Für einen festeren Griff und um das Abrutschen der Schulterbänder zu verhindern, sind sie vorne auf der Brust mit einem – üblicherweise mit einem (gelegentlich aufgeklebten weißen) Hirsch- oder Edelweißmotiv ausgestatteten – breiten, oft aus etwas härterem Material angefertigten ovalen Quersteg verbunden, und werden sie hinten überkreuz angeknöpft. Die zwei Knöpfe für den Latz und die vier identischen für die Träger sind zur extra Verstärkung mit kleinen Lederbändchen an der Hose befestigt.

Dank der durch dieses Überkreuzen auf dem Rücken ziemlich eng zusammengerückten Träger reicht, als weitere Besonderheit dieses Modells, die Lederhose hinten meist deutlich höher als vorne, während sich vorne, wenn man gerade steht, wie die Bilder zeigen, der Knopflatz zwischen den (dank dem Quersteg viel weiter auseinanderliegenden) Trägern eher etwas nach unten senkt. Überhaupt ist die Passform der Lederhose in dem Sinne unüblich, dass sie, in der Nachfolge der Trachtenlederhosen, im Vergleich mit etwa einer Jeanshose ein gutes Stück nach oben verlängert worden ist und die Oberkante demzufolge bis an die Rippen heranreicht. Der Ursprung dessen liegt wohl darin, dass die Lederhose auf dem Land einmal Arbeitskleidung war, und auf diese Weise vermieden werden konnte, dass bei der Ernte Getreide u.Ä. in die Hose gelangen konnte, indem, wenn man sich bückte, jetzt der verlängerte Latz sich automatisch gegen die unterste Rippe legte und somit die andernfalls entstehende 'Lücke' zwischen Hose und Bauch fast nahtlos abschloss.

Knopflatz Lederhose.
Lederhosen in den 50er Jahren.

Ab den 1950er Jahren wurde daneben vor allem im Norden Deutschlands ein moderneres Modell der Lederhose üblich, oft aus dunkelgrünem oder schwarzem Glattleder, bei dem am Latz zwei Reißverschlüsse die zwei traditionellen Knöpfe ersetzten; als beinlange Lederhose ist dieses Modell auch als Zimmermannshose bekannt. Statt der traditionellen Träger wurde dabei meist ein Gürtel verwendet. Im Süden hielt sich das klassische Modell mit Knopflatz und Trägern wegen der konzeptionellen Nähe zur Trachtenlederhose wohl auch für Jugendliche etwas länger.

Seit den 1970er Jahren wird die schlichte, kurze Lederhose meist nur noch von Pfadfindern getragen, in der Regel in der moderneren Variante in Rohleder (weniger in Glattleder) mit Doppelreißverschluß und fast immer mit Gürtel, nur höchst selten noch mit Trägern. Bei vielen Pfadfindergruppen gehört sie bis heute zum festen Bestandteil der Tracht, ohne es zu einem Bestandteil der „vorgeschriebenen“ Kluft gebracht zu haben.

In Nordfrankreich gibt es in Riaumont in der Stadt Liévin (Kanton Liévin-Sud) bei Lens noch eine Art katholisches „Pfadfinderinternat“, wo sämtliche Schüler eine kurze Lederhose (mit Doppelzipp oder Knöpflatz) tragen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Simone Egger: Phänomen Wiesntracht: Identitätspraxen einer urbanen Gesellschaft, Dirndl und Lederhosen, München und das Oktoberfest, Band 2 der Münchner ethnographischen Schriften. Herbert Utz Verlag, 2008, ISBN 3-8316-0831-8, S. 55–57

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz J. Grieshofer, Christian Brandstätter und Franz Hubmann: Die Lederhose – Kleine Kulturgeschichte des alpenländischen Beinkleids. Verlag Fritz Molden Edition, Wien/München/Zürich 1978, ISBN 3-217-00928-2, 120 Seiten. Neuausgabe Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1996, ISBN 978-3-88042-762-4.
  • Simone Egger: Phänomen Wiesntracht. Herbert Utz Verlag GmbH, 2008, ISBN 3-8316-0831-8 (siehe PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lederhosen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien