Lehrer-Schüler-Verhältnis

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Das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist ein zentraler Grundbegriff der Pädagogik. Hiermit ist die Beziehung zweier Personen gemeint, die einen pädagogischen Prozess gemeinsam gestalten. Es gibt sowohl das pädagogische Lehrer-Schüler-Verhältnis, das zwischen zwei Personen jederzeit entstehen kann, als auch das institutionelle Lehrer-Schüler-Verhältnis, das an die Rolle von Schüler und Lehrer in einer Institution gebunden ist.

Das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist also nicht an bestimmte Institutionen (wie Schule) gebunden, es kann sich überall dort ergeben, wo Menschen in einer Lernbeziehung zueinander stehen, also von- oder miteinander lernen.

Zustandekommen des Lehrer-Schüler-Verhältnis[Bearbeiten]

Es entscheidet die herrschende Differenz an Wissen, Haltung bzw. Handlungskompetenz darüber, wer in dem pädagogischen Prozess Lehrer/Erziehender und wer Schüler/Edukand ist. Prinzipiell kann jeder Mensch beide Aufgaben einnehmen. Er kann sogar sein eigener Lehrer sein. Er ist dann Autodidakt. Man spricht dann von einem interpersonalem Selbstverhältnis.

Aspekte zur Gestaltung des Lehrer-Schüler-Verhältnis[Bearbeiten]

Der Lehrer unterstützt die Schüleraktivität, er leistet den Schülern Hilfe und hilft ihnen ihr eigener Lehrer zu sein. Diese Hilfe geschieht durch die sorgfältige Unterrichtsvorbereitung, durch die Lehreraktivität. Die theoretische Begründung für ein gedeihliches Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler geht davon aus, dass jeder Mensch ein in sich geschlossenes einmaliges System mit einer eigenen Bewusstseinsstruktur ist. Die Vermittlung von Wissen und Erfahrung geschieht ausschließlich durch die eigene Selbstorganisation. Lehrende und Lernende haben in sich geschlossene Bewusstseinssysteme, die nur über Kommunikation gegenseitig mitgeteilt werden können. Unterrichtsmethodische, kommunikative Kompetenz und eine ausgeprägte Haltung des bereitwilligen Zu- und Vertrauens sind deshalb die grundlegenden Bedingungen für ein pädagogisches Lehrer-Schüler-Verhältnis. Lehrer und Schüler fordern und bestimmen sich gegenseitig.

Weitere Faktoren[Bearbeiten]

  • Es ist vonnöten, dass Lehrer und Schüler partnerschaftlich zusammenarbeiten, sei es bei der Wahl der Arbeitsmethode oder der Planung der Unterrichtsschritte.
  • Der Lehrer darf weder autoritär noch „weich“ sein, hierdurch sind ebenfalls die Leistungen der Schüler gefährdet.
  • Der Lehrer soll Interesse für die Interessen der Schüler zeigen.
  • Der Lehrer soll den Schülern die Möglichkeit geben, ihre eigenen Meinungen zu äußern.
  • Der Lehrer soll die Schüler bei ihrer Arbeit unterstützen.
  • Der Lehrer soll den Schülern bei ihren Lernprozessen helfen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Behrensen / Sauerhering / Schwer / Solzbacher (Hrsg.): Jedem Kind gerecht werden? Sichtweisen und Erfahrungen von Grundschullehrkräften. Carl Link Verlag, München 2011.
  • Bröcher, Joachim: Lebenswelt und Didaktik. Unterricht mit verhaltensauffälligen Jugendlichen auf der Basis ihrer (alltags-)ästhetischen Produktionen. Universitätsverlag Winter Heidelberg 1997
  • Bröcher, Joachim: Didaktische Variationen bei Schulverweigerung und Verhaltensproblemen. Band 1: Beziehungsaufnahmen. Verlag BoD Norderstedt 2005
  • Bröcher, Joachim: Anders unterrichten, anders Schule machen. Beiträge zur Schul- und Unterrichtsentwicklung im Förderschwerpunkt Lernen. Universitätsverlag Winter Heidelberg 2007
  • Doll / Müller-Using / Solzbacher (Hrsg.): Ressourcen stärken! Individuelle Förderung als Herausforderung für die Grundschule. Carl Link Verlag, München 2011.
  • Hintz, D./Pöppel, K. G./Rekus, J.: Neues Schulpädagogisches Wörterbuch. 3. überarbeitete Auflage. Juventa Verlag. Weinheim und München 2001
  • Kösel, Edmund:Die Modellierung von Lernwelten.Band I:Die Theorie der Subjektiven Didaktik.Wissenschaftliche Grundlagen.SD-Verlag Bahlingen 4. Auflage 2002.ISBN 3-8311-3224-0