Lehrter Straße

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Lehrter Straße
Wappen
Straße in Berlin
Lehrter Straße
Gründerzeithaus in der Lehrter Straße
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Moabit
Angelegt vor dem 19. Jahrhundert
Hist. Namen Torfstraße
Anschlussstraßen Invalidenstraße (südlich), Perleberger Straße (nördlich)
Querstraßen Kruppstraße, Seydlitzstraße
Bauwerke Kulturdenkmale
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 1000 Meter

Die Lehrter Straße im Berliner Bezirk Mitte verläuft von der Invalidenstraße bis zur Perleberger Straße westlich der Trasse der Lehrter Bahn, die nach Lehrte bei Hannover führt. Sie umfasst 75 Hausnummern, die in Hufeisenform verlaufen. Der Verkehrsweg setzt sich südlich als Clara-Jaschke-Straße fort.

Die vormalige in gerader Nord-Süd-Führung verlaufende Torfstraße wurde durch die Errichtung der Eisenbahnstrecke geteilt. Dabei erhielt der südliche Teil am 6. August 1872 nach der im Jahr 1871 erfolgten Inbetriebnahme des Lehrter Bahnhofs den heutigen Namen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert erstreckten sich entlang der Lehrter Straße auf der westlichen Seite Kasernen, Wohnhäuser für Offiziere und ein Exerzierplatz. Auf der östlichen Seite verliefen hinter oder über Gefängnisgelände und Militärbauten die Bahnanlagen der Lehrter Bahn. Dienstwohnungen für Eisenbahnangestellte waren vorhanden und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auch Wohn-Mietshäuser errichtet.[1]

Nach der deutschen Wiedervereinigung rückte die Lehrter Straße aus ihrer Randlage in die Mitte der Stadt. Die Altbauten wurden saniert, auch ohne dass das Gebiet als Sanierungsgebiet ausgewiesen wurde. Im Jahr 2010 wurden zwei Hotels gebaut, außerdem an der Ecke zur Seydlitzstraße Reihenhäuser mit kleinen Gärten.

Für die Ostseite der Lehrter Straße, wo hinter einer historischen Backsteinmauer auf ehemaligem Bahngelände 34 Gärten der Bahn-Landwirtschaft sowie Gewerbe liegen, hat das Bezirksamt Mitte von Berlin einen Bebauungsplan für ein neues Quartier aufgestellt. Die Berliner Stadtmission errichtete ein Büro- und Kongresszentrum (Lehrter Straße 68).[2] Außerdem betreibt sie hier im Keller ein Sammeldepot für gespendete Kleidung.

Kulturdenkmale entlang der Straße[Bearbeiten]

  • Nr. 5: Zellengefängnisses Moabit (Preußisches Mustergefängnis Moabit) mit Gefängnismauer, Begrenzungsmauer des Anstaltsgartens, drei Beamtenwohnhäusern und Nebengebäuden;[3] ist heute ein Gedenkpark
  • Nr. 6–10: in den 1870er Jahren errichtete Mietshäuser[4]
  • Nr. 27–30: ein Mietshaus mit Hofgebäude, die 1887/1888 für das Unternehmen Berliner Granit- und Marmorwerke M. L. Schleicher errichtet wurden[5]
  • Nr. 35: ehemalige Heeresfleischerei in den 1910er Jahren gebaut. Sie wurde umgenutzt zur Kulturfabrik Moabit mit Theater, Kino, Musikveranstaltungen und Café[6]
  • Nr. 48b: ein 1894 errichtetes Mietshaus[7]
  • Nr. 57: Werkhof, ehemaliges Heeresbekleidungsamt, in dem heute Architekten, Webdesigner, Künstler und andere Personen arbeiten[8]
  • Nr. 58: Reste der Einfriedung des Kgl. Corps-Bekleidungsamtes zu Berlin[9]
  • Nr. 59: das 1927 eröffnete Poststadion mit Hallenbad und Kassenanlage auf dem früheren Exerzierplatz.[10] Das Gelände diente bis 2012 als Sommercamp für Touristen unter der Bezeichnung Tentstation. Nach einer Abschiedsparty wurde es für weitere Bebauung aufgegeben.[11] Die Betreiber sind auf der Suche nach Ausweichquartieren.
  • Nr. 60/61: ehemalige Arrest-Anstalt der Berliner Garnison (Militärgefängnis).
    Die Gebäude wurden noch 2009 durch die Justiz genutzt, sollten jedoch wegen zu hoher Betriebskosten eine andere Nutzung erhalten.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Olaf Saeger: Moabiter Details – Schatten im Paradies. Berlin 1995, ISBN 3-925191-59-3.
  •  Christine Becker (Hrsg.): Weichenstellungen. Geschichte und Zukunft der Lehrter Straße. Transit, Berlin 1991, ISBN 3-88747-068-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Burghard Meise: Es hält ein Zug im Nirgendwo – Bald wird Berlins großer Hauptbahnhof eröffnet. Für Reisende gehört dann die Lehrter Straße zum neuen Zentrum. Eine Führung. Informationen über die Lehrter Straße im Tagesspiegel, 27. Februar 2006, abgerufen am 8. Februar 2011
  2. Homepage des Tagungs- und Kongresszentrums der Stadtmission
  3. Baudenkmalskomplex des ehemaligen Preußischen Mustergefängnisses; nach Plänen von Carl Ferdinand Busse 1842–1849 errichtet. Erweiterungsbauten 1888, 1897
  4. Baudenkmal Mietshausgruppe Lehrter Straße 6–10, 1871–1873 von Brisgen, Stute und Lauenburg
  5. Baudenkmal Lehrter Straße 27–30, Berliner Granit- und Marmorwerke M. L. Schleicher, Mietshaus mit Hofgebäude, 1887/1888 von Richard Krebs
  6. Lehrter Straße 35, Wertheim-Haus, Fabrik und Lagerhaus, 1911/1912 von Ernst Scharnke
  7. Baudenkmal Lehrter Straße 48b, Mietshaus, 1894 von August Spahr
  8. Baudenkmal Lehrter Straße 57, ehemaliges Königliches Corps-Bekleidungsamt zu Berlin, 1896–1898 und 1903 von Zeidler, Feuerstein und Tischmeyer
  9. Kulturdenkmal Lehrter Straße 58, Reste der Einfriedung des Kgl. Corps-Bekleidungsamtes zu Berlin, 1898
  10. Lehrter Straße 59, Poststadion mit Hallenbad und Kassenanlage, 1926–1929 von Demmler, Daniel und Kleefeld
  11. Stefan Strauß: Letzter Tanz im Schwimmbad. In: Berliner Zeitung', 14. Mai 2012; abgerufen am 15. Oktober 2013

52.53111111111113.361388888889Koordinaten: 52° 31′ 52″ N, 13° 21′ 41″ O