Lei do Ventre Livre

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Das Lei do Ventre Livre (portugiesisch für Gesetz des freien Bauches) war ein Gesetz, das 1871 vom brasilianischen Parlament verabschiedet wurde und festlegte, dass künftig von Sklavinnen zur Welt gebrachte Kinder frei sein sollten.

Die Gesetzesinitiative ging von Visconde do Rio Branco José Maria da Silva Paranhos aus. Dieser legte am 27. Mai 1871 den Gesetzentwurf dem Parlament vor. Seiner Auffassung zufolge war die Beibehaltung der Sklaverei schädlich für das Ansehen Brasiliens im Ausland. Das Gesetz wurde in beiden Kammern kontrovers zwischen Liberalen und Konservativen diskutiert. Nach der Zustimmung des Abgeordnetenhauses verabschiedete auch der Senat am 28. September 1871 das Gesetz Nr. 2040. Nach dem Initiator des Gesetzes ist es auch unter dem Namen Lei Visconde do Rio Branco bekannt.

Das Gesetz sah vor, dass der Besitzer der Mutter das Kind bis zum achten Lebensjahr aufzuziehen hatte. Danach konnte er das Kind zum Ausgleich für die entstandenen Kosten bis zum 21. Lebensjahr für sich arbeiten lassen oder vom Staat eine Abfindung in Höhe von 600.000 Réis verlangen. Da der weit überwiegende Teil der Sklaven aber Männer waren und die Kindersterblichkeit bei Sklaven über 90 Prozent lag, hatte das Gesetz keinen großen Effekt. Dennoch stellt es einen ersten Schritt in Richtung Befreiung der Sklaven in Brasilien dar. Die vollständige Abschaffung der Sklaverei wurde erst 17 Jahre später 1888 mit der Lei Áurea realisiert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Text der Lei do Ventre Livre – Quellen und Volltexte (portugiesisch)