Leibermuster (Buntfarbendruck 45)

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Das Leibermuster ist die einzige deutsche Tarnmustervariante, deren Name bekannt ist. (Sumpfmuster und Splittertarn sind Nachkriegsbezeichnungen, die von Sammlern zur einfacheren Unterscheidung eingeführt wurden). Der Name Leibermuster wurde bereits 1945 im sogenannten Richardson-Report benutzt, in dem sämtlichen deutschen Tarnmuster untersucht wurden.

Namensgebung[Bearbeiten]

Federführend bei der Entwicklung war Professer Johann Georg Schick, der bereits für die Waffen-SS ab 1937 Tarnuniformen entwickelte. Der Name „Leibermuster“ geht jedoch auf den Drucktechnik-Ingenieur Hellmut Leiber aus Freiburg (Breisgau) zurück, der mit der Firma „Schlieper & Baum AG“ aus Wuppertal die Fertigungsweise und Farbmischung zum Patent angemeldet hat (Deutsches Patentamt, Patentschrift 897 689 vom 12. März 1944 und vom 15. Oktober 1953, „Verfahren zum Herstellen farbiger Musterungen auf Geweben und anderen Stoffen“).

Zweck[Bearbeiten]

Mit Erreichen der Einführungsreife der deutschen Bildwandlergeräte (Infrarotsichtgeräte) wurde entschieden, dass man auch an eine IR-Abwehr denken musste. Da Deutschland auf dem Gebiet der IR-Technik führend war, wusste man, dass die gegnerischen Nationen folgen würden. Die UdSSR und die USA arbeiteten selbst bereits an solchen Nachtsichtgeräten. Ob man in Deutschland über den Entwicklungsstand der Feindmächte im Bilde war, ist nicht bekannt.

Unter Schick wurde eine Tarnbedruckung entwickelt, die sowohl die visuelle Tarnung mittels Mehrfarbtarndruck als auch die infrarote Tarnung mittels einer Farblösung bot, die die IR-Geräte des Gegners irritieren sollte. Diese Irritation bestand daraus, dass das Ziel im Sichtgerät nicht klar erkannt werden konnte, da diese bestimmten Tarndrucke ein klares Sichtbild des Zieles beeinträchtigte.

Die Farbmischung des offiziell Buntfarbendruck 45 genannten Tarnmusters bestand aus dunkelgrün, hellgrün, rot, gelbbraun und schwarz. Diese schwarze Farbe bestand aus einem hohen Karbonanteil, weshalb IR-Geräte den Träger nicht als klares Ziel aufnehmen konnten. Die Umrisse des Körpers konnten somit aufgebrochen und mit dem Hintergrund besser verschmolzen werden.

Die Farben wurden von BASF, Hoechst und Bayer hergestellt.

Nutzung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Uniformen im Leibermuster sind heutzutage die seltensten Tarnmuster, da diese erst ab Frühjahr 1945 in Produktion gingen. Alle Bilder, die Soldaten mit diesen Uniformen zeigen, wurden im Mai 1945 in der ehemaligen Tschechoslowakei aufgenommen. Da dort eine große Bekleidungsindustrie ansässig war ist davon auszugehen, dass vorwiegend in dem Raum diese Uniformen hergestellt wurden. Erst 2010 ist eine größere Menge Bilder aus dem Raum aufgetaucht, die Soldaten mit Leibermusteruniformen zeigen.

Leibermuster war dabei keine Tarnung der Waffen-SS, vielmehr sollte sie alle bisherigen Tarnuniformen von Wehrmacht (Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine) und der Waffen-SS ersetzen. Die bekannten Originalfotos zeigen bisher Heeressoldaten in Leibermusterkleidung, keine Angehörigen der Waffen-SS.

Bekannt sind derzeit nur Feldblusen und Feldhosen aus leichten Drillichmaterial und im vereinfachten Schnitt der Felduniform 44. Der Grundstoff ist dabei ein naturweißer Drillich, der durch Rollendruck bedruckt ist. Da die verschiedenen Farben nicht übereinandergedruckt wurden entstanden so oft Verschiebungen der Tarnflecken, die dann einen dünnen weißen Rand zwischen den Farbverläufen ergaben. Das Druckmuster wiederholte sich alle 80cm, also dem Umfang einer Druckrolle. Der Tarnverlauf der schwarzen Streifen war meistens waagerecht, es gibt jedoch auch Uniformteile, deren Grundstoff vertikal verarbeitet wurde.

In einer US-amerikanischen Sammlung befindet sich ein Wendeparka (weiß/Buntfarbendruck), dessen Originalität jedoch angezweifelt wird. Feldmützen, Viertaschenröcke, Helmbezüge und Panzerkombis gab es nicht, diese Teile werden jedoch von asiatischen Reproduktionsherstellern angeboten.

Bei lesbaren Herstellerkodierungen (Reichsbetriebsnummern) findet sich meistens der Kode RBNr. 0/0135/5043.

Nachkriegsnutzungen und -Entwicklungen[Bearbeiten]

Deutschland und Belgien[Bearbeiten]

Mit dem Scheitern der Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG)im Jahre 1954 musste sich die Bundesrepublik Deutschland für die aufzustellende Armee um eigene Ausrüstung und Uniformen kümmern. Es war geplant, dass eine einheitliche Uniform, Abzeichen und Ausrüstung für alle teilnehmenden Länder eingeführt wird. Bisher wurde seitens deutscher Hersteller eine Feldflasche und ein Tarnanzug im Leibermuster vorgeschlagen, von denen die Feldflasche 1956 in die Bundeswehr eingeführt wurde (Hersteller Paul Schulze, Lübbecke, und in Sammlerkreisen als Modell 56 bekannt ist). Der Leibermuster-Anzug wurde nach deutschen Vorgaben in Belgien von den Firmen RAKA und K.-H. im Jahre 1955 hergestellt und auch bei der Vorstellung deutscher Bundeswehrunifomren im Juni 1955 in einer Pressekonferenz gezeigt. Eingeführt wurde jedoch eine Tarnuniform im veränderten Splittermuster 31. Der Name des deutschen Leibermusteranzuges sollte "Gefechtsanzug 52" heißen, dem Jahr des Entwicklungsbeginns.

In dem Muster sollten hergestellt werden: Hose, anknöpfbare Kapuze, Jacke, Zeltbahn, Zeltbahntasche, Zeltzubehörtasche.

Die belgische Armee hat 20.000 Anzüge bestellt und die Einführung beschlossen, den Auftrag jedoch nach dem Scheitern der EVG-Bemühungen zurückgezogen. Belgien führte 1956 einen Tarnanzug mit abgewandeltem britischen Muster ein.

Die Bundeswehr führte 1956 eine Zeltbahn ein, die die schwarzen Karbonflecken auf einem dem Splittertarn des genutzten Tarnanzuges ähnlichen Musters zeigte. Das bei Sammlern Amöbentarn genannte Tarnmuster wurde so nur auf der Zeltbahn, der Zeltbahntasche und der Zeltzubehörtasche eingeführt.

Schweiz[Bearbeiten]

Die Schweiz führte 1956 einen Kampfanzug ein, der aus Hose, Jacke mit Gesichtsschleier und Rucksack bestand, die aus einer Abwandlung des Leibermusters hergestellt waren. Das Tarnmuster wurde Kampfanzug 53 genannt, der Anzug jedoch als Kampfanzug 56 eingeführt. Der Rucksack war ebenfalls aus Tarnstoff und sollte ohne Träger in die Jacke eingehakt werden, also ähnlich dem Konzept der Bundeswehr von 1955, nachdem der Soldat "aus den Taschen" kämpfen und nicht mir Koppeltrageausrüstung zusätzlich belastet werden sollte.

Das schweizerische Tarnmuster bestand aus einem stärkeren Rotanteil, bei dem sich die anderen Tarnfarben teilweise überdeckten. Auch hier wurde eine schwarze Karbonfarbe genutzt, um ein Verschmelzen der Umrisse des Soldaten in ultraviolettem Licht zu gewährleisten.

Tschechoslowakei[Bearbeiten]

Nach dem 2. Weltkrieg nutzte die neugegründete Tschechoslowakische Volksarmee das Leibermuster für einige Jahre, wobei die Uniformen vermutlich aus alten, für die Wehrmacht hergestellten Beständen stammte. Ab 1947 stellte die CSSR eine eigene Abart des Leibermusters her, bei dem die Grundfarbe mehr grün enthielt und die Farben überdruckt wurde, so dass keine Farbverschiebungen auftraten. Die schwarzen Karbonflecken wurden übernommen. Erst in den 60er Jahren wurde das tschechische Leibermuster durch eine neue Tarnuniform ersetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrew Steven, Peter Amodio: Waffen-SS Uniformen in Farbe. (Europa Militaria Band 6). Dissberger, Düsseldorf 1990, ISBN 3-924753-32-6.
  • Lothar Schuster: Das Ausstattungssoll der Heeresangehörigen der Bundeswehr 1956–2010. Zeughausverlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-938447-47-5.
  • Werner Palinckx: Camouflage Uniforms of the Wehrmacht. Schiffer Publications, Atglen 2002, ISBN 0-7643-1623-0.
  • Francis S. Richardson: Camouflaged fabrics both plain and orinted for military use by the Wehrmacht and Waffen-SS. 20. Juli 1945, Neudruck London 1995.