Leibstadt

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Leibstadt
Wappen von Leibstadt
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4311i1f3f4
Postleitzahl: 5325
UN/LOCODE: CH LBT
Koordinaten: 655494 / 27132647.5902788.176394347Koordinaten: 47° 35′ 25″ N, 8° 10′ 35″ O; CH1903: 655494 / 271326
Höhe: 347 m ü. M.
Fläche: 6.39 km²
Einwohner: 1246 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 195 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 29,5 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.leibstadt.ch
Leibstadt kurz nach Sonnenaufgang

Leibstadt kurz nach Sonnenaufgang

Karte
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Leibstadt (in der lokalen Mundart: Löipschlet, ˈlœɪpʃlət)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt am Hochrhein an der Grenze zu Deutschland und ist bekannt als Standortgemeinde des Kernkraftwerks Leibstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht geologisch aus zwei Teilen: Im Norden die flache, rund einen Kilometer breite Rheinebene, im Süden die Ausläufer des Tafeljuras. Die Wandfluh im Südwesten ist sehr steil und von einzelnen Kalkfelsen durchzogen. Im Süden liegt eine flache Hochebene, die bis auf eine Höhe von 509 Metern reicht. Die südöstliche Grenze bildet die 462 Meter hohe Hochwacht. Das Siedlungsgebiet erstreckt sich über eineinhalb Kilometer von Nord nach Süd. Im Norden liegt nahe dem Ufer des Rheins der Ortsteil Bernau. Das Dorfzentrum befindet sich am Rande der Ebene, unmittelbar vor den Südhängen von Brüehalde und Winterberg, zwei steilen vorspringenden Hügeln. Zwischen diesen Hügeln liegt in einem tief eingeschnittenen Tal das südliche Drittel des Dorfes.[4]

Die Fläche der Gemeinde beträgt 639 Hektaren, davon sind 218 Hektaren bewaldet und 118 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 530 Metern an der Wandfluh, der tiefste auf 302 Metern am Ufer des Rheins.

Nachbargemeinden sind Full-Reuenthal im Nordosten, Leuggern im Osten, Mettauertal im Südwesten, Schwaderloch im Westen und das deutsche Dogern im Norden.

Geschichte[Bearbeiten]

Früheste Siedlungsspuren in der Gegend von Leibstadt stammen von den Helvetiern, einem Keltenstamm, der um 500 v. Chr. dieses Gebiet in Besitz nahm. Ab 58 v. Chr. herrschten hier die Römer. Von 259 bis 277 hielten die Alamannen das Gebiet südlich des Rheins besetzt, bevor sie von den Römern zurückgedrängt wurden. Der Rhein bildete die Nordgrenze des Römischen Reichs, bei Bernau bestand ein Wachtturm. Um 400 zogen sich die Römer endgültig über die Alpen zurück. Die Alamannen besiedelten die Region und verdrängten allmählich die romanisierten Kelten. Das Dorf Leibstadt entstand wahrscheinlich im 8. Jahrhundert.

Im Jahr 1231 vermachten die Freien von Bernau ihren Grundbesitz dem Johanniterorden. Die erste urkundliche Erwähnung von Leibesteit erfolgte im Jahr 1240. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) leibesteti und bedeutet «bei der Wohnstätte des Leip».[3] Die Johanniter teilten ihren neu erworbenen Besitz zunächst der Kommende Bubikon im Zürcher Oberland zu, 1250 gründeten sie die Kommende Leuggern. Diese wurde das religiöse und politische Zentrum des Kirchspiels Leuggern, das die heutigen Gemeinden Leuggern, Böttstein, Full-Reuenthal und Leibstadt umfasste. Die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den Habsburgern.

Die Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 hatte für Leibstadt einschneidende Folgen. Dem Dorfbach entlang wurde eine Grenze gezogen. Unterleibstadt im Westen gehörte zu Vorderösterreich, Oberleibstadt im Osten blieb Teil des Kirchspiels Leuggern und gelangte zur Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft der Eidgenossen. Die Grenze verlief mitten durch die Burg Bernau und die Mühle. Während des Schwabenkrieges von 1499 wurde Leibstadt verwüstet und geplündert. Die Burg Bernau brannte nieder und wurde später wieder aufgebaut. Von 1529 bis 1531 hielten Truppen der reformierten Stadt Bern das Kirchspiel besetzt, die Bevölkerung blieb jedoch katholisch.

Die Johanniterkommende Leuggern übte in Oberleibstadt sowie einem Teil von Unterleibstadt die niedere Gerichtsbarkeit aus. Vor allem in Unterleibstadt kam es aber immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten mit den Besitzern der Herrschaft Bernau. Diese Herrschaft wechselte in regelmässigen Abständen ihren Besitzer und umfasste Unterleibstadt, die Burg Bernau, Gansingen und Schwaderloch.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und das Kirchspiel gelangte zum kurzlebigen Kanton Baden der Helvetischen Republik. Es entstanden die Munizipalitäten Böttstein und Leuggern. Während des Zweiten Koalitionskrieges im Jahr 1799 verlief die Frontlinie zwischen Franzosen und Österreichern mitten durch das Aaretal östlich von Leibstadt. Durch Requirierungen und Zwangseinquartierungen litt die Bevölkerung grosse Not.

Nachdem 1803 durch die Mediationsakte von Napoleon Bonaparte der Kanton Baden aufgelöst und im Kanton Aargau aufgegangen war, wurden die Dörfer des Kirchspiels in einer einzigen Gemeinde wiedervereinigt. Mit einer Fläche von über 30 Quadratkilometern war sie die grösste des Kantons. Leibstadt blieb aber weiterhin geteilt: Während Oberleibstadt zum Bezirk Zurzach gehörte, war Unterleibstadt eine Gemeinde des Bezirks Laufenburg.

Das Kantonsparlament beschloss 1816 die Teilung der Grossgemeinde in die Gemeinden Böttstein, Leuggern und Oberleibstadt. Es war der Meinung, eine derart grosse Gemeinde ohne eigentliches Zentrum sei wirtschaftlich nicht überlebensfähig. Bis 1832 gehörten auch Full und Reuenthal zu Oberleibstadt, diese Dörfer bilden seither eine eigenständige Gemeinde. 1844 brannte die Burg Bernau nieder. Die willkürliche Grenze mitten durch das Dorf wurde zunehmend als unpraktisch empfunden, da Unter- und Oberleibstadt in vielen Bereichen zusammenarbeiteten (so wurden beispielsweise die Schule und die Feuerwehr gemeinsam geführt). Am 3. Mai 1866 beschloss das Kantonsparlament die Herauslösung von Unterleibstadt aus dem Bezirk Laufenburg und die Wiedervereinigung mit Oberleibstadt. Die beiden Gemeinden Unter- und Oberleibstadt, wurden per 1. August 1866 zur neuen bis heute bestehenden Gemeinde Leibstadt vereinigt.

Luftaufnahme Kernkraftwerk Leibstadt

Die Bevölkerung Leibstadts lebte bis ins frühe 20. Jahrhundert weitgehend von der Landwirtschaft, die Industrialisierung hielt nur langsam Einzug. Am 1. August 1892 wurde die Bahnstrecke Stein-Säckingen–Koblenz eröffnet. Diese ist allerdings seit dem 28. Mai 1994 auf dem Abschnitt Koblenz–Laufenburg für den Personenverkehr geschlossen.

Mit dem Bau des Rheinkraftwerks Albbruck-Dogern wurde die Personenfähre nach Dogern durch eine Strasse ersetzt, die über das Stauwehr und eine Brücke über den Oberwasserkanal verläuft. Diese Strasse ist aber nur für Fussgänger und Fahrradfahrer geöffnet. Der Bau bescherte der Gemeinde einen wirtschaftlichen Aufschwung; nicht nur während des Baus, sondern auch danach, da sie für den auf ihrem Gemeindegebiet aufgestauten Rhein Wasserzins erhält.

1965 wurden erstmals Pläne für den Bau eines Kernkraftwerks in Leibstadt der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bauarbeiten begannen 1973. Nach dem Reaktorzwischenfall von Three Mile Island im Jahr 1979 führten neue Sicherheitsbestimmungen zu einer erneuten Verzögerung des Kraftwerkbaus. Das Kernkraftwerk wurde schliesslich 1984 nach elfjähriger Bauzeit eröffnet und kostete am Ende fünf statt zwei Milliarden Franken. Dank der reichlich fliessenden Steuereinnahmen konnte Leibstadt sämtliche Schulden zurückzahlen und war einige Jahre lang sogar die steuergünstigste Gemeinde des Kantons.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Loretokapelle

Im Ortsteil Bernau befindet sich die 1672 erbaute und 1673 vom Basler Weihbischof Johann Kaspar Schnorf geweihte Loretokapelle. Sie diente den Freiherren von Roll zu Bernau als Familiengruft. 1801 wurde die Kapelle verkauft und gelangte später in den Besitz der Gemeinde Oberleibstadt. Der Friedhof neben der Kapelle besteht seit 1869. In den Jahren 1955 und 1956 wurde die Kapelle mit finanzieller Unterstützung von Kanton, Ortsbürgern, Einwohner- und Kirchgemeinden sowie Privatpersonen grundlegend saniert. Eine zweite Restaurierung der Loretokapelle konnte 1987 / 1988 mit Kostentragungen der Gemeinde Leibstadt und der Stiftung „Pro Leibstadt“ durchgeführt werden. Der Aargauische Regierungsrat stellte die Kapelle am 13. Dezember 1963 unter Denkmalschutz.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot weiss-schwarz geteilter Schrägbalken.» Bis 1930 besass die Gemeinde kein eigenes Wappen und nahm dann jenes der Freien von Bernau an.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1798 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 470 911 838 909 772 832 1001 1254 1197 1298 1321

Am 31. Dezember 2013 lebten 1246 Menschen in Leibstadt, der Ausländeranteil betrug 29,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 59,6 % römisch-katholisch, 15,3 % reformiert und 16,2 % muslimisch; 0,5 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 84,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 8,8 % Albanisch, je 1,9 % Italienisch und Türkisch, 1,0 % Serbokroatisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Leibstadt gehört zum Friedensrichterkreis Leuggern.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Leibstadt gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1000 Arbeitsplätze, davon 6 % in der Landwirtschaft, 67 % in der Industrie und 27 % im Dienstleistungssektor.[9] Der mit Abstand wichtigste Arbeitgeber und Steuerzahler ist das Kernkraftwerk Leibstadt mit 400 Arbeitsplätzen. Daneben gibt es ein Holzwerkstoffzentrum, eine Mühle sowie zahlreiche kleine Dienstleistungsbetriebe.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Leibstadt verläuft die vielbefahrene Hauptstrasse 7 zwischen Basel und Winterthur; hier zweigt die Hauptstrasse 17 in Richtung Zürich ab. Das Dorf wird durch zwei Postautolinien erschlossen. Eine führt von Laufenburg über Leibstadt nach Döttingen, die andere von Leibstadt zum Bahnhof Koblenz (ausserhalb der Hauptverkehrszeiten als Rufbus). Der Bahnhof von Leibstadt ist seit 1994 für den Personenverkehr geschlossen.

Bildung[Bearbeiten]

In Leibstadt gibt es einen Kindergarten, eine Primarschule und ein Oberstufenschulzentrum mit Realschule und Sekundarschule. Die Bezirksschule kann in Leuggern besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Töchter und Söhne der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Sarah Brian Scherer, Dominik Sauerländer, Andreas Steigmeier: Das Kirchspiel Leuggern, Geschichte von Böttstein, Full-Reuenthal, Leibstadt und Leuggern. 2001.
  •  Otto Vögele: Die Gemeinde Leibstadt, zum 125 jährigen Jubiläum 1866 – 1991. 1991.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leibstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 242–243.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 198.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.