Leichte Sprache
Die Leichte Sprache oder Einfache Sprache ist eine besonders leicht verständliche sprachliche Ausdrucksweise. Sie erleichtert Menschen das Verstehen von Texten. Besonders hilfreich ist sie für Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen. Sie dient damit auch der Barrierefreiheit.
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Konzept [Bearbeiten]
Die Grundsätze der Leichten Sprache lassen sich in die folgenden, vom Netzwerk Leichte Sprache aufgestellten Regeln gießen:[1]
- Es werden kurze Sätze verwendet.
- Jeder Satz enthält nur eine Aussage.
- Der Konjunktiv wird vermieden.
- Abstrakte Begriffe werden vermieden; wo sie notwendig sind, werden sie durch anschauliche Beispiele oder Vergleiche erklärt.
- Wenn Fremdwörter oder Fachwörter vorkommen, werden sie erklärt.
- Bei langen Zusammensetzungen wird durch Bindestriche deutlich gemacht, aus welchen Wörtern die Zusammensetzungen bestehen.
- Abkürzungen werden beim ersten Vorkommen durch die ausgeschriebene Form erklärt.
- Es wird keine Kindersprache verwendet.
- Bilder oder Filme helfen, einen Text besser zu verstehen.
- Wörter werden nicht in durchgehenden Großbuchstaben geschrieben. Kursive Schrift wird nicht verwendet.
- Texte werden übersichtlich gestaltet.
Realisierung [Bearbeiten]
Die Leichte Sprache benötigen unter anderem Hörgeschädigte, Gehörlose, Menschen mit geistiger Behinderung, Analphabeten, Migranten und Touristen mit wenig Kompetenz in der deutschen Sprache. Hörgeschädigte und Gehörlose verstehen die Schrift- und Lautsprache nicht so gut, wie es normal Hörende tun, denn als Kind lernt der Mensch Sprache vor allem über das Gehör. Texte müssen deshalb barrierefrei sein und die Leichte Sprache verwenden. Auf der Website des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte in Hildesheim können seit Januar 2013 einige Texte im Bereich Berufliche Rehabilitation in den Versionen normale Sprache und leichte Sprache aufgerufen werden. Die Übersetzungen in die Leichte Sprache wurden von 21 Studenten des Masterstudienganges Medientext und Medienübersetzung der Universität Hildesheim unter der Leitung von Prof. Dr. Christiane Maaß angefertigt. Die Studenten benötigten einschließlich Einarbeitungszeit zwei Monate. Daran wird deutlich, dass die Übersetzung in die Leichte Sprache sehr zeitaufwendig ist. Eine Schwierigkeit ist z. B., dass die Übersetzung vieldeutiger Worte von der im Text gemeinten Bedeutung ausgehen muss.[2] Einige Behörden, beispielsweise der Deutsche Bundestag, verwenden auf ihrer Webseite neben der normalen Sprache auch die leichte Sprache.
- Textbeispiele für normale Sprache und leichte Sprache
- Leitung der Beruflichen Rehabilitation
- Berufsfelder
- Sozial-pädagogischer Fach-Dienst
- Psychologischer Fach-Dienst
- Medizinischer Fach-Dienst
- Was macht der Bundes-Tag?
Vertreter und Förderung [Bearbeiten]
Das Netzwerk Leichte Sprache, dem unter anderem die Bundesvereinigung Lebenshilfe und die Selbsthilfegruppe Mensch zuerst angehören, fördert die Verwendung der leichten Sprache. Für seinen Einsatz für die Verwendung Leichter Sprache mit dem Ziel erhielt der Verein Mensch zuerst im Jahre 2009 den Initiativpreis des Vereins Deutsche Sprache.[3]
Der Bundesverband Alphabetisierung e. V. hat besondere Empfehlungen für Leichte Sprache in Alphabetisierungskursen herausgegeben.[4]
Als Gütesiegel für Texte in leichter Sprache hat der Verein Inclusion Europe ein „Europäisches Logo für Leichte Sprache“ geschaffen.[5].
Literatur [Bearbeiten]
- Europäische Vereinigung der ILSMH (Hrsg.): Sag es einfach! Europäische Richtlinien für die Erstellung von leicht lesbaren Informationen für Menschen mit geistiger Behinderung für Autoren, Herausgeber, Informationsdienste, Übersetzer und andere interessierte Personen. Europäische Vereinigung der ILSMH, Brüssel 1998, ISBN 2-930078-12-X (http://www.webforall.info/downloads/EURichtlinie_sag_es_einfach.pdf, abgerufen am 3. August 2012). (PDF, 52 KB)
- Mensch Zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V. (Hrsg.): Das neue Wörterbuch für Leichte Sprache. 1. Auflage. Mensch Zuerst - Netzwerk People First Deutschland, Kassel 2008, ISBN 978-3-937945-08-8.
- Inclusion Europe (Hrsg.): Informationen für alle. Europäische Regeln, wie man Informationen leicht lesbar und leicht verständlich macht.. Inclusion Europe, Brüssel 2009, ISBN 2-87460-111-X (http://bidok.uibk.ac.at/download/inclusion-europe---europaeische-reglen-ll.pdf; 1,03 MB, abgerufen am 3. August 2012).
Weblinks [Bearbeiten]
- Hurraki – Wörterbuch in Leichter Sprache
- Netzwerk leichte Sprache von Mensch zuerst, mit Regeln für leichte Sprache (PDF; 1,1 MB)
- Deutsches Institut für Menschenrechte, Medien in Leichter Sprache
- VdK, Film über Leichte Sprache
- Deutschlandfunk: Nachrichten in Leichter Sprache
- Nachrichtenwerk.de: Nachrichten in einfacher, leichter Sprache
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ [1] (PDF; 1,1 MB)
- ↑ Artikel Leichte Sprache ist gar nicht so leicht in Kehrwieder am Sonntag, Hildesheim, 3. Februar 2013, Seite 5.
- ↑ Cornelia Funke ist Trägerin des Jacob-Grimm-Preises Deutsche Sprache. Verein Deutsche Sprache, 12. Mai 2009, abgerufen am 16. November 2009.
- ↑ Sven Nickel: Funktionaler Analphabetismus – Ursachen und Lösungsansätze hier und anderswo (PDF; 1,3 MB) Was ist einfach zu lesen? Kriterien leicht lesbarer Lektüre S.16
- ↑ Europäische Vereinigung der ILSMH (Hrsg.): Sag es einfach! Europäische Richtlinien für die Erstellung von leicht lesbaren Informationen für Menschen mit geistiger Behinderung für Autoren, Herausgeber, Informationsdienste, Übersetzer und andere interessierte Personen. Europäische Vereinigung der ILSMH, Brüssel 1998, ISBN 2-930078-12-X (http://www.webforall.info/wp-content/uploads/2012/12/EURichtlinie_sag_es_einfach.pdf, abgerufen am 16.05). (PDF, 52 KB); [ About the use of the European easy-to-read logo] auf der Website von Inclusion Europe, abgerufen am 4. August 2010