Leichtfahrzeug

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Aktuelles Leichtelektromobil eines deutschen Herstellers.[1]
Historisches Leichtfahrzeug: Arola 20 des ehemaligen französischen Herstellers Arola SARL
Modernes Leichtfahrzeug: Ligier Nova

Ein Leichtfahrzeug (amtlicher Begriff: Leichtkraftfahrzeug bzw. leichtes vierrädriges Kraftfahrzeug) ist ein meist vierrädriges motorisiertes Fahrzeug, das deutlich leichter und kleiner ist als ein klassisches Automobil. Auch die Bezeichnungen Leichtmobil und Kleinfahrzeug sowie Mopedauto werden verwendet.

Es nimmt dadurch in ruhendem und fließendem Verkehr und im Stau weniger Platz ein. Bis zu 3 solcher Fahrzeuge passen auf einen PKW-Parkplatz. Das Leichtfahrzeug schließt die Lücke zwischen Motorrad bzw. Quad und dem herkömmlichen Pkw. Dementsprechend nehmen Leichtfahrzeuge im Regelfall eine oder zwei Personen auf und haben einen Wind- und Wetterschutz. Sie sind auch sparsamer ausgestattet als Autos.

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV), aktuell vom 3. Februar 2011 definiert vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge als „vierrädrige Kraftfahrzeuge mit einer Leermasse von nicht mehr als 350 kg, ohne Masse der Batterien bei Elektrofahrzeugen, mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 45 km/h, mit Fremdzündungsmotor, dessen Hubraum nicht mehr als 50 cm³ beträgt oder mit einem anderen Verbrennungsmotor oder Elektromotor, dessen maximale Nennleistung nicht mehr als 4 kW beträgt“.

Derartige Fahrzeuge sind von der Hauptuntersuchung und Zulassung befreit, das heißt, es muss keine Kfz-Steuer für die Haltung entrichtet werden. Zur Inbetriebnahme des Fahrzeugs im öffentlichen Straßenverkehr ist ein Versicherungskennzeichen erforderlich. Auch dreirädrige Kraftfahrzeuge wurden früher als Leichtkraftfahrzeug eingestuft, beispielsweise die auf 45 gedrosselten 45-km/h-Versionen des CityEl. Nach der überarbeiteten FZV zählen diese zu den Kleinkrafträdern mit gleicher Beschränkung in Hubraum, Motorleistung bei E-Fahrzeugen und Geschwindigkeit auf 45 km/h.

Vor allem die wenig praxisgerechte 45-km/h-Limitierung verringert die Akzeptanz und Verbreitung der Leichtfahrzeuge, vor allem in Deutschland. Andere Leichtfahrzeuge wie Twike, Sam oder Twizy werden auf Grund der höheren Endgeschwindigkeit auch als Automobil eingestuft.

Geschichte und aktuelle Entwicklung[Bearbeiten]

Würde heute als Leichtfahrzeug bezeichnet: Messerschmitt Kabinenroller

Leichtfahrzeuge sind keine neue Erscheinung, sondern gewissermaßen eine Rückkehr zu den "Rollermobilen" und Kleinfahrzeugen der 1950er Jahre. Damaliger Grund für die Popularität war die preisgünstige Möglichkeit für fast jedermann, ein überdachtes Fahrzeug zu besitzen. In den 1970er und 1980er Jahren wurden mit der zunehmenden Verbreitung des Automobils diese Fahrzeuge weitgehend aus dem Straßenbild verdrängt. Da ihre Nutzung aufgrund einer Gesetzeslücke für Inhaber älterer Mopedführerscheine zulässig war, verschwanden sie jedoch nicht ganz.

Die Intention heutiger Entwicklungen liegt mehr in der Lösung aktueller Verkehrsprobleme. Die derzeitige geringe Nachfrage und Marktaufteilung stellt Leichtfahrzeuge eindeutig als Nischenfahrzeuge dar. Die Marktsegmente von Fahrrad, Motorrad und Auto sind klar aufgeteilt und haben ihre jeweilige Anhängerschaft, neue Hybride zwischen diesen Fahrzeugen haben es schwer, die notwendige Verbreitung zu erlangen, selbst wenn hohe Aufmerksamkeit erzielt wird. Ein Beispiel dafür war der geringe Erfolg des BMW C1 am Markt. Auch die derzeit geringe Verbreitung von Velomobilen und Elektroautos ist zum Teil darauf zurückzuführen.

Bereits angebotene Fahrzeuge orientieren sich im Erscheinungsbild und Räderzahl zurzeit im Wesentlichen am klassischen Auto.

Die größten Hersteller sind Aixam, Ligier, Microcar, Chatenet und JDM. In Europa sind die Leichtkraftfahrzeuge am häufigsten in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Österreich und in den Niederlanden vertreten.

Fahrerlaubnis[Bearbeiten]

Leichtkraftfahrzeuge[Bearbeiten]

Seit dem 19. Januar 2013 dürfen in Deutschland Jugendliche ab 16 Jahren, die im Besitz des Führerscheins Klasse AM sind, entsprechend ausgelegte Fahrzeuge (Begrenzungen bei Gewicht, Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit) lenken. Auch für Ältere oder Gehbehinderte sind die Leichtkraftfahrzeuge eine Möglichkeit, mobil zu bleiben. Zudem sind sie eine preiswerte Alternative, da weder Haupt- noch Abgasuntersuchung erforderlich sind, keine Kfz-Steuer gezahlt werden muss und im Vergleich zu stärkeren Kfz geringe Versicherungskosten anfallen.[2]

Im Unterschied zu anderen Kleinwagen und Kleinstwagen kann der Wagen in manchen Ländern ohne PKW-Führerschein mit einem Moped-Führerschein gefahren werden.

Die Leichtkraftfahrzeuge können in Österreich mit dem Mopedschein mit der Eintragung vierrädriges Leichtkraftfahrzeug bewegt werden.

Andere Leichtfahrzeuge[Bearbeiten]

Je nach Konstruktion und Antriebsart ist bei anderen Leichtfahrzeugen kein Führerschein erforderlich (z. B. Alleweder-E) oder sogar ein PKW-Führerschein Klasse B (z. B. Twike).

Sicherheit[Bearbeiten]

Ein Argument gegen Leichtfahrzeuge ist deren geringere passive Sicherheit gegenüber dem Auto, wobei gut konstruierte Leichtfahrzeuge vergleichbar mit gewöhnlichen Autos sind.[3] Im Vergleich zu Zweirädern ergibt sich jedoch eine Erhöhung der Sicherheit. Zudem ist die äußere Sicherheit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern höher als beim Auto.

Es wird befürchtet, dass die Anzahl der am motorisierten Straßenverkehr teilnehmenden Jugendlichen sich mit mehrspurigen Fahrzeugen erhöhen wird und sich dies in steigenden Unfallzahlen bemerkbar machen wird. Die Auswirkungen der frühen Gewöhnung Jugendlicher an den Straßenverkehr mit geringeren Geschwindigkeiten auf die Unfallstatistik können erst nachträglich ermittelt werden. Während geringere Geschwindigkeiten generell ein Sicherheitsgewinn darstellen, führen große Geschwindigkeitsunterschiede im gleichen Straßenraum zu mehr Unfällen.

In einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zu Benzin-Lkfz wird ihre Sicherheit mit Skepsis betrachtet und in Frage gestellt.[4] Dagegen haben Untersuchungen von Leichtelektromobilen im Vergleich zu Autos auf ein verringertes Sicherheitsrisiko im Stadtverkehr hingewiesen, dies wegen einer messbar ruhigeren Fahrweise.[5] Beides kann richtig sein, da verschiedene Benutzergruppen ganz unterschiedliche Fahrweisen haben können: einerseits Personen, die ihren Auto-Führerausweis wegen Vergehen verloren haben, andererseits "Öko-Pioniere"; einerseits Junge, die noch nicht Auto fahren dürfen, andererseits Alte, die nicht mehr möchten. Bisher sind die Prämien für Lkfz-Haftpflichtversicherungen, die sich an der Unfallhäufigkeit orientieren, generell niedriger als für schnellere und schwerere Fahrzeuge.

Vor- und Nachteile der Leichtkraftwagen[Bearbeiten]

Vorteile[Bearbeiten]

  • Auch für Personen geeignet, die keinen regulären Führerschein besitzen.
  • Deutliche Vorteile im Vergleich zu einem Motorrad oder Moped bezüglich Komfort (teilweise Klimaanlage, Autoradio) und Sicherheit (serienmäßig Gurtstraffer und kraftabsorbierende Fahrzeugträger, teilweise Airbags).
  • Geringere Unterhalts- und Wartungskosten im Vergleich zu herkömmlichen PKW
  • Die Fahrwerke wurden kontinuierlich weiter entwickelt und bieten daher heute ein ausgezeichnetes Fahrverhalten, das wegen der günstigen Gewichtsverteilung vielen herkömmlichen PKW-Modellen überlegen ist.
  • Moderne Einspritzsysteme senken den Kraftstoffverbrauch, so dass Leichtfahrzeuge heute zu den sparsamsten und umweltschonendsten Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor überhaupt zählen. Noch sparsamer ist der bei vielen Modellen erhältliche Elektroantrieb (Energieverbrauch: Verbrennungsmotor ca. 30 kWh/100 km, Elektromotor ca. 6 kWh/100 km). Dabei ist ein Batteriesatz für ein Leichtelektrofahrzeug wesentlich billiger als der für ein schwereres Elektroauto.

Nachteile[Bearbeiten]

  • Für einige Verwendungszwecke zu geringes Platzangebot.
  • Die reguläre Geschwindigkeit ist gesetzlich sehr stark begrenzt worden.
  • Die Kraftfahrzeugversicherung ist in manchen Fällen im Vergleich zu Zweirädern relativ hoch.

Quad[Bearbeiten]

Ein Quad (quad = vier) ist nach Richtlinie 92/61/EWG ein: „Kraftradähnliches Vierradkraftfahrzeug in verschiedenen Fahrzeug- und Aufbauarten“. Diese Richtlinie beschränkt diese Vierradkraftfahrzeuge auf eine Leistung von maximal 15 kW und einem maximalen Leergewicht von 400 kg und ordnet damit einen großen Anteil der Quad-Fahrzeuge auch den Leichtfahrzeugen zu. Fahrzeuge über 15 kW Leistung sind von der Richtlinie 92/61/EWG nicht mehr erfasst. Sie können daher nur noch als PKW oder als land- und forstwirtschaftliche Zugmaschine zugelassen werden.

Quads sind meist sehr geländegängig. Die Vorläuferfahrzeuge mit Kugelbereifung und zwei bis acht Rädern waren vor allem im militärischen Bereich angesiedelt. Ein Beispiel ist das deutsche KRAKA. Quads dienen heute vorwiegend als Offroad-Freizeitfahrzeuge.

Leichtelektromobil[Bearbeiten]

Hauptartikel: Leichtelektromobil
Vollelektrisches CityEL FactFour der Smiles AG
Elektrisches Twike

Als Leichtelektromobil (LEM) wird ein batteriebetriebenes, vierrädriges Fahrzeug in Leichtbauweise bezeichnet, welches in seiner Bauart zwischen einem Elektrorad und einem Elektromobil bzw. Elektroauto steht. Amtliche Bezeichnung: Vierrädriges Leichtkraftfahrzeug mit einer Leermasse bis zu 350 kg (ohne Batterien) mit bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h (EG-Fahrzeugklasse: L6e). Dreirädrige Fahrzeuge werden als (Klein-) Krafträder bezeichnet.

Diese Elektrofahrzeuge, (englisch Neighborhood Electric Vehicle) für die es in Deutschland noch keine einheitliche, umgangssprachliche Bezeichnung gibt, machen weltweit mit über 500.000 Fahrzeugen, den größten Anteil an mehrspurigen Elektrofahrzeugen aus![6]

Nachdem um 1900 Elektromobile im Vergleich zu den mit Verbrennungsmotor angetriebenen Automobilen durchaus konkurrenzfähig waren, gab es erst nach der Ölkrise wieder Bestrebungen, Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Ein grundlegendes Problem der Elektrofahrzeuge liegt in dem geringen Energieinhalt des Energiespeichers (Akku). Um diesen Mangel auszugleichen und befriedigende Reichweiten zu erhalten, muss der Energieverbrauch eines Elektrofahrzeugs sehr gering gehalten werden. Dies wird, wie auch der Name schon sagt, durch konsequenten Leichtbau erreicht. Leichtelektromobile sind zumeist relativ klein (1 bis 1,2 m × 2 bis 3 m), nur ein- bis zweisitzig, haben eine Kunststoffkarosserie, schmale Reifen und bevorzugt drei Räder.

Viele Konzepte von Leichtelektromobilen kamen aus einem Versuchsstadium oder Kleinserien nie heraus (SAM, Voltaire, Hotzenblitz). Kommerziell erfolgreich waren nur die Firmen Kewet Buddy, Twike, Citycom mit dem CityEL (ehemals: el Trans) und Lohmeyer-Leichtfahrzeuge mit dem Alleweder-E. Jedoch konnte die Technologie auch auf zweirädrige Fahrzeuge übertragen werden, die von vielen Herstellern in größeren Stückzahlen verkauft werden, jedoch immer noch sehr viel weniger als benzinbetriebene Fahrzeuge. Eine Sonderform ist das Segway mit zwei nebeneinander angeordneten Rädern.

Als Traktionsbatterien kamen in der Anfangszeit meist Bleiakkumulatoren oder Nickel-Cadmium-Akkus zum Einsatz. Heute werden auch Lithium-Ionen-Akkumulatoren, zumeist Lithium-Eisenphosphat-Akkus eingesetzt. Typischerweise reichte der Energiegehalt der Akkus für den Betrieb mit einer Stunde Höchstgeschwindigkeit, so dass die Reichweiten der Leichtelektromobile bei maximal 50 bis 80 km liegen. Die neuen Akkuentwicklungen ermöglichen bei einem Umbau trotz geringerem Gewicht deutlich höhere Fahrleistungen. So wurde ein Hotzenblitz mit LiPo-Akkus der Firma Kokam ausgerüstet und erreicht >350 km Reichweite.[7]

Eine Form der Leichtelektromobile sind Fahrzeuge für Gehbehinderte, die das Zufußgehen und Fahrradfahren ersetzen. Eine Sonderform ist auch das Segway mit zwei nebeneinander angeordneten Rädern.

Experimentalfahrzeuge und Konzeptautos[Bearbeiten]

Mit die spektakulärsten Vertreter und auch aus technologischer Sicht besonders interessante Ableger sind die auf engl. sogenannten Tilting Three Wheelers (TTW), sich neigende dreirädrige Fahrzeuge.

Sogar Mercedes-Benz hat bereits 1997 ein solches Konzeptauto vorgestellt, den Mercedes F 300 Life-Jet. Hierbei handelt es sich um ein Trike, das sich in Kurven neigt. Es fährt auf Motorradreifen und bietet Fahrleistungen, die zwischen einem PKW und einem Motorrad liegen. Das Hardtop ist abnehmbar. In der Reihe sind weitere Experimentalfahrzeuge entstanden, die aber nicht alle in die Kategorie Leichtfahrzeuge fallen.

Der Shell-Konzern startet jedes Jahr einen Eco-Marathon, in dem Fahrzeuge mit einem Liter Benzin möglichst weit fahren sollen. Die Fahrzeuge sind alle Experimentalfahrzeuge, die mit Benzin, Wasserstoff, Solar oder Diesel betrieben werden. Der Verbrauch wird auf einen Liter Benzin umgerechnet. Der Sieger des Jahres 2005 kam mit einem Liter 3836 km weit. Das entspricht 0,00026 l/km bzw. 0,026 l/100 km. Dies wurde mit einem wasserstoffbetriebenen Fahrzeug der Schweizer ETH Zürich erreicht. Das beste dieselbetriebene Fahrzeug errang Platz 11 in der Gesamtwertung und erreichte 1807 km/l mit einem 4,2 PS starken Triebwerk. Das Fahrzeug wurde von der FH Offenburg ins Rennen geschickt.

HPV (Human powered vehicles) / Velomobile[Bearbeiten]

Am radikalsten wird der Leichtbau bei mit Muskelkraft angetriebenen Fahrzeugen (Velomobile) vorangetrieben. Außer reinen Muskelkraft-Konzepten gibt es auch kombinierte Antriebe mit unterstützendem Elektromotor (z. B. Aerorider, TWIKE).

Heutige Hersteller von Leichtfahrzeugen[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. http://www.flocken-elektrowagen Flocken Urbano
  2. http://www.lepori.de/Fuehrerschein.htm, abgerufen am 19. Juni 2009
  3. http://www.agu.ch/pdf/Compatibility.pdf
  4. Unfallforschung der Versicherer (UDV) - Sicherheitsrisiko von Leichtkraftfahrzeugen.
  5. "Das Fahrverhalten beim Lenken von Leichtmobilen" im Auftrag der Universität Zürich, Ralf Risser et al., Universität Wien, am III. Leichtmobil-Symposium Wildhaus der Winterthur Unfallforschung, Februar 1993
  6. http://www.pikeresearch.com/wordpress/wp-content/uploads/2011/06/NEV-11-Executive-Summary.pdf
  7. Firma Kruspan: Hotzenblitz mit ~350km Reichweite Webseite Firma Kruspan, aufgerufen 7. Januar 2012

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]