Leih- und Pachtgesetz

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Roosevelt bei der Unterzeichnung des Leih- und Pachtgesetzes

Im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes (englisch Lend-Lease Act), das der US-Kongress am 18. Februar 1941 verabschiedet hatte, wurde von den USA Nachschub an die gegen Hitler-Deutschland und seine Verbündeten sowie gegen das Japanische Kaiserreich kämpfenden Staaten bereitgestellt. Der Lend-Lease Act schuf in den 1941 offiziell noch neutralen, aber völkerrechtlich betrachtet bereits de facto am Zweiten Weltkrieg beteiligten Vereinigten Staaten die gesetzliche Grundlage, an Großbritannien, die UdSSR, China und viele andere Staaten kriegswichtiges Material in einem Gesamtwert von knapp 50 Milliarden US-Dollar zu liefern. Würden die Transportkosten eingerechnet, läge der Betrag noch sehr viel höher.

Das Gesetz[Bearbeiten]

Erste Seite des Leih- und Pachtgesetzes

Das Gesetz, das von Präsident Franklin Delano Roosevelt unterstützt wurde, ging auf eine direkte Initiative des britischen Premierministers Winston Churchill zurück und trat am 11. März 1941 in Kraft. Es besagte, dass der amerikanische Präsident „jeder Nation, deren Verteidigung er für die Vereinigten Staaten für lebenswichtig“ halte, jede Art von Waffen verkaufen, schenken oder vermieten durfte, sofern der Wert nicht 1,3 Mrd. US-Dollar in Summe überschritt. Damit wurden die Neutralitätsgesetze aufgehoben und eine schon seit Monaten geübte Praxis legalisiert, die den britischen Abwehrkampf gegen Deutschland in den besonders kritischen Monaten zwischen dem Sommer 1940 und dem Sommer 1941 entscheidend stärkte. Am 2. September 1940 wurden im Rahmen des Zerstörer-für-Stützpunkte-Abkommens 50 veraltete amerikanische 1200-Tonnen-Zerstörer als Gegenleistung für bis dahin britische Basen an die alliierten Regierungen übertragen.

Großbritanniens materielle und finanzielle Kräfte waren nach der Niederlage des Hauptverbündeten Frankreich im Juni 1940 weitgehend erschöpft. Die Möglichkeit, Kriegsschiffe und andere kostspielige Waffensysteme von den USA zunächst zu leihen oder zu leasen und erst später zu bezahlen, schuf in dieser Situation die dringend benötigte Abhilfe.

Das Gesetz galt zunächst nur für Großbritannien und die Staaten des Commonwealth, für die es 1943 noch einmal verlängert wurde. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde es im Zeichen der Anti-Hitler-Koalition seit November 1941 auch auf dieses Land angewandt. Verstärkt in den Jahren 1942/1943 wurde die Sowjetunion über die Eismeerhäfen Murmansk und Archangelsk, über Wladiwostok am Pazifik sowie über den Landweg von Iran und Indien aus in großem Umfang mit Kriegsgütern und Lebensmitteln aus den USA versorgt. In der Encyclopædia Britannica wird der Lend-Lease-Act als „praktisch eine Kriegserklärung“ der USA an Deutschland bezeichnet, auch Churchill bezeichnete die Maßnahme in seiner ersten Reaktion als eine solche.

Von den USA wurden über 400.000 Jeeps und LKW, 13.000 Lokomotiven und Güterwagen, 90 Frachtschiffe, 4.000 Bomber, 10.000 Jagdflugzeuge und über 7.000 Panzer an ihren sowjetischen Alliierten geliefert. Die Briten und Kanadier lieferten weitere 5.000 Panzer und 7.000 Flugzeuge.

Leistungen[Bearbeiten]

Leistungen der USA nach dem Leih- und Pachtgesetz[1]
Empfängerland Waren in Mio. US-Dollar Empfängerland Waren in Mio. US-Dollar
Britisches Commonwealth 31 387,1 Brasilien 372,0
Sowjetunion 10 982,1 Mexiko 39,2
Frankreich mit Kolonien 3 223,9 Chile 21,6
China 1 627,0 Peru 18,9
Niederlande mit Kolonien 251,1 Kolumbien 8,3
Belgien 159,5 Ecuador 7,8
Griechenland 81,5 Uruguay 7,1
Norwegen 47,0 Kuba 6,6
Türkei 42,9 Bolivien 5,5
Jugoslawien 32,2 Venezuela 4,5
Saudi-Arabien 19,0 Guatemala 2,6
Polen 12,5 Paraguay 2,0
Liberia 11,6 Dominikanische Republik 1,6
Iran 5,3 Haiti 1,4
Äthiopien 5,3 Nicaragua 0,9
Island 4,4 El Salvador 0,9
Irak 0,9 Honduras 0,4
Tschechoslowakei 0,6 Costa Rica 0,2
Insgesamt 48 395,4

Zitat[Bearbeiten]

Präsident Roosevelt war immer darauf bedacht, seine Politik vor dem Volk und der Presse zu rechtfertigen. Für das Leih- und Pachtgesetz warb er mit folgender Erklärung:

„Wenn es bei meinem Nachbarn brennt, dann werde ich ihm selbstverständlich meinen Gartenschlauch leihen und nicht zu ihm sagen: ‚Herr Nachbar, der Schlauch hat $15 gekostet, Sie müssen mir jetzt die $15 zahlen.‘ … Ich will nicht die $15 – ich will meinen Gartenschlauch zurück, wenn Sie das Feuer gelöscht haben.“

Der Präsident sicherte sich so die Zustimmung der Bevölkerungsmehrheit, obwohl diese vor dem Angriff auf Pearl Harbor eher isolationistisch eingestellt war und eine direkte Kriegsbeteiligung der USA ablehnte.

Die Hilfslieferungen an das Britische Commonwealth[Bearbeiten]

Zerstörer USS Buchanan, welcher ab Sep. 1940 als HMS Campbeltown von der Royal Navy eingesetzt wurde
Ein an Großbritannien gelieferter M-2-Panzer

Die Lieferungen im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes dürften ein sehr wichtiger Faktor beim Durchhalten des Britischen Empire und beim späteren Erfolg der Alliierten Streitkräfte gewesen sein. Insbesondere die 43 Zerstörer für die Royal Navy Großbritanniens und die sieben Zerstörer für die Royal Canadian Navy, welche vollständig ausgerüstet und im einsatzbereiten Zustand übergeben wurden, benötigte man dringend. Die meisten dieser Zerstörer wurden zum Geleitschutz gegen deutsche U-Boote in der Atlantikschlacht eingesetzt, um die bedrohten kriegswichtigen Warenlieferungen über den Atlantik zu schützen.

So wurde allein in den Jahren 1943 bis 1944 ein Viertel der britischen Munition von den USA geliefert. Ein weiterer Schwerpunkt betraf die Bereitstellung von Flugzeugen, Lastkraftwagen und Schiffen sowie die Lieferung von Lebensmitteln für die Truppe. In vielen Fällen wurden die Logistik sowie ein Großteil der Transportkapazität sowohl mit Lastkraftwagen als auch mit Lokomotiven und Waggons über das Leih- und Pachtgesetz von den USA zur Verfügung gestellt.

Ein Großteil der Lieferungen umfasste allerdings Lebensmittel für die britische Zivilbevölkerung. Nach dem Ende des Krieges war Großbritannien vollständig abhängig von Lebensmittellieferungen aus den USA. Als am 29. August 1945 die USA die Lieferungen im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes einstellte, wurde John Maynard Keynes in die USA entsandt, um ein Darlehen („Anglo-American Loan“) auszuhandeln, mit dem die weiteren Lebensmittellieferungen aus den USA finanziert werden konnten. Ferner wurden sämtliche nach Großbritannien gelieferten Ausrüstungsgegenstände an Ort und Stelle belassen und zu einem Sonderpreis von 10 % des eigentlichen Wertes an die Briten verkauft.[2] Des Weiteren stellten die USA, damals weltgrößter Produzent, 90 Prozent der Treibstoffversorgung der westlichen Alliierten.

Die Hilfslieferungen an die Sowjetunion[Bearbeiten]

Lend-Lease Memorial in Fairbanks, Alaska

Die Hilfslieferungen an die Sowjetunion stehen zwar mengenmäßig hinter den Lieferungen an die Briten zurück, dürften aber von nicht minderer Bedeutung gewesen sein.

Bereits unmittelbar nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion im Juni 1941 sicherte Roosevelt Stalin die Rüstungsunterstützung der USA zu (Hopkins-Mission). Stalin sandte eine Anforderungsliste zurück, was dazu führte, dass die USA und Großbritannien angesichts des Waffenbedarfs einen schnellen Zusammenbruch der sowjetischen Verteidigung befürchteten. Als Maxim Litwinow, stellvertretender Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, im September 1941 bei einer Besprechung im Kreml mit Roosevelts Sonderbeauftragten Harriman die Liste der zugesagten amerikanischen Hilfslieferungen vor Augen sah, sprang er von seinem Stuhl auf und rief aus:

„Jetzt gewinnen wir den Krieg!“[3]

Roosevelt trieb die Waffenhilfe massiv voran, und bereits im September trafen die ersten amerikanischen Militärflugzeuge in der Sowjetunion ein. Auf der Atlantik-Konferenz vom 14. August 1941 beschlossen Roosevelt und Churchill neben der Atlantik-Charta eine Ausweitung der Waffenlieferungen an Großbritannien und die Sowjetunion. Die USA weiteten das Gebiet, in dem sie mit ihrem bewaffneten Geleitschutz eigene Waffen-Transportkonvois vor deutschen Angriffen schützten, bis nach Island aus.

Ende 1941 stand die Sowjetunion kurz vor dem ökonomischen Kollaps. Die wichtigsten Industrie- und Landwirtschaftszentren des Landes, u. a. der Brotkorb Ukraine und große Teile des Zentrums der Schwerindustrie, des Donezbeckens, welches in der Bedeutung dem Ruhrgebiet für Deutschland gleichkam, waren besetzt. Zwar wurde ein großer Teil der Industrieanlagen Ende 1941 nach Osten evakuiert und so dem Zugriff der Wehrmacht entzogen, doch dauerte es noch bis zur ersten Jahreshälfte des Jahres 1942, bis die hinter dem Ural in den Weiten des Landes wiedererrichteten Werke den daraus resultierenden Produktionseinbruch ausgeglichen hatten. Die Lebensmittelversorgung für 65 Millionen Menschen von den 130 Millionen Menschen in den verbliebenen Gebieten fiel aus. Die Zufuhr von Eisenerz, Kohle und Stahl fiel um 75 % und die Versorgung mit kriegswichtigen Rohstoffen, wie Aluminium, Mangan oder Kupfer um mehr als zwei Drittel. Vom einstmaligen Rohstoffreichtum verblieben nur noch Holz, Öl und Blei.[4]

An Waffensystemen erhielt die Sowjetunion von den USA u. a.:[5]

Der größte Teil der Lieferung kam aber nicht in Form von Waffen, sondern in Form von Nahrungsmitteln, Rohstoffen, Maschinen und Industrieausrüstungen. An Rohstoffen und Lebensmitteln erhielt die Sowjetunion u. a.:[7]

  • 4,062 Millionen Tonnen Lebensmittel
  • 2,54 Millionen Tonnen Stahl
  • 728.000 Tonnen Nichteisenmetalle
  • 764.000 Tonnen Chemikalien
  • 2,42 Millionen Tonnen Petrochemikalien

An sonstigen Materialien wurde u. a. geliefert:[8][9]

  • 77.900 Jeeps
  • 151.000 leichte Transportfahrzeuge
  • 200.000 Studebaker-Lastkraftwagen
  • 1,5 Millionen Kilometer Telefonkabel
  • 35.000 Funkstationen
  • 380.000 Feldtelefone
  • 43 % aller Reifen
  • 56 % aller Schienen
  • 1/3 aller Sprengstoffe[10]
  • 1900 Lokomotiven (Eigenproduktion 932 Loks)[11]

Eine Besonderheit war, dass die Amerikaner 90 % des gesamten hochoktanigen Flugbenzins der Alliierten lieferten und 58 % des gesamten hochoktanigen Treibstoffs der Sowjetunion. Ohne dieses Hochleistungsbenzin war damals an eine leistungsfähige Luft- und Panzerwaffe nicht zu denken. Stalin äußerte auf der Konferenz von Teheran:

„Dies ist ein Krieg der Motoren und der Oktanzahl. Ich erhebe mein Glas auf die amerikanische Autoindustrie und die amerikanische Ölindustrie.“[12]

Neben den USA lieferten auch England und Kanada Material in umfangreichen Mengen.

Während die Nordmeergeleitzüge den kürzesten Weg für alle Lend-Lease-Lieferungen darstellten, war die meistbefahrene Transportstrecke für das Leih- und Pachtmaterial für die Sowjetunion die pazifische Route, die von der amerikanischen Westküste zum russischen Hafen Wladiwostok führte. Insgesamt wurden auf diesem Transportweg 8,2 Millionen Tonnen oder 47,1 Prozent der gesamten Lend-Lease-Leistungen an die UdSSR befördert. Auf dieser Route wurden sowjetische Frachtschiffe eingesetzt, welche die Japaner unbehelligt ließen; nachteilig war die enorme Länge des Weges (sowohl des Seeweges als auch des Landweges: alle Waren mussten von Wladiwostok per Bahn durch den gesamten asiatischen Kontinent zum europäischen Kriegsschauplatz transportiert werden). Die Transsibirische Eisenbahn Wladiwostok-Moskau ist 9.288 km lang.

Der persische Korridor[Bearbeiten]

Hauptartikel: Persischer Korridor

Auch die dritte und wichtigste Route, die von amerikanischen Atlantikhäfen in der Regel um das Kap der Guten Hoffnung seltener durch den Panamakanal und den Pazifik zum Persischen Golf führte, war nicht minder lang. Ein Geleitzug von den USA nach Basra oder Khorramschahr führte, benötigte für die ca. 14.500 Seemeilen lange Strecke 76 Tage; die Route über den Panamakanal betrug 17.700 Seemeilen. Etwa 23 Prozent der Schiffsladungen an die Sowjetunion zwischen 1942 und 1943 nahmen diesen Weg, und nach der Öffnung des Mittelmeeres gewann diese Route sogar die größte Bedeutung für die Nachschublieferungen, die für die UdSSR bestimmt waren. Ende August 1941 hatten die Sowjetunion und Großbritannien im Rahmen der Operation Countenance den Iran u. a. mit der Absicht besetzt, eine Versorgungslinie für die Sowjetunion vom Persischen Golf über den Iran zum Kaspischen Meer zu errichten. Am 2. August 1941 hatten USA offiziell zugesagt, die Sowjetunion in den Kreis der unterstützten Staaten einzubeziehen. Unmittelbar nach der Besetzung Basras wurde Stalin von Churchill bestätigt, dass britische Streitkräfte den Hafen ausbauen würden, um den Umschlag US-amerikanischer Lieferungen zu optimieren.

Amerikanische Flugzeuge für die Sowjetunion auf dem Flughafen von Abadan

Bereits Anfang September fragte Churchill bei Hopkins an, ob die Amerikaner unter dem Leih- und Pachtprogramm Lokomotiven und Güterwagen zum Transport der Güter in die Sowjetunion bereitstellen könnten. Außerdem schlug er eine aktive Beteiligung der Amerikaner am Ausbau der iranischen Eisenbahnlinie und an den Straßen von Bandar-e Schapur, einem iranischen Hafen (heute Bandar-e Imam Chomeini), bis Bandar-e Schah (heute Bandar-e Torkaman), einem Hafen am Kaspischen Meer in unmittelbarer Nähe der sowjetischen Grenze, vor.

Am 27. September nahm tatsächlich eine amerikanische Militärmission ihre Arbeit im Iran auf. Sie sollte den britischen Truppen in technischen Fragen zur Seite stehen. Bald wurde offensichtlich, dass US-Techniker und -Spezialisten den Ausbau und die Gewährleistung der Sicherheit durch den persischen Korridor übernehmen sollten.

US-Ingenieure statteten den iranischen Hafen Khorramschahr an der Mündung des Schatt al-Arab mit Ausladeeinrichtungen, Lagerräumen, Kais, Werften und Kränen aus. Das Hafenbecken wurde für die amerikanischen Lend-Lease-Transporte erweitert. Amerikaner bauten Straßen, auf denen amerikanische LKWs die Waren an die sowjetische Grenze transportieren sollten. Im Jahre 1942 errichteten amerikanische Fachleute in Abadan eine Montagehalle für die von den Sowjets dringend benötigten Flugzeugtypen Douglas A-20. Auch für die amerikanischen LKWs, speziell vom Typ Studebaker US6 (Katjuscha-Lafettenträger), die für die Rote Armee von besonderer Bedeutung waren, wurden Montagehallen gebaut.

Im Oktober 1942 übernahm das amerikanische Persian Gulf Command die Hauptverantwortung im Iran. Es ersetzte die britischen Truppen, die dringend an anderen Kriegsschauplätzen benötigt wurden. Insgesamt waren 30.000 amerikanische Soldaten, Ingenieure und Spezialisten damit beschäftigt, die Waffenlieferungen an die Sowjets durch den persischen Korridor zu tätigen. Im Mai 1943 steigerten sich die amerikanischen Lieferungen auf der persischen Route auf über 100.000 Tonnen monatlich und übertrafen bereits das Zehnfache der britischen. Die persische Route war vor allem für die Jahre 1943 und 1944 der ausschlaggebende Transportweg. 241 Schiffsladungen mit insgesamt 1,6 Millionen Tonnen Material im Jahre 1943 und 240 Schiffsladungen mit 1,7 Millionen Tonnen im Jahre 1944 wurden auf den von US-Streitkräften ausgebauten Straßen und Eisenbahnlinien geliefert. Von November 1941 bis Mai 1945 wurden insgesamt 646 Schiffsladungen mit 4,1 Millionen Tonnen an die UdSSR auf der persischen Nachschubroute verfrachtet, fast 25 Prozent des gesamten Materials, das an die UdSSR ging. Durch die Möglichkeit, einen großen Teil der Transporte auf die iranische Route zu verlegen, verringerten sich die durch deutsche Streitkräfte verursachten Verluste von 15 Prozent auf 2 Prozent.

Über den Indischen Ozean wurde nicht nur der Nachschub für die Sowjetunion geführt, sondern auch der gesamte Nachschub für National-China, der angelandet in Karatschi über das indische Eisenbahnnetz nach Assam rollte und von dort aus per Luftbrücke The Hump nach Yünnan in Westchina geflogen wurde, wo Generalissimo Tschiang Kai-shek sein Hauptquartier hatte. Anfang 1945 wurde die von 20.000 US-amerikanischen Soldaten und ca. 40.000 einheimischen Arbeitern für immense Kosten gebaute Ledo-Straße in Betrieb genommen, die die Luftbrücke allmählich ersetzte. Der reine Materialwert der Lieferungen, die für China bestimmt waren, lag bei mindestens 2 Mrd. USD.

Die Alaska-Sibirien-Route[Bearbeiten]

Von der UdSSR eingesetzte Bell P-39 Airacobra im Luftfahrtmuseum von Mittelfinnland. Gut sichtbar das mit dem Sowjetstern übermalte amerikanische Hoheitszeichen am Rumpf.

Über die Alaska-Sibirien-Route (ALSIB) wurden Flugzeuge auf dem Luftweg von US-Luftbasen in Alaska in die Sowjetunion überführt. Der Hauptweg führte vom Stützpunkt Ladd Field in Fairbanks, wo die Maschinen von sowjetischen Piloten übernommen wurden, über Nome und Anadyr nach Krasnojarsk, wo die Flugzeuge den Einheiten zugeteilt wurden. Entlang der Strecke wurden Zwischenstopps zum Auftanken eingerichtet. Die Planungen begannen im Winter 1941. Ab August/September 1942 wurden sowjetische Piloten und Mechaniker per Flugzeug nach Ladd Field eingeflogen und von amerikanischem Personal in die Handhabung der Flugzeuge eingewiesen. Die erste Maschine, eine B-25, wurde am 24. September 1942 überflogen. Aufgrund widriger Wetterverhältnisse, insbesondere der niedrigen Temperaturen und Winterstürme, kam es in der ersten Zeit nur sporadisch zu Überführungen. Erst ab Anfang 1943, als der Ausbau der Basen das notwendige Maß erreicht hatte und die nötigen Fachleute und Dolmetscher in ausreichender Zahl zur Verfügung standen, erfolgten die Übergaben regelmäßiger. Aufgrund des nahen Kriegsendes in Europa wurden ab April 1945 die Flüge von sowjetischer Seite aus merklich eingeschränkt. Im September wurde die Route schließlich eingestellt. Insgesamt wurden über die ALSIB 7926 Flugzeuge, davon 2618 P-39- und 2397 P-63-Jäger sowie 1363 A-20- und 732 B-25-Bomber nach Krasnojarsk überflogen. Die Gesamtlieferungen an Flugzeugen beliefen sich von US-amerikanischer Seite auf 14.795 Flugzeuge, davon erreichten 14.018 die UdSSR.

Ende der Lieferungen[Bearbeiten]

Das Lend-Lease-Programm endete für die Sowjetunion offiziell am 12. Mai 1945. Die Lieferungen wurden jedoch unter der „Milepost“ Übereinkunft bis zum Ende des Krieges mit Japan fortgeführt, an dem sich die Sowjetunion ab 8. August an der Seite der USA beteiligte. Nach der Kapitulation des Kaiserreichs Japan am 20. September wurden die Lieferungen umgehend eingestellt. In den USA wurden bereits beladene Schiffe wieder entladen und Frachter, die sich schon auf hoher See befanden, wurden zurückbeordert. Die ursprünglich von Franklin D. Roosevelt und seinem Außenminister Edward Stettinius Jr. gehegte Intention, sich mit einer temporären Fortsetzung des Programms ein politisches Druckmittel gegenüber den Empfängerländern zu schaffen, konnte auf Grund inneramerikanischer Widerstände nicht realisiert werden.

Von amerikanischer Seite wurden im Anschluss Verhandlungen über mögliche US-amerikanische Kredite für den Wiederaufbau initiiert. Der Sowjetunion wurde in Aussicht gestellt, in den Kreis der durch den geplanten Marshallplan begünstigten Ländern aufgenommen werden zu können. Allerdings verlangten die USA im Gegenzug, Einblick in interne Daten der sowjetischen Wirtschaft zu bekommen und die Verwendung von Hilfsgütern selbst überwachen zu können, was die Sowjetunion kategorisch ablehnte. Die Verhandlungen wurden nach der fünften Sitzung in Paris am 2. Juli 1946 abgebrochen, während Großbritannien von US-Präsident Truman am 15. Juli einen Kredit in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar zugesprochen bekam. Der sowjetische Außenminister Molotow warf Frankreich und Großbritannien vor, ein Komplott mit den USA geschmiedet zu haben. Die drei Westalliierten gründeten daraufhin das Committee of European Economic Cooperation (CEEC), aus dem schließlich am 16. April 1948 die OEEC wurde.[13]

Eine Bilanz[Bearbeiten]

Die Sowjetunion erhielt aus den USA Waren im Wert von 9,8 Milliarden Dollar[14] oder 17,8 Mio. Tonnen transportiert von 2.803 Schiffen.[15] Umgekehrt lieferte die Sowjetunion insbesondere Rohstoffe wie Mangan- und Chromerze im Wert von 7,3 Milliarden Dollar an die USA. Der Rest der Schuld wurde auch in Gold bezahlt. Insgesamt erreichten die Waren, welche die Sowjetunion auch tatsächlich erhielt, lediglich 4% der Kriegsproduktion der Sowjetunion. Häufig entsprachen die Waffen nicht den speziellen Anforderungen der Front; es gab kaum Ersatzteile.[16] Insbesondere bei den Kampfflugzeugen wurden in erster Linie jene Modelle geliefert, die sonst keiner (mehr) haben wollte. Die P-39 Aircobra wurde von der USAAF abgelehnt, auch Frankreich und Großbritannien wollten sie nicht haben. In Folge dessen ging fast die gesamte Produktion an die Sowjetunion (4924 Flugzeuge). Auch ihren Nachfolger, die P-63 Kingcobra wollte die USAAF nicht haben, so dass 2421 Maschinen an die Sowjetunion verkauft wurden. Die B-25 war das einzige wirklich moderne amerikanische Kampfflugzeug, welches die Sowjetunion in nennenswerten Stückzahlen (870 Flugzeuge) erreichte. Das sowjetische Gegenstück, die Pe-2, wurde in der Zeit jedoch in über 11.000 Exemplaren ausgeliefert und auch deren Nachfolger, die Tu-2, wurde über 2500 mal produziert.

Großbritannien lieferte in der zweiten Hälfte des Jahres 1941 große Mengen an Waren und Rohmaterialien.[17] Aus den eigenen Luftstreitkräften wurden ausgemusterte veraltete Hurricane- und Spitfire-Versionen oder wenig brauchbare H.P. 52 Hampden geliefert. Die einzige gelieferte D.H. 98 Mosquito stammte von 1940, hatte schon zahlreiche Einsätze und auch zwei Unfälle hinter sich und war wegen ihres Alters im August 1943 stillgelegt worden, bevor mit ihr den ständigen Anfragen der Sowjetunion im April 1944 nachgegeben wurde.[18] Die Sowjetunion war sehr stark an diesem Flugzeug interessiert und wollte es in Lizenz produzieren, entsprach dieses Holzflugzeug doch perfekt den Möglichkeiten der Sowjetunion der Jahre 1941-1943, in denen die Sowjetunion zwar riesige Holzvorräte hatte, aber Flugzeug-Metalle Mangelware waren. Großbritannien hatte aber nur wenig Interesse daran, die Sowjetunion mit aktueller Spitzentechnologie auszurüsten. Als letztlich die veraltete und verschlissene D.H. 98 Mosquito von 1940 im Jahre 1944 geliefert wurde, hatte die Sowjetunion selber leistungsfähigere und fronttauglichere modernere Modelle in der Produktion.

Als die Hilfe ab Sommer 1943 richtig in Gang kam, hatte die Sowjetunion in der Schlacht um Stalingrad die Wende im II. Weltkrieg eingeleitet. Dies war auch deshalb möglich, weil die sowjetische Kriegsführung wusste, dass sämtliche Materialverluste in nahezu beliebiger Höhe durch die Lieferungen aus den USA ersetzt werden würden.[19] Wie bedeutsam diese Lieferungen waren, war auch der deutschen Kriegsführung bewusst, wie ein Memorandum an Hitler aus dem Frühjahr 1942: "In ihrem Bestreben, Russland zu unterstützen, werden Großbritannien und die Vereinigten Staaten jede Anstrengung unternehmen, die Verschiffung von Ausrüstung, Material und Truppen nach Russland so weit wie möglich zu steigern. Der Nachschub, der Russland über die Basra-Iran-Route erreichen wird, wird in den russischen Kaukasus und an die Front im Süden gehen. Alles britische und amerikanische Kriegsmaterial, das Russland über den Nahen Osten und den Kaukasus erreichen wird, ist für unsere Landoffensive von besonderem Nachteil. Jede Tonne Nachschub, die der Feind über den Nahen Osten liefert, bedeutet eine laufende Verstärkung des Kriegspotentials des Feindes, erschwert unsere Operationen im Kaukasus und stärkt die britische Position im Nahen Osten und in Ägypten."[20] Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Lend-Lease-Lieferungen nicht kriegsentscheidend waren, da sie erst nach der Wende im Osten in größerem Ausmaß anliefen, aber sie verkürzten den Krieg im weiteren Verlauf entscheidend. Insbesondere die Motorisierung der Roten Armee ab 1944 mit US-LKW verbesserte ihre Beweglichkeit entscheidend gegenüber der deutschen Wehrmacht, deren Transporte nicht nur wegen der zunehmenden Bezinknappheit auf Pferdefuhrwerken basierte. Es war aber weniger die direkten Waffenlieferungen, welche der Sowjetunion halfen, sondern eher Sekundärgüter wie Flugbenzin und Lebensmittel, welche den Krieg verkürzten.

Bilddokumente[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans-Joachim Mau, Hans Heiri Stapfer: Unter rotem Stern – Lend-Lease-Flugzeuge für die Sowjetunion 1941–1945. Transpress, Berlin 1991, ISBN 3-344-70710-8.
  •  Wolfgang Schlauch: Rüstungshilfe der USA 1939–1945. Bernard & Graefe, Koblenz 1985, ISBN 3-7637-5475-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leih- und Pachtgesetz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Schumann (et al.): Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Akademie-Verlag, Berlin 1982, Bd. 3, S. 468.
  2. What's a little debt between friends?
  3. Richard Overy: Die Wurzeln des Sieges, Warum die Alliierten den Zweiten Weltkrieg gewannen, Stuttgart/München 2000, S. 406.
  4. Overy, Wurzeln, S. 236.
  5. Mark Harrison: Soviet Planning in Peace and War 1938–1945. Cambridge 1985, S. 258.eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche-USA
  6. Hans-Joachim Mau, Hans Heiri Stapfer: Unter rotem Stern – Lend-Lease-Flugzeuge für die Sowjetunion 1941–1945, Transpress, Berlin 1991, ISBN 3-344-70710-8
  7. Harrison, ebenda
  8. Overy, Wurzeln, S. 276.
  9. Richard Overy: Die Diktatoren. Hitlers Deutschland, Stalins Rußland. München 2005, S. 664.
  10. Norman Davies (Europa im Krieg, 2009, S. 68f.) nennt 345.735 Tonnen Sprengfstoffe und als Quelle George C. Herring jr., Aid to Russia, 1941-46: Strategy, Diplomacy, the Origins of the Cold War (Columbia Studies in Contemporary American History), 1. Auflage 1973, ISBN 978-0231033367.
  11. Norman Davies (a.a.O.) nennt 1981 Lokomotiven.
  12. Overy, Wurzeln, S. 300 f.
  13. Michael Wala: Winning the peace: amerikanische Aussenpolitik und der Council on Foreign Relations, 1945-1950, Franz Steiner Verlag, 1990, ISBN 978-3-515-05334-1 (S. 148)
  14. Hans-Joachim Mau, Hans Heiri Stapfer: Unter rotem Stern – Lend-Lease-Flugzeuge für die Sowjetunion 1941–1945, Seite 63, Transpress, Berlin 1991, ISBN 3-344-70710-8.
  15. T. H. Vail Motter: The Persian Corridor and Aid to Russia. Center of Military History United States Army. 1952. S. 4.
  16. Hans-Joachim Mau, Hans Heiri Stapfer: a.a.O. Seite 63
  17. T. H. Vail Motter: The Persian Corridor and Aid to Russia. Center of Military History United States Army. 1952. S. 4.
  18. Hans-Joachim Mau, Hans Heiri Stapfer: Unter rotem Stern – Lend-Lease-Flugzeuge für die Sowjetunion 1941–1945, Seite 102, Transpress, Berlin 1991, ISBN 3-344-70710-8
  19. T. H. Vail Motter: The Persian Corridor and Aid to Russia. Center of Military History United States Army. 1952. S. 4.
  20. T. H. Vail Motter: The Persian Corridor and Aid to Russia. Center of Military History United States Army. 1952. S. 5.