Leindotteröl

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Leindotteröl
Rohstoffpflanze(n)

Leindotter (Camelina sativa)

Herkunft

Samen

Farbe

sattgelb bis rotgelb

Inhaltsstoffe
Ölsäure 13,4 %[1]
Linolsäure 14,8 %[1]
Linolensäure 37,8 %
Weitere Fettsäuren 15,4 % Eicosensäure, 2,76 % Erucasäure, 5,33 % Palmitinsäure
Eigenschaften
Dichte 0,919-0,926 kg/l bei 15 °C
Schmelzpunkt -11 bis -18 °C[1]
Iodzahl 124-153
Herstellung und Verbrauch
Verwendung Lebensmittel, Pharmazie, Bioenergie

Leindotteröl wird durch das Pressen aus den Samen des Leindotters gewonnen. Die Samen enthalten 28 bis 42 Prozent Öl mit einem sehr hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Das Öl wird aus den reifen Samen gewonnen und hat nach dem Absetzen der dunklen Farbpartikel eine satte gelbe bis gelbrote Farbe. Es ähnelt in Farbe dem Rapsöl. Bei Raumtemperatur ist es flüssig und trocknet recht schnell, die Erstarrungstemperatur liegt bei -11 bis -18 °C. Der Geruch wird als krautig oder „wie geschnittene Wiese“ beschrieben, der Geschmack ist leicht scharf und erinnert an Senföl. Neben einem reichen Fettsäurespektrum enthält das Öl sehr viele flüchtige Substanzen (verschiedene Alkohole, organische Säuren u.a.), Sterole und Tocopherole.

Nutzung[Bearbeiten]

Leindotteröl (polnisch olej rydzowy) ist eine von der EU geschützte „Garantiert traditionelle Spezialität“ (g.t.S.) - für die Ernährung ist es vor allem aufgrund des hohen Anteils an α-Linolensäure wertvoll, während der Anteil an Erucasäure unter 4 Prozent liegt. Im südösterreichischen Raum wird das Öl (Sprachgebrauch: "Dotteröl") häufig als Hausmittel genutzt. Oral eingenommen soll es die Immunabwehr stärken, eingerieben fördert es die Wundheilung und lindert arthrotische Beschwerden. In verschiedenen Studien an Hausschweinen und Menschen wurde zudem eine Cholesterinspiegel-senkende Eigenschaft des Leindotteröls festgestellt, die der von Raps- und Olivenöl vergleichbar ist. In der pharmazeutischen Industrie und im Bereich der Kosmetikherstellung wird wie bei der Ernährung vor allem die α-Linolensäure geschätzt.

Auch in der technischen Industrie ist Leindotteröl interessant. Aufgrund seiner schnell trocknenden Eigenschaften ist es ähnlich wie Leinöl in der Oleochemie für die Herstellung von Lacken, Farben und von ölbasierten Polymeren nutzbar. Durch Veresterung lassen sich aus dem Öl zudem langkettige und sehr langkettige Wachsester in hohen Ausbeuten von etwa 90 % gewinnen, die als Grundstoffe in der Pharmazie, Kosmetikherstellung und Spezial-Schmiermittel Verwendung finden können.

Leindotteröl ist zudem als Pflanzenöl-Kraftstoff einsetzbar und hat bei niedrigeren Temperaturen bessere Eigenschaften im Startverhalten als etwa Rapsöl, die Nutzung ist allerdings nicht etabliert und entsprechende Aussagen nicht empirisch zu stützen. In Form von Plantanol DX 52 wird Leindotteröl auch als Additiv in Dieselkraftstoff verwendet. In einem Forschungsprojekt der Universität Rostock wurden die Eigenschaften von Leindotteröl beim Einsatz als Treibstoff für moderne Schlepper getestet. Dabei ergab sich, dass eine 30:70-Mischung aus kaltgepresstem Leindotter- und Rapsöl in pflanzenöltauglichen Motoren ohne größere Probleme eingesetzt werden kann, aufgrund einer größeren Verkokung der Düsen (Kokstrompetenbildung an den Injektoren) aber nicht angeraten wird.[2]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c Krist et al.
  2. Nutzung von Leindotteröl in Mischungen mit anderen Pflanzenölen als Sonderkraftstoff. Projektdatenbank der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, FKZ 22009507.

Literatur[Bearbeiten]

  • Petra Becker: Leindotter - Eigenschaften und Potenziale einer alten Kulturpflanze. Pflanzenöl 3/2008; Seiten 20-21.
  • Ralf Pude, Barbara Wenig: Pflanzen für die Industrie. Pflanzen, Rohstoffe, Produkte. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V., Gülzow 2005; Seite 11. (PDF-Download)
  • S. Krist, G. Buchbauer und C. Klausberger, 2008: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Springer Verlag, Wien. S. 434-441. ISBN 978-3-211-75606-5

Weblinks[Bearbeiten]