Lemma von Schur

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Das Lemma von Schur, benannt nach Issai Schur, beschreibt die Homomorphismen zwischen einfachen Moduln. Es besagt, dass jeder solche Homomorphismus außer dem Nullhomomorphismus ein Isomorphismus ist.

Das Lemma von Schur in der modultheoretischen Fassung lautet (R sei ein Ring mit 1):

Es seien M, N einfache R-Linksmoduln. Dann gilt:

  1.  M \not\cong N \Rightarrow \operatorname{Hom}_R(M,N)=0
  2.  \operatorname{End}_R(M) ist ein Schiefkörper.

In der darstellungstheoretischen Fassung lautet das Lemma von Schur (G sei eine endliche Gruppe, K ein Körper):

Es seien \rho : \  G \rightarrow \operatorname{GL}_K(V), \tau : \ G \rightarrow \operatorname{GL}_K(W) irreduzible Darstellungen von G. Dann gilt:

  1. Es sei  f \in \operatorname{Hom}_K(V,W) mit f \circ \rho (g)=\tau (g) \circ f \  , \  \forall g \in G . Dann gilt: f=0 oder f ist bijektiv (und in diesem Fall sind \rho und \tau äquivalent).
  2. Z( \rho ) ist ein Schiefkörper.

Die zweite Aussage gilt auch in der Umkehrung, sodass Z( \rho ) ein genau dann ein Schiefkörper ist, wenn die Darstellung \rho irreduzibel ist.

Aufgrund des Zusammenhangs von Darstellungen von G über K und KG-Moduln besagen beide Fassungen das gleiche.

Spezialfall: Matrixdarstellungen[Bearbeiten]

Hier reduzieren sich die Beweise auf elementare lineare Algebra [1]. Es seien \rho(g) invertierbare n\times n-Matrizen, \tau(g) invertierbare m\times m-Matrizen, und es sei f eine m\times n-Matrix. Für die Matrizenprodukte gelte

  
        f \, \rho(g) = \tau(g)\, f \qquad \forall g\in G

Dann ist der Kern von f ein invarianter Teilraum für die Darstellung \rho(g), denn aus fv=0 folgt f\rho(g)v=0. Wegen der Irreduzibilität von \rho kann \operatorname{Kern}\,f nur der Nullvektorraum oder der ganze Vektorraum sein. Im ersten Fall ist f invertierbar und vermittelt eine Ähnlichkeitstransformation zwischen den Darstellungsmatrizen \rho und \tau. Im zweiten Fall ist f die Nullmatrix.

Für praktische Zwecke (Tabellierung) werden die Matrizen einer irreduziblen Darstellung gelegentlich standardisiert. Z. B. dienen bei der Drehgruppe die gemeinsamen Eigenvektoren von Drehungen um eine ausgewählte Achse als Standardbasis. In solchen Fällen sind die Matrizen von irreduziblen Darstellungen \rho(g) und \tau(g) entweder inäquivalent oder identisch. Damit wird folgender Zusatz zum Schurschen Lemma relevant:

Aus  f \rho(g) = \,\! \rho(g) f für alle  g\in G folgt f = \lambda\,\boldsymbol{1}, d.h. f ist ein komplexes Vielfaches der Einheitsmatrix.

Beweis: Es sei \lambda\,\! ein (komplexer) Eigenwert von f, und e\,\! sei ein zugehörige Eigenvektor. Mit der vorausgesetzten Gleichung gilt auch

  
        (f-\lambda\boldsymbol{1}) \, \rho(g) = \rho(g)\,(f-\lambda\boldsymbol{1}) 
         \qquad \forall g\in G

Daher ist der Kern von f-\lambda\boldsymbol{1} ein invarianter Teilraum der Darstellung \rho(g) und kann wegen Irreduzibilität nur der Nullraum oder der ganze Raum sein. Da der Eigenvektor e \neq 0 zum Kern gehört, bleibt nur die zweite Möglichkeit. Also gilt  f-\lambda\boldsymbol{1} = 0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. M. Chaichian, R. Hagedorn, Symmetries in quantum mechanics: from angular momentum to supersymmetry, Institute of Physics Publishing, Bristol 1998

Siehe auch[Bearbeiten]