Lengnau AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Lengnauf zu vermeiden.
Lengnau
Wappen von Lengnau
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4312i1f3f4
Postleitzahl: 5426
Koordinaten: 667176 / 26388047.5222238.330562415Koordinaten: 47° 31′ 20″ N, 8° 19′ 50″ O; CH1903: 667176 / 263880
Höhe: 415 m ü. M.
Fläche: 12.67 km²
Einwohner: 2614 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 206 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 14,2 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.lengnau-ag.ch
Dorfzentrum von Lengnau

Dorfzentrum von Lengnau

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Lengnau (schweizerdeutsch: ˈlæŋːˌnæu, surbtalerjiddisch: ˈlɪŋlə)[3][4] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Surbtal, in Luftlinie rund sieben Kilometer entfernt von der Grenze zu Deutschland. Der nächste Übergang nach Deutschland ist in Bad Zurzach, etwa 11 km von Lengnau AG entfernt; der wichtigste Übergang liegt in Koblenz AG etwa 15 km weit weg. Im 18. und 19. Jahrhundert waren Lengnau und das Nachbardorf Endingen die einzigen Orte der Schweiz, wo sich Juden niederlassen durften.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Übergangszone zwischen Tafeljura im Norden und dem Schweizer Mittelland im Süden. Das Dorf besteht aus den Ortsteilen Oberlengnau und Unterlengnau, deren Bebauung heute zusammengewachsen ist. Beide Ortsteile liegen an der Surb, die hier in nordwestlicher Richtung fliesst. Das wellige Gelände steigt im Norden zum Wannenbuck (591 m ü. M.) an. Ganz im Norden hat Lengnau einen kleinen Anteil am Tal des Chrüzlibachs, der bei Rekingen in den Rhein mündet. Im Süden befinden sich das Gländ (609 m ü. M.) und der Hüsliberg (605 m ü. M.), beide Hügel sind Teil des Siggenbergs, der die natürliche Grenze zum Limmattal bildet. Jeweils zwei Kilometer vom Dorfzentrum entfernt liegen die folgenden Weiler: Vogelsang (495 m ü. M.) im Norden, Himmelrich (560 m ü. M.) im Nordosten, Husen (475 m ü. M.) im Süden und Degermoos (495 m ü. M.) im Westen.[5]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1267 Hektaren, davon sind 477 Hektaren bewaldet und 122 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 609 Metern auf dem Gländ, der tiefste auf 380 Metern an der Surb.

Nachbargemeinden sind Böbikon im Norden, Schneisingen im Osten, Ehrendingen im Südosten, Freienwil im Süden, Obersiggenthal im Südwesten, Endingen im Westen und Baldingen im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Kath. Kirche St. Martin

Die Alamannen siedelten sich ungefähr im 6. Jahrhundert an. Die erste urkundliche Erwähnung von Leginwanc erfolgte im Jahr 798, als der Thurgauer Graf Odalricus dem Kloster St. Gallen einige Grundstücke schenkte. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze demo) lengin wanc und bedeutet beim langgestreckten Abhang.[3] Von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts herrschten die Freiherren von Lengnau, von der Burg dieses Adelsgeschlechts ist nichts erhalten geblieben. Die niedere Gerichtsbarkeit wurde von der Deutschritterkommende in Beuggen ausgeübt, im Weiler Husen von der Johanniterkommende in Leuggern. Weitere bedeutende Grundbesitzer neben den beiden Orden waren auch die Klöster Einsiedeln, St. Blasien und Wettingen. Die hohe Gerichtsbarkeit und die Landeshoheit lagen in den Händen der Habsburger.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau, Lengnau gehörte nun zum Amt Ehrendingen der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Zwischen 1623 und 1633 wurden die Juden aus den Schweizer Städten vertrieben und in Oberlengnau angesiedelt. Zahlreiche Flüchtlinge stammten aus Deutschland, wo der Dreissigjährige Krieg wütete. Ab 1678 liessen sich die Juden auch in Endingen nieder. Sie unterstanden direkt dem Landvogt in Baden und durften weder Landwirtschaft betreiben noch ein Handwerk ausüben. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie vor allem an der international bedeutenden Messe in Zurzach und am Markt in Baden. Ab 1696 mussten sie sich alle 16 Jahre einen teuren Schutz- und Schirmbrief erkaufen. Ab 1776 war das Wohnrecht sämtlicher Juden der Schweiz auf Endingen und Lengnau beschränkt. Da sie sich während der Nacht nur in den beiden Dörfern aufhalten durften, war ihr Aktionsradius stark eingeschränkt.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus, Lengnau gehörte nun zum kurzlebigen Kanton Baden. Der neue Staat war bald in weiten Kreisen der Bevölkerung verhasst. Dieser Hass entlud sich am 21. September 1802 im so genannten «Zwetschgenkrieg» gegen die Juden, die als Anhänger der neuen liberaleren Ordnung galten. Eine Horde von über 800 Bewohnern aus den Nachbardörfern fiel über Endingen und Lengnau her und bereicherte sich am Hab und Gut der wehrlosen Juden, die christlichen Einwohner hingegen blieben weitgehend unbehelligt.

Seit 1803 gehört Lengnau zum Kanton Aargau. Die jüdische Korporation verwaltete sich selbst und führte eine eigene Schule. Erst 1874 erhielten die Juden die vollständige Gleichberechtigung bei den bürgerlichen Rechten und Pflichten. In der Folge zogen fast alle in die grossen Städte (vor allem nach Zürich), wo sie bessere Verdienstmöglichkeiten vorfanden. Dadurch sank die Bevölkerungszahl des Dorfes markant. Von 1875 bis 1903 gab es im Dorf die damals einzige Mazzenbäckerei der Schweiz. Heute gibt es in Lengnau nur noch etwa zwei Dutzend jüdische Einwohner, die meisten davon leben im Israelitischen Altersheim.

Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut (1859) und der Bahnstrecke DielsdorfNiederweningen (1891) reichten die Gemeinden des Surbtals eine Konzession für den Bau einer Verbindungsbahn zwischen Niederweningen und Döttingen ein. Doch der Erste Weltkrieg verhinderte den Bau und das Projekt wurde 1937 endgültig abgeschrieben. Vor allem seit Beginn der 1960er Jahre ist das Dorf stark gewachsen. Dazu beigetragen haben die Ansiedlung zahlreicher kleiner und mittlerer Gewerbebetriebe sowie die Nähe zu den Städten Baden und Zürich.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zweitüriger Hauseingang

Direkt gegenüber der Synagoge Lengnau und wie diese auf einer erhöhten Plattform, befindet sich die katholische Kirche St. Martin, die älteste Kirche des gesamten Surbtals.

Die für Lengnau und Endingen typischen Häuser mit zwei nebeneinander liegenden Haustüren (jeweils eine für Juden, eine für Christen) sind die Folge diskriminierender behördlicher Erlasse. Den Juden war untersagt, Grund und Liegenschaften zu besitzen. Da sie auch nicht mit Christen unter einem Dach leben durften, boten zweitürige Häuser die Möglichkeit, das Kohabitationsverbot trickreich zu umgehen. Die verschiedenen jüdischen Bauwerke des Dorfes sind durch den Jüdischen Kulturweg Endingen-Lengnau miteinander verbunden.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot auf grünem Boden schreitendes weisses Pferd.» Das Wappen erschien erstmals 1808 auf dem Gemeindesiegel. Angeblich soll es das Wappen von Kaspar Josef Bucher sein, der damals Gemeindeammann war und die Taverne «Zum Rössli» betrieb.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 950 1761 1119 1197 1355 1356 1592 1882 2052 2287 2541

Am 31. Dezember 2013 lebten 2614 Menschen in Lengnau, der Ausländeranteil betrug 14,2 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 62,0 % römisch-katholisch, 20,8 % reformiert, 3,7 % muslimisch und 0,8 % jüdisch; 1,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 93,1 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,8 % Albanisch, 1,2 % Italienisch, 0,7 % Englisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bad Zurzach zuständig. Lengnau gehört zum Friedensrichterkreis Kaiserstuhl.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Lengnau gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 950 Arbeitsplätze, davon 12 % in der Landwirtschaft, 38 % in der Industrie und 50 % im Dienstleistungssektor.[10] Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden und vor allem in der Region Baden.

Verkehr[Bearbeiten]

Lengnau liegt an der Hauptstrasse 17, die von Döttingen durch das Surbtal und das Wehntal nach Dielsdorf führt. Zwei Postautolinien erschliessen das Dorf: Von Tegerfelden nach Baden und von Döttingen nach Niederweningen. Beim Bahnhof Niederweningen besteht Anschluss an die Linie S5 der S-Bahn Zürich.

Bildung[Bearbeiten]

Gemeindehaus (alte Schule)

Die Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten und vier Schulhäuser für Primarschule, Sekundarschule und Realschule. Die Bezirksschule kann in Endingen besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexandra Binnenkade: KontaktZonen. Jüdisch-christlicher Alltag in Lengnau, Köln 2009 (Diss. Basel)
  •  Edith Hunziker, Ralph Weingarten: Die Synagogen von Lengnau und Endingen und der jüdische Friedhof. In: Schweizerische Kunstführer. Band 771/772, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, ISBN 3-85782-771-8.
  •  Anna Rapp: Jüdisches Kulturgut in und aus Endingen und Lengnau. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2008, ISBN 978-3-89735-493-7.
  •  Peter Stein: Lebendiges und untergegangenes jüdisches Brauchtum, Brauch gestern und heute, Brauch hier und dort, mit besonderer Berücksichtigung der schweizerischen Judendörfer Endingen und Lengnau. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2008, ISBN 978-3-89735-551-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lengnau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 245–247..
  4. Material Sprachatlas der deutschen Schweiz.
  5. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 200.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.