Lenin (Schiff, 1959)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lenin
Lenin icebreaker.JPG
p1
Schiffsdaten
Flagge SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
RusslandRussland Russland
Schiffstyp Eisbrecher
Stapellauf 5. Dezember 1957
Indienststellung 3. Dezember 1959
Außerdienststellung 1989
Verbleib Museumsschiff
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
134 m (Lüa)
124 m (Lpp)
Breite 27,6 m
Tiefgang max. 10,5 m
Verdrängung 16.000 t
Vermessung 14.067 BRT
 
Besatzung 243 Mann
Maschine
Maschine Turboelektrisch
3 Kernreaktoren
4 Dampfturbinen
Maschinen-
leistung
44.000 PS (32.362 kW)
Geschwindigkeit max. 18 kn (33 km/h)
Propeller 3
Sonstiges
Registrier-
nummern

IMO: 5206087

Der Atomeisbrecher Lenin (russisch Ленин) ist der erste Atomeisbrecher der Welt, benannt nach Lenin, einem der Gründer der UdSSR.

Der Stapellauf der Lenin erfolgte am 5. Dezember 1957, Ende 1959 wurde das Schiff in Dienst gestellt. Es wurde mit drei Kernreaktoren ausgerüstet, die über vier Dampfturbinen, Generatoren und Elektromotoren die drei Propeller antreiben.

Die Lenin wurde 1989 außer Dienst gestellt, weil ihre Außenhülle durch Eisabrieb zu dünn geworden war, und liegt seitdem im Hafen der Atomflot für Atomeisbrecher in Murmansk. Sie wird zu einem Museumsschiff umgebaut, dessen erster Teil im Mai 2009 in Murmansk eröffnet wurde.

Ausstellung[Bearbeiten]

Die Lenin beherbergte bis zum 10. Januar 2014 im Rahmen der fünften Moskauer Biennale eine Ausstellung russischer und österreichischer Künstler, die von der österreichischen Botschaft in Moskau und dem Lentos Kunstmuseum Linz eingeladen wurden, sich mit dem Atomeisbrecher auseinanderzusetzen.[1][2] Zur Ausstellung Lenin Eisbrecher erschien ein kostenloses Beiheft in deutscher, englischer und russischer Sprache.[3]

Nuklearunfälle[Bearbeiten]

Im Februar 1965 gab es einen LOCA (Loss of coolant accident). Nach der Abschaltung zum Brennelementetausch wurde, vermutlich durch ein Versehen des Operators, das Kühlmittel des zweiten Reaktors entfernt, bevor die Brennelemente entnommen wurden. Als Resultat sind einige Brennstäbe durch die Zerfallshitze und den Verlust der Kühlung geschmolzen oder deformiert.

Nach diesem Unfall konnten nur 94 der Brennelemente entfernt und an das Nuklearserviceschiff Lepse übergeben werden. Die restlichen 125 verblieben zusammen mit den Steuerstäben im Reaktorbehälter. Dieser wurde als Einheit ausgebaut, in einen speziellen Behälter gelegt, verfestigt und zunächst für zwei Jahre gelagert. Anschließend wurde das Gefäß 1967 in der Tsivolki-Bucht (nahe Nowaja Semlja) im Meer versenkt.

Der zweite Unfall an Bord des Atomeisbrechers Lenin ereignete sich 1967, als im Rohrsystem des dritten Reaktors ein Leck auftrat, nachdem dieser mit neuen Brennstäben gefüllt worden war. Zur Lokalisierung des Schadens war es notwendig, den biologischen Schild des Reaktors, bestehend aus Beton, der mit Metallschnitzel gemischt war, mit Vorschlaghämmern zu öffnen. Dieses führte zur weiteren Beschädigung der Reaktorinstallation. Nach erneuter Prüfung wurde festgestellt, dass es damit unmöglich gemacht wurde, die Beschädigung zu reparieren.

Die Lenin auf einer sowjetischen Briefmarke von 1978

Nach dem Unfall wurden bis 1970 die drei OK-150-Reaktoren mit je 90 MW durch zwei OK-900-Reaktoren mit 171 MW Leistung ersetzt. Der erste Reaktor OK-900 nahm am 22. April 1970 den Betrieb auf, der zweite Reaktor einen Tag später. Die Reparatur und Vorbereitung für den Betrieb dauerte bis 20. Juni. Die OK-900-Reaktoranlage blieb in Betrieb, bis der Eisbrecher 1989 außer Dienst gestellt wurde. Der verbrauchte Kernbrennstoff wurde 1990 aus den Reaktoren entfernt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://orf.at/#/stories/2199037/ Murmansk: Ein Sowjetseebär und sein Nordmeer, ORF.at vom 18. September 2013
  2. http://orf.at/stories/2198643/2198644/ Geisterschiff mit einsatzfähiger Crew, ORF.at vom 18. September 2013
  3. Die Aktivisten sind im Gefängnis, die kunst protestiert in FAZ vom 31. Oktober 2013, Seite 27