Leningrader Front

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Die Leningrader Front (russisch Ленинградский фронт) wurde per Dekret des sowjetischen Oberkommandos der Roten Armee am 23. August 1941 durch die Teilung der Nordfront in die Leningrader und die Karelische Front gebildet.

Der Front waren die 8., 23. und 48. Armee, sowie die Koporjer, südliche und Sluzk-Kolpiner Operative Gruppe unterstellt. Am 30. August 1941 wurde die Baltische Flotte dem Oberkommando der Front unterstellt. Am 25. November 1942 bildeten die Fliegerverbände der Front die 13. Luftarmee. Nachfolgend kamen zur Leningrader Front: 4., 52., 55., 59., 42., 54., 67., 20., 21., 22. und 51., 1., 2. und 4. Stoß-, 6. und 10. Garde-Armee, 3., 13. und 15. Luftarmee, sowie die Armeegruppen Newa und „Meer“[1].

Die Front hatte die Aufgabe, den Zugang zu Leningrad zu decken und die Wegnahme der Stadt durch den Gegner zu verhindern. Die aktive Verteidigung durch die Armeen der Front fügte den deutschen Truppen, die von Süden, und den finnischen Armeen, die von Nordwesten, her auf Leningrad vorstießen, bis Anfang September 1941 schwere Verluste zu. Teile der Front wurden im Brückenkopf von Oranienbaum abgeschnitten, wo sie sich bis zur Aufhebung der Leningrader Blockade 1944 halten konnten.

Seit dem 8. September 1941 führten die Armeen der Leningrader Front den Kampf unter den äußerst schweren Bedingungen der Blockade weiter. Die hartnäckige Verteidigung der Front, kombiniert mit Gegenschlägen, führten in Zusammenwirken mit der Wolchow-Front und der Baltischen Flotte dazu, den Gegner auszubluten und zum Übergang zur Verteidigung zu zwingen, womit die Pläne Hitlers zur Eroberung Leningrades zunichtegemacht wurden.

Von Juni 1942 bis Mai 1945 führte Generalleutnant, ab Juni 1944 Marschall der Sowjetunion Leonid Alexandrowitsch Goworow das Oberkommando.

Im Januar 1943 gelang es den Armeen der Leningrader und der Wolchow-Front im Verlauf der Zweiten Ladoga-Schlacht die Blockade Leningrades südlich Schlüsselburg zu durchbrechen und die Landverbindung mit der Stadt wiederherzustellen.

In der Leningrad-Nowgoroder Strategischen Angriffsoperation im Januar und Februar 1944 griff die Leningrader Front in Zusammenwirken mit der Wolchow-, der 2. Baltischen Front und der Baltische Flotte die deutsche Heeresgruppe Nord südlich von Leningrad und Nowgorod an und befreite damit Leningrad endgültig aus dem Griff der Blockade. Während dieser Operation wurde das gesamte Leningrader und einen Teil des Kalininer Gebietes befreit, und die sowjetischen Truppen drangen bis nach Estland vor.[2]

Am 24. April 1944 wurde aus dem Südflügel der Leningrader Front die 3. Baltische Front geschaffen. Im Juni 1944 führte die Leningrader Front im Zusammenwirken mit der Baltischen Flotte, der Ladoga- und der Onega-Flottille die Wyborg-Petrosawodsker Angriffsoperation durch. Das erfolgreiche Unternehmen, an dem auch die Wolchow-Front mitwirkte, hatte das Ausscheiden Finnlands aus dem Krieg auf der Seite Deutschlands zur Folge.[3]

Ein Teil der Kräfte der Front nahm an der Baltischen Operation teil und rückte zunächst bei Narwa mit allgemeiner Richtung Dorpat-Reval vor. Bis zum 24. November vertrieben sie die Deutschen und ihre Verbündeten aus Estland. Damit endeten die Angriffsoperationen der Leningrader Front. Ihre Armeen besetzten Positionen entlang der sowjetisch-finnischen Grenze und die Ostseeküste von Leningrad bis Riga. Am 1. April 1945 wurde ein Teil der zur Leningrader Front gehörenden Armeen aufgelöst und die Truppen an die 2. Baltische Front abgegeben, um die Fortsetzung der Blockade der deutschen Heeresgruppe Kurland sicherzustellen. In Zusammenhang mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht nahm die Leningrader Front die Kapitulation dieser Gruppierung entgegen.[4]

Am 24. Juli 1945 wurde die Front auf Befehl des Nationalen Verteidigungskomitees der UdSSR vom 9. Juli 1945 aufgelöst und ging wieder in den Leningrader Militärbezirk über.

Frontkommando[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. russisch Боевой состав Советской Армии на 1 сентября 1941 г.
  2. Glantz, When Titans clashed. Lawrence 1995, S. 192-3.
  3. Glantz, When Titans clashed. Lawrence 1995, S. 192-3, 202.
  4. Glantz, When Titans clashed. Lawrence 1995, S. 226-7.