Lennépark Frankfurt (Oder)

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Im Südteil des Lennéparks.
Mythologische Figurengruppe.
Denkmal für die Schöpfer des Lennéparks.

Der Lennépark ist eine Grünanlage in Frankfurt (Oder), die nach ihrem Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné benannt wurde. Er ist eine 8,9 ha große, mit etwa 900 m Länge und etwa 95 m Breite langgestreckte Parkanlage mit künstlichem Wasserfall, Fließgewässer, Fontäne und Teichen. Der im englischen Stil gestaltete Park ist (nach Theresienstein) der zweitälteste Bürgerpark Deutschlands. Er wird im Westen und Norden von der Straße Halbe Stadt, im Osten von der Karl-Marx-Straße, der Straße An der alten Universität und der Wollenweberstraße und im Süden von der Heilbronner Straße begrenzt. Die Rosa-Luxemburg-Straße teilt den Park.

Im Lennépark auf dem Schneckenberg befindet sich ein siebzig Zentner schwerer Obelisk, auf dessen oberem Ende sich eine Kugel befindet. Der Entwurf des Obelisk stammt vom Bildhauer Johannes Boese.[1] Der Obelisk trägt in Richtung Osten, also dem Park zugewandt, die Inschrift Den Schöpfern dieser Anlage. Auf den Obelisken umgebenden Steinen sind die Namen der einzelnen Schöpfer zu lesen. Dies sind P.J. Lenné, J.N. Buek, J.G. Lehmann, M. Lienau, L. Mende, F.R. Schmeißer und H.W. Steinkopf.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Eine nach 1253 angelegte, 900 m lange, 95 m breite und fast 11 m hohe Wallanlage westlich der Frankfurter Stadtmauer war 1820 militärisch nutzlos geworden und von wildangesiedelte Bäumen und Sträuchern überwuchert. 1825 beschlossen einflussreiche Frankfurter Bürger, erstmals einen Zugang zur Stadt von Westen zu schaffen und die Wallanlagen in einen Park umzuwandeln. Unter der Führung des Kaufmanns und Politikers Michael Martin Lienau und des Pädagogen Professor Friedrich Schmeißer wurde bei den Stadtverordneten ein Antrag auf Übernahme der Baukosten gestellt, der jedoch abgelehnt wurde. Daraufhin wurde unter den Frankfurter Bürgern eine Listensammlung veranstaltet, die 541 Taler erbrachte. Damit wurde zwischen 1825 und 1827 ein neuer Weg durch die Wallanlagen, eine kleine Brücke über den Stadtgraben und ein verschließbares Tor in der Stadtmauer bezahlt. 1832 beschlossen die Frankfurter Stadtverordneten alle Bäume fällen, das Gelände einebnen und die weitere Gestaltung von Privatleuten vorantreiben zu lassen. Bei einer zweiten Sammlung, die von Martin Michael Lienau initiiert worden war, kamen 889 Taler zusammen. Professor Friedrich Schmeißer kaufte für 2 Taler eine Eiche und schützte sie so vor dem Abholzen. Sie ist heute der älteste Baum im Bestand. Lienau schrieb an den mit ihm befreundeten Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné in Potsdam. Lenné besuchte am 22. Februar 1835 Frankfurt. Am 16. März 1835 traf sein Situationsplan ein. Wenige Tage später folgte der Bepflanzungsplan, der 250 Bäume und Sträucher vorsah. Am 30. Januar 1836 wurde im Rathaus die Umgestaltung der Wallanlagen nach den Entwürfen Lennés unter Leitung Professor Schmeißers beschlossen. 56 Arbeiter bewegten daraufhin 1.700.000 Karren Erde. Stark fließende Quellwasser und die Aufrechterhaltung des Betriebes der Lohmühle am Ende des Stadtgrabens bereiteten Probleme. Deswegen sollte ein Schöpfwerk die benötigten Wassermengen über den schützenden Damm fördern. Für die neu anzulegenden Teichen- und Grabenanlagen wurden weitere 3.631.200 Karren Erde bewegt. Wegen Geldmangels wurden die Arbeiten im Juni 1837 unterbrochen. Immer wenn neues Geld vorhanden war, wurde weitergebaut. Mit Spenden Frankfurter Bürger konnte bis 1842 eine Straßenanbindung zur Stadt geschaffen werden. 1842 zerstörten vom Lohmüller aufgewiegelte Arbeiter den Damm. Die im Graben Arbeitenden konnten sich nur mit Mühe und Not retten. Daraufhin legte Professor Schmeißer sein Amt nieder. 1843 bewilligte das königliche Finanzministerium 4.000 Taler zur Weiterführung der Arbeiten. Peter Joseph Lenné kam wieder in die Stadt und bestätigte, dass die Gestaltung in seinem Sinne vorgenommen wurde. Mit der Bepflanzung der Anlage 1845 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Die Schwanenbrücke im Lennépark war ursprünglich aus Holz. Diese musste allerdings 1862 abgerissen werden und wurde durch eine Ziegelbrücke ersetzt. Heute steht diese Brücke als eine der ältesten Brücken Brandenburgs unter Denkmalschutz.[3]

Am 14. September 1949 wurde am südlichen Eingang des Lennéparks ein Denkmal für die Opfer des Faschismus aufgestellt. Nachdem am 8. Mai 1986 an der Rosa-Luxemburg-Straße Ecke Wieckestraße ein neues Mahnmal errichtet worden war, wurde das Denkmal im selben Jahr abgebaut.[4][5]

Ziegelmauer an der Wollenweberstraße, die Lage der abgerissenen Stadtmauer markierend.

In den 1960er und 1970er Jahren wurden die begrenzenden historischen Bauten, unter anderem auch die letzten Reste der Stadtmauer abgerissen.

Seit dem 18. November 1976 steht der Park unter Denkmalschutz.

Die Neugestaltung des Lennéparks ist Bestandteil des im Jahr 2000 geschaffenen Förderprogramms ZiS Innenstadt. 2007 konnte die denkmalgerechte Sanierung des südlichen Eingangsbereiches, der Schwanenbrücke wie auch der angrenzenden Stützmauer abgeschlossen werden.

Baumbestand[Bearbeiten]

Zum Bestand gehören über 50 Baumarten (Stand 1998), darunter

Literatur[Bearbeiten]

  • Frankfurt (Oder) Der Lennépark. Faltblatt. Herausgeber: ABM-Projektgruppe Tourismus Frankfurt (Oder). Ohne Jahr (gefunden 2008).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lennépark Frankfurt (Oder) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Schöpferdenkmal im Park
  2. Bernhard Klemm: Frankfurter Denkmalgeschichte – erzählt anhand von Schicksalen einzelner Denkmäler. In: Mitteilungen des historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V., 1997, Heft 1, S. 12
  3. Jürgen Kleeber in Zentrum, Juli 2006, S. 8–9
  4. Bernhard Klemm: Frankfurter Denkmalgeschichte – erzählt anhand von Schicksalen einzelner Denkmäler. In: Mitteilungen des historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V., 1997, Heft 1, S. 19
  5. Märkische Oderzeitung / Frankfurter Stadtbote, 17. August 2005, S. 16
  6. Der Baumbestand im Frankfurter Lennépark. In: BlickPunkt, 31. Juli 2010, S. 14

52.34620714.548237Koordinaten: 52° 20′ 46,3″ N, 14° 32′ 53,7″ O