Leo Frank (Fabrikdirektor)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lucille und Leo Frank während des Gerichtsverfahrens
Der erhängte Leo Frank

Leo Max Frank (* 17. April 1884 in Cuero, Texas; † 17. August 1915 bei Marietta, im US-Bundesstaat Georgia) war ein amerikanischer Jude, dessen Ermordung bei Marietta im Jahre 1915 zur medialen und öffentlichen Fokussierung auf den aufkommenden Antisemitismus in den Vereinigten Staaten und in späterer Folge zur Gründung der Anti-Defamation League führte.[1]

Frank war der Direktor einer Fabrik zur Produktion von Stiften in Atlanta in Georgia. Ihm wurde der Prozess gemacht, nachdem eine seiner Angestellten, die 13-Jährige Mary Phagan, ermordet worden war.[2] Das Verfahren wurde von einer Berichterstattung begleitet, die durch ihre sensationsfreudige Darstellung, wonach es in der Fabrik auch zu Orgien und Vergewaltigungen gekommen sei, zu einer aufgeheizten Stimmung in der Bevölkerung beitrug. Frank wurde vom Gericht auf Grund von Indizienbeweisen wegen Mordes an Mary Phagan zum Tode verurteilt, ein Urteil, das von mehreren Autoren als eklatanter Justizirrtum bewertet wurde.[3] Das Verfahren wurde von Thomas E. Watson, einem einflussreichen populistischen Politiker und Publizisten, genutzt, um für die Neugründung des Ku-Klux-Klan zu werben, der Anfang der 1870er Jahre von den Bundesbehörden verboten worden war.[4]

Kurze Zeit nach der Verurteilung tauchten Hinweise auf, die Frank entlasteten. John Slaton, der Gouverneur von Georgia, wandelte daraufhin die Todesstrafe in lebenslange Haft um. Allerdings wurde Frank von einer Gruppe, die sich „The Knights of Mary Phagan“ (Die Ritter von M.P.) nannten, verschleppt und bei Marietta (Georgia) durch Hängen gelyncht.[5] Zu der Gruppe, die an dem Mord an Frank beteiligt war, gehörten der ehemalige Bürgermeister von Marietta Eugene Herbert Clay, der Sohn des Senators Alexander S. Clay, der frühere Gouverneur Joseph Mackey Brown, mehrere Rechtsanwälte und ein Staatsanwalt.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alphin, Elaine Marie. An Unspeakable Crime: The Prosecution and Persecution of Leo Frank. Carolrhoda Books, 2010, pp. 124, 139. For the founding of the ADL, see Blakeslee, Spencer. The Death of American Antisemitism. Greenwood Publishing Group, 2000, S. 81.
  2. Steinberg-Brent, Sally. "The Leo Frank Murder Case", in Bruce Afran, Robert A. Garber, Jews on trial. KTAV Publishing House Inc, 2005, S. 95–100, 106.
  3. Albert S. Lindemann,The Jew Accused. Three Anti-Semitic Affairs (Dreyfus, Beilis, Frank) 1894-1915. Cambridge [England] ; New York : Cambridge University Press, 1991. ISBN 9780521403023, S. 239; Dinnerstein, Leonard. The Leo Frank Case. University of Georgia Press, 1987, S. xiii;
  4. Wade, Wyn Craig. The Fiery Cross: The Ku Klux Klan in America. Simon and Schuster, 1987, S. 143.
  5. Coleman, Kenneth. A History of Georgia. University of Georgia Press, 1991, S. 292; also see "Body of Frank is found dangling from a tree near the Phagan home", Associated Press, 17. August 1915.
  6. Sawyer, Kathy. "A Lynching, a List and Reopened Wounds; Jewish Businessman's Murder Still Haunts Georgia Town", The Washington Post, 20. Juni 2000. Für die Liste der beteiligten Lyncher, siehe Goldfarb, Stephen. "Leo Frank Lynchers", leofranklynchers.com, 1. Januar 2000, abgerufen am 22. August 2010.
 Commons: Leo Frank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien