Leonard Ornstein

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Leonard Salomon Ornstein (* 12. November 1880 in Nijmegen; † 20. Mai 1941 in Utrecht) war ein niederländischer Physiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Ornstein studierte bei Hendrik Antoon Lorentz an der Universität Leiden, wo er 1908 über die molekularen Anwendungen der Gibbs´schen statistischen Mechanik promoviert wurde. 1914 wurde er Nachfolger von Peter Debye als Professor für Physik an der Universität Utrecht. Als Leiter des Physik-Labors in Utrecht ab 1922 wandte er sich dort auch experimentellen Untersuchungen zu, insbesondere Intensitätsmessungen von Spektrallinien, und verschaffte dem Institut damit internationales Ansehen. 1921 war er wesentlich mit dem Leiter des Philips Natuurkundig Laboratorium in Eindhoven Gilles Holst an der Gründung der Niederländischen Physikalischen Gesellschaft (Nederlandse Natuurkundige Vereniging) beteiligt, deren Vorsitzender er 1939/1940 war. 1931/32 amtierte er als Rektor der Universität Utrecht.

Nach der deutschen Besetzung 1940 war er als Jude, der zudem noch aktiv in der zionistischen Bewegung war (1918 bis 1922 war er Vorsitzender der Niederländischen Zionistischen Vereinigung), stark gefährdet, weigerte sich trotz Angeboten von Freunden aber, das Land zu verlassen. Er wurde wie alle Juden in den Niederlanden aus öffentlichen Ämtern entfernt und durfte sogar sein Labor in Utrecht nicht mehr betreten. Ornstein isolierte sich daraufhin aus der Öffentlichkeit und starb wenig später.

Ornstein ist vor allem wegen seiner Arbeiten in der statistischen Mechanik bekannt. Nach ihm und George Uhlenbeck ist der Ornstein-Uhlenbeck-Prozess (Ornstein, Uhlenbeck On the theory of Brownian Motion, Physical Review Bd.36, 1930, S.823) benannt. Die Ornstein-Zernike-Theorie (1914, mit Frits Zernike) bestimmt die räumliche Korrelationsfunktion beispielsweise von Molekülen in Flüssigkeiten selbstkonsistent über eine Integralgleichung.

Zu seinen Ehren ist ein Labor an der Universität Utrecht nach ihm benannt.