Leonhard von Limoges

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Richard de Montbaston: Vie des Saints (14. Jh.). Der heilige Leonhard als Fürsprecher der Gefangenen vor dem Thron des Merowingerkönigs Chlodwig I.
Pfarrkirche in Feldbach Leonhard mit Schafen (1900)

Leonhard von Limoges, (* ?; † 559/620 [1]), auch Leonhard von Noblat (frz. Léonard de Noblat) war ein im fränkischen Reich geborener und am Hof der Merowinger erzogener Adelssohn, der als Heiliger verehrt und als Schutzpatron angerufen wird.

Sein im Allgemeinen Römischen Kalender nicht gebotener Gedenktag ist der 6. November.

Leben[Bearbeiten]

Leonhard, dessen auf das Jahr 500 geschätztes Geburtsjahr nicht belegt ist, wird von seinen berühmten Zeitgenossen Gregor von Tours (* 538/39) und Venantius Fortunatus (* 538/39) nicht erwähnt. Seine Lebensgeschichte ist durch eine im 11. Jahrhundert verfasste Biografie mit stark legendärem Charakter bekannt. Gemäß dieser taufte und erzog ihn der Erzbischof Remigius von Reims (440-534). Von Mitleid erfüllt, suchte der junge Leonhard regelmäßig Gefangene auf und sprach erfolgreich für ihre Freilassung bei König Chlodwig I. (466-511) beziehungsweise dessen Nachfolger Chlothar I. (~500-561) vor. Später lehnte er die ihm angebotene Bischofswürde ab, um sich als Eremit in die Einsamkeit des unweit von Limoges gelegenen Waldes von Pauvain zurückzuziehen. Von seiner Zelle aus begann er, für Kranke und Hilfsbedürftige zu predigen.

Zu Grundbesitz kam der Heilige, nachdem er die hochschwangere Frau des Königs gerettet hatte. Das Königspaar jagte in den Wäldern Limoges, doch die Königin lag in den Wehen und fing fürchterlich an zu schreien. Diese Schreie hörte Leonhard und eilte der Königin zur Hilfe. Er rettete ihr und ihrem Kind das Leben. Der König - vermutlich handelte es sich auch um König Chlodwig I. - wollte Leonhard durch Reichtum Dank sagen. Doch Leonhard erbat sich lediglich so viel Waldfläche, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne. Diesen Wunsch erfüllte der König auch.

Leonhard von Limoges gründete auf dem geschenkten Land das Kloster Noblat, das noch besteht.

Die Legende besagt, es seien durch das Gebet des heiligen Leonhards oder durch an ihn gerichtete Fürbitten sowohl vor als auch nach dessen Tod auf wundertätige Weise die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen.

Patronate[Bearbeiten]

Der heilige Leonhard, zunächst Schutzpatron der Gefangenen wird auch als Kettenheiliger bezeichnet. Besondere Verehrung wurde ihm ab dem 11. Jahrhundert in Altbayern zuteil [2], wo er sogar als Nothelfer angesehen wurde, dort allerdings vor allem als Patron und Fürsprecher für das Vieh, insbesondere für die Pferde. Der Volksmund verlieh dem Pferdepatron die Beinamen bayerischer Herrgott oder Bauernherrgott.[3] Der Heilige Leonhard wird von Bauern, Stallknechten, Fuhrmannsleuten, Schmieden und Schlossern, sowie Obsthändlern und Bergleuten angerufen. Er gilt auch als Helfer von Wöchnerinnen, bei Kopfschmerzen sowie Geistes- und Geschlechtskrankheiten.

Patrozinien:

In Inchenhofen besteht seit 1659 eine Erzbruderschaft zum heiligen Leonhard, die Papst Alexander VII. genehmigt hat.

Darstellungen und Brauchtum[Bearbeiten]

Darstellung des hl. Leonhard als Benediktinerabt (in Kukulle und mit Pektorale) mit Kette

Seit dem 13. Jahrhundert wird der heilige Leonhard fälschlicherweise als Benediktinerabt mit Buch, Stab, Kette, oftmals auch mit Pferden und Ochsen dargestellt (Attribute). Die Kette symbolisiert dabei die von ihm erwirkten Befreiungen von Gefangenen. Im Laufe der Zeit wurde sie falsch interpretiert und als Viehkette angesehen, weswegen es zu seinem Patronat über das Vieh kam.

In Bayern gibt es über 50 Leonhardi-Wallfahrten, meist mit Pferderitten bzw. Leonhardifahrten. Mancherorts sind auch Jahrmärkte oder Dulten damit verbunden, wie etwa in Siegertsbrunn oder in Aigen am Inn.

In Bad Tölz gilt dieser Tag als eine Art Feiertag, die Geschäfte haben während eines Umritts und des Gottesdienstes geschlossen und profitieren anschließend von den Besuchern, die sich die Pferdeprozession nicht entgehen lassen.

Bauernregel[Bearbeiten]

Die dem Namenstag entsprechende Bauernregel lautet:

  • Wenn auf Leonhardi Regen fällt, ist's mit dem Weizen schlecht bestellt.
  • Wie's Wetter an Lenardi ist, bleibt's bis Weihnachten gewiss.
  • Nach der vielen Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heiliger Leonhard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Hiltgart L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten, S. 332
  2. Vgl. Hiltgart L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten, S. 333
  3. Vgl. Kurt Malisch: Bauernherrgott - Kettenheiliger - Viehpatron: die Verehrung des heiligen Leonhard in Bayern in France - Bayern. Bayern und Frankreich. Wege und Begegnungen, 2006, S. 25-28